Winnenden

Kriminelle Kids: Jugendamt und Eltern gefragt

Feature Gewalt unter Jugendlichen
Symbolbild. © Ramona Adolf

Winnenden/Murrhardt.

Mindestens der eine der beiden kriminellen, strafunmündigen 13-Jährigen, die Anfang der Woche eine Diebestour durch Murrhardt und vergangene Woche eine durch Winnenden gemacht haben sollen (wir berichteten), ist offenbar auch Mitglied einer Nötiger-Clique, die wiederholt Schüler des Königin-Katharina-Stifts in Stuttgart drangsaliert hat.

Im Januar hatte deshalb Franz Baur, der Direktor des Gymnasiums an der Schillerstraße nahe Staatstheater, Oper, Hauptbahnhof und Schlossgarten den Schülern einen Elternbrief mit nach Hause gegeben. Darin schrieb er, im Dezember seien „einzelne Schülerinnen und Schüler von fremden Jugendlichen auf dem Schulweg oder während der Mittagspause im Schlossgarten belästigt, bedroht und teilweise bestohlen“ worden. (Anm.: Aktenkundig geworden sind ein Pfefferspray-Angriff am 3. Dezember und ein Handyraub am 10. Dezember. Opfer waren jeweils elfjährige Schüler.)

In Abstimmung mit der Polizei seien deshalb Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, zudem wurde den Schülern anempfohlen, fürderhin mindestens zu zweit auf dem Schulweg zu sein oder Kleingruppen zu bilden, so Baur. Außerdem sollte die Mittagspause lieber auf dem Schulgelände und in der Schule verbracht werden anstatt gen Königstraße oder Schlossgarten auszuschwärmen. Und im Notfall: 110 wählen.

Am Dienstag, 23. Februar, gegen 10.20 Uhr dann erkennen Schüler einen 13-Jährigen der Nötiger-Clique, als er wieder mal im Gebäude des Gymnasiums herumlungert, diesmal mit einem 15-jährigen Kumpel. Der informierte Direktor alarmiert die Polizei, die die beiden abführt. Der 15-Jährige wird einer Verwandten übergeben, der 13-Jährige seinem Jugendbetreuer in Winnenden. Das Jugendamt hat den strafunmündigen Heranwachsenden aus Murrhardt in Absprache mit seinen Eltern in Winnenden in einem Betreuungsheim untergebracht.

Der Schwererziehbare hatte schon tags zuvor, am Montag, 22. Februar, mit einem anderen 13-jährigen Mehrfachtäter in Winnenden versucht, einen Fahrradschuppen aufzubrechen, am Nachmittag dann mutmaßlich in einer Umkleide der Stöckachsporthalle Handy, Bargeld und Schuhe geklaut sowie einer Imbissbesitzerin 250 Euro aus der Kasse gestohlen. Auch für Einbrüche in Murrhardt und Oppenweiler am Dienstagabend, 1. März, sollen sie verantwortlich sein.

„Erst mit 14 beginnt die Strafmündigkeit. Wir haben also keine strafrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten“, erläutert Rudolf Biehlmeier, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen. „Das Jugendamt kooperiert mit den Eltern, die sich einsichtig zeigen.“ Die beiden 13-Jährigen haben Migrationshintergrund (der eine: Kosovo). Beide sind jedoch in Deutschland aufgewachsen. „Spielt aber eigentlich keine Rolle. Ich habe auch schon deutsche Intensivtäter erlebt, die in jungen Jahren auf die schiefe Bahn geraten sind, es später aber zurück in die Gesellschaft geschafft haben.“ Der Weg werde kein leichter sein, so Biehlmeier, der jahrelang Jugendsachbearbeiter der Polizei in Ellwangen gewesen ist.