Winnenden

Kreissparkasse will Filialen schließen

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Die Filiale in Nellmersbach soll geschlossen werden. © Palmizi / ZVW

Leutenbach. Die Kreissparkasse will ihre Filialen in Nellmersbach und Weiler zum Stein schließen. Damit zöge sie sich aus zwei der drei Teilorte zurück. Bürgermeister Jürgen Kiesl reagiert auf diese schlechte Nachricht mit einem Protestbrief an den Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Kreissparkasse, Landrat Dr. Richard Sigel.

Es sei zwar für ihn nachvollziehbar, dass die Kreissparkasse ihr Filialnetz „optimiert“ (bei Kiesl in Anführungszeichen), die allgemeine Entwicklung im Bankengeschäft sei ihm bekannt, so der Bürgermeister.

"Radikaler Rückzug"

Nicht zu erwarten gewesen sei allerdings, dass die Kreissparkasse, die ja ein öffentlich-rechtliches Institut sei, in Orten mit über 3000 Einwohnern wie Nellmersbach und Weiler zum Stein ihre Filialen komplett schließt, kritisiert Kiesl, der nachhakt, warum es denn keine Option sei, die Öffnungszeiten zu reduzieren.

Kiesl äußert in dem Brief Unverständnis darüber, dass ab 1. August die Kreissparkasse ihren Kunden in den beiden Orten nicht einmal mehr den Service von Geldautomaten bieten will. Angesichts dieses „radikalen Rückzugs aus der Fläche“ stelle sich die Frage, ob überhaupt noch von einer „Kreis-Sparkasse“ die Rede sein könne.

Kiesl verweist auch darauf, dass ein Teil der Älteren häufig aufgrund körperlicher Einschränkungen weniger mobil sei und nur über eingeschränkte Internetkenntnisse verfüge, so der Bürgermeister, wohl in Bezug auf die „Alternative“ Onlinebanking. Durch die geplanten Filialschließungen sei eine „spürbare Beeinträchtigung“ für diesen Teil der Bevölkerung „bei der Teilhabe am öffentlichen Leben“ zu befürchten.

Eingeschränkte Öffnungszeiten

Kiesl beruft sich auch darauf, dass nach der Intervention eines anderen Bürgermeisters (Großerlach) es nicht zur geplanten Schließung der dortigen Filiale kommt, sondern nur die Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Er bittet Sigel, „insofern“ die komplette Schließung der beiden Filialen zu überdenken beziehungsweise sich dafür einzusetzen, dass es dort weiterhin zumindest Geldautomaten gibt.

Dafür geeignet seien Standorte in Nähe von Lebensmittelmärkten, Ladengeschäften und Gaststätten. Er sei überzeugt davon, dass dort die Geldautomaten öfters frequentiert werden als an den bisherigen Standorten.

Er sei Mitte Mai von der Vorstandsvorsitzenden und dem Direktionsleiter in Winnenden über die Schließungspläne in einem Gespräch informiert worden, so Kiesl auf Nachfrage zum bisherigen Ablauf. Bei diesem Gespräch habe er „mit Engelszungen“ auf die beiden eingeredet, die Entscheidung noch mal zu überdenken, aber keine Bereitschaft dazu erkannt.

Er habe daraufhin „am Rande“ den Gemeinderat informiert und in der Folge die Gelegenheit abgewartet, offiziell Stellung nehmen zu können. Stattdessen sei nun schriftlich die Entscheidung mitgeteilt worden.

Hoffnung, dass zumindest Geldautomaten bleiben

Er habe aber die Hoffnung auf wenigstens den Erhalt von Geldautomaten in den beiden Orten noch nicht aufgegeben, so Kiesl weiter. Er verweist darauf, dass die Volksbank die Öffnungszeiten ihrer Filialen in den beiden Orten seit etwa einem Vierteljahr reduziert hat, so dass diese nicht mehr an allen Tagen unter der Woche geöffnet sind.

Man müsse realistisch sein, sehen, dass die beiden Kreissparkasse-Filialen ja keine zwei Kilometer von der im Teilort Leutenbach entfernt sind und dass auch Winnenden nicht weit weg sei. „Aber was passiert, wenn auch die Volksbank ihre Filialen dort schließen würde?“

Ein Wechsel von Kunden zur Volksbank in Folge der Schließungen wäre andererseits ja „kein Problem der Gemeinde“, gibt Kiesl an die Adresse der Kreissparkasse gerichtet zu bedenken. Er sei „aus allen Wolken gefallen“, als er nun von der kompletten Schließung erfahren habe, „das hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können.“ Es sei für ihn unbegreiflich, dass die Kreissparkasse nicht mal mehr mit Geldautomaten vor Ort vertreten sein will: „Damit ist für mich die rote Linie überschritten.“


Kunden-Umleitung nach Leutenbach

Für Betreuung und Beratung sollen die Kunden aus Weiler zum Stein und Nellmersbach ab September in die Leutenbacher Filiale „umgeleitet“ werden, so die Kreissparkasse. Die Kreissparkasse spricht von einem „neuen“ Filialnetz, verweist auf Internetbanking, darauf, dass immer mehr Bankkunden mobile Medien für ihre Bankgeschäfte nutzen, mit der Folge, dass die Filialen vor Ort bei einfachen Serviceleistungen immer weniger in Anspruch genommen werden. Zudem werde individuelle Beratung immer häufiger an Standorten mit umfassendem Angebot wahrgenommen.

Das Ergebnis einer Prüfung des Nutzungsverhaltens und der Kundenbedürfnisse sei, dass aufgrund der Veränderungen in den vergangenen Jahren das Filialnetz „zum Teil nicht mehr zeitgemäß“ sei. Die Konsequenz sei, in zwei Stufen bis Anfang Dezember schwach frequentierte Filialen und einzelne Filialen, die sehr nahe an anderen liegen, zu schließen. Außerdem sollen Filialen in SB-Stationen umgewandelt werden.

Betroffene Kleinstfilialen

Am Montag will der Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen in einer Pressekonferenz die „Neuausrichtung des Filialnetzes“ vorstellen – dass es um Schließungen geht, berichteten wir am Mittwoch.

Betroffen sind Kleinstfilialen mit schwacher Kundenfrequenz und Zweigstellen, die sich sehr nahe an anderen Standorten befinden. Mittlerweile kristallisiert sich hinter den Kulissen immer deutlicher heraus, um welche Filialen es gehen soll: In den Rems-Murr-Kommunen kursieren Informationsbriefe des KSK-Verwaltungsrates. Ob das Schreiben allerdings den neuesten Stand wiedergibt oder die Schließungspläne in ihrem Umfang mittlerweile noch einmal abgespeckt worden sind, ist unklar.

  • Geschlossen werden sollen möglicherweise Filialen in Nellmersbach, Weiler zum Stein, Schorndorf (Fuchshof), Miedelsbach, Schnait, Schornbach, Urbach-Nord und möglicherweise auch in Stetten sowie in Murrhardt (Hörschbachstraße) und Backnang (Stettiner Ring).
  • Nicht ganz geschlossen, sondern in SB-Filialen (personallose Zweigstellen mit technischem Gerät wie Bankomat, Kontoauszugsdrucker und Überweisungsterminal) umgewandelt werden sollen möglicherweise Beinstein, Fornsbach, Neustadt, Strümpfelbach.
  • Die Zweigstellen in Lippoldsweiler, Maubach, Fellbach (Cannstatter Platz) und Pfahlbronn, die bereits bisher personallos als SB-Filialen betrieben werden, stehen offenbar ebenfalls auf der Kippe.
  • Weitere Kleinfilialen, zum Beispiel die in Großerlach, sollen wohl weiterhin mit Personal, allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten weiterbetrieben werden.

Insgesamt hat die Kreissparkasse 81 Filialen. Dass es nun zu einer Reduzierung kommt, verwundert nicht: Einfache Bankgeschäfte lassen sich heutzutage von daheim oder unterwegs aus bequem digital abwickeln.