Winnenden

Kronenplatz-Entwurf: „Klare Linien, ruhig und markant“

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Bauteil C mit der Tiefgaragenausfahrt steht links, neben der Kastenschule. © SRE/David Kiffer
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Mirko Schwarz, Projektentwickler bei Strabag Real Estate (links), und Architekt David Kiffer von BWK-Architekten auf dem Kronenplatz.

Winnenden. Für die Neubebauung des Kronenplatzes hat Architekt David Kiffer für die Strabag Real Estate drei Baukörper mit klaren Linien entworfen. Der Wettbewerber für das städtische Grundstück setzt andere Akzente und Prioritäten als seine zwei Konkurrenten. Sowohl, was die Fassade angeht, als auch die Tiefgaragenzufahrt und die Lage des Kronenplatzes.

Die bodentiefen Fenster sind auffälligstes Merkmal am Entwurf des Stuttgarter Architekten. „Sie ergeben ein Raster, das die frühere Fenster-Symmetrie alter Häuser aufhebt. Und in diesem Raster gibt es offene, halboffene und geschlossene Elemente mit unterschiedlichen Breiten, die jeweils auf die Nutzung reagieren.“ Wo gewünscht, befindet sich eine Wand, vielleicht auch eine Ausfachung mit Metall oder Ziegelstein, oder etwas Transparentes. Für die oben gelegenen Wohnungen bildet das Raster bloß noch die Begrenzung der Loggien oder Balkone, denn die Wohngeschosse sind deutlich schmaler als die Handels- und Dienstleistungsetagen, sind nach hinten versetzt.

Kronenplatz liegt auf Höhe des Schulhofs und ist dreieckig

„Wir finden rings um den Kronenplatz sehr unterschiedliche Baustile wieder und wollten hier etwas Ruhiges, gleichwohl Markantes, mit eigenem Gesicht einfügen“, so Mirko Schwarz von SRE. „Unser Hauptgedanke ist: Was kann man in 100 Jahren noch sehen?“ David Kiffer, der viel Erfahrung mit der nachträglichen Neubebauung innerstädtischer Quartiere hat, ist vor allem daran gelegen, mit klaren Gebäudekanten die Straßen einzufassen. „Für den Fußgänger soll der so entstehende Raum der Dreh- und Angelpunkt zwischen Bahnhof und Innenstadt sein.

Den Zugang dazu schafft er mit einem 24 Meter hohen, sieben Stockwerke hohen Haus an der Ringstraße (so wie alle anderen Wettbewerber auch) und mit einem fünfstöckigen separaten „Punkthaus“, dem Bau C, neben der Kastenschule. Dieser Würfel sorgt dafür, dass an seiner Rückseite und zusammen mit dem Fußgängerweg von der Kornbeckstraße her ein dreieckiger neuer Kronenplatz entsteht. Er ist, genau wie der Hof der Grundschule, von der Bahnhofstraße abgeschirmt. Hier wäre Platz für Begrünung und Außengastronomie. Am Ende des Platzes befindet sich ein Durchgang, der direkt auf Denn’s Biomarkt zuführt. „Mit dieser Querverbindung wollen wir Synergien mit dem bestehenden Handel nutzen.“, so Schwarz.

Die komplette Trennung der Baukörper an der Alfred-Kärcher-Straße sorgt absichtlich für nicht zu große Handelsflächen. Mit 600 Quadratmetern auf der Seite Richtung Elektro-Heymann sowie 300 im Gebäude an der Ringstraße wollen die Planer etwas „Nachhaltiges und Solides“ schaffen. „Wir wollen hier nicht den zu großen Handel ermöglichen, der erst die anderen Geschäfte abschottet und, wenn er sein Geschäft gemacht hat, nach zehn Jahren rausgeht – aber niemand anderes könnte seine große Fläche übernehmen.“

Keine dritte Tiefgarage

Noch mal zurück zu Bau C. Darin soll sich nach den Planungen Kiffers auch die Tiefgaragen-Ausfahrt befinden. Und zwar, anders als bei Krastyo Gitsovs Entwurf für Ebner-Bürkle, nur die Ausfahrt. „Die Einfahrt legen wir an die Alfred-Kärcher-Straße“, erläutert Mirko Schwarz und zeigt auf die dem Elektro-Markt Heymann nächstliegende Gebäudeecke. Freilich müsse, falls SRE den Zuschlag erhält, alles im Detail noch mit der Stadt abgestimmt werden, aber die Idee hinter der Zweiteilung ist Entflechtung: „Wir würden den Verkehr von und zu den rund 110 Stellplätzen auf die beiden doch relativ schmalen Straßen verteilen“, sagt Mirko Schwarz. Die 40 provisorischen Parkplätze werden zurzeit auch aus zwei Richtungen angefahren.

SRE zieht den Bau einer dritten Tiefgarage, anders als die Mitbewerber, gar nicht in Erwägung. „Das ist vom Untergrund her nicht erstrebenswert, auch weil dort Altlasten liegen“, so Schwarz. Der Untertunnelungsidee einiger Bürger für den Straßenverkehr kann der Projektentwickler ebenfalls nichts abgewinnen. „Ich habe gehört, dass der Oberbürgermeister den Bürgern am 24. April sagte, dass dies bereits untersucht und vom Gemeinderat abgelehnt wurde.“ Für wesentlich praktikabler halten Schwarz und Kiffer den Rückbau der ehemaligen B 14, wonach in der zentralen Zone langsam gefahren werden muss. Die Planung dafür ist noch nicht beschlossen.


Wohnungen, Stellplätze, Handelsfläche

Die Handels- und Gastronomiefläche ist nur fürs Erdgeschoss vorgesehen mit etwa 1200 Quadratmetern. Im 1. Stock können Büros oder Praxen eingerichtet werden auf rund 1300 Quadratmetern. Auch das 2. Obergeschoss könnte dafür zur Verfügung stehen, mit weiteren 1400 Quadratmetern. – Projektbau Pfleiderer aus Winnenden bietet im Erdgeschoss 140 Quadratmeter mehr Fläche, im Obergeschoss 200 weniger an. Ebner-Bürkle aus Fellbach bietet dem Handel 300 Quadratmeter mehr Fläche an als der Stuttgarter Mitbewerber, für Büros im 1. OG gleich viel.

Fürs Wohnen sieht der Strabag-Real-Estate-Entwurf bislang ab der dritten Etage 20 bis 24 Wohnungen auf insgesamt 3300 Quadratmeter vor. Das sind 500 Quadratmeter weniger als bei Projektbau Pfleiderer und 500 mehr als bei Ebner-Bürkle. Bei Bedarf könnten Wohnungen aber auch noch im 2. OG realisiert werden. Alle Wohnungen sind barrierefrei.

Für die Tiefgarage werden zwei Ebenen geplant. Die obere soll die öffentliche Ebene werden mit rund 55 kostenlosen Kundenstellplätzen. Die untere Ebene mit weiteren 55 Plätzen ist den Büromitarbeitern und Bewohnern vorbehalten. Pfleiderer plant 117 Parkplätze auf zwei Ebenen, Ebner-Bürkle will 120 schaffen.

Die Strabag Real Estate GmbH (SRE) plant Immobilienprojekte und verkauft diese an Investoren, die wiederum als Verwalter und Vermieter der Einheiten in dem Komplex fungieren und daraus Rendite beziehen. Die Bauausführung liegt beim Partner Ed-Züblin AG, so Projektentwickler Mirko Schwarz, der in der Stuttgarter Niederlassung arbeitet. „SRE ist ein Bereich der Strabag, die Straßen-, Hoch- und Tiefbau macht“, erläutert er.

David Kiffer ist Ingenieur und Architekt und Geschäftsführer der BWK-Architekten in Stuttgart. Als vergleichbares Objekt nennt er zum Beispiel das 2008 entstandene Rathausquartier in Solingen mit Verwaltungsräumen, Handel und Gastronomie, Ärztezentrum sowie Tiefgarage.

Die Entscheidung

Noch am Montag und Dienstag können Bürger die drei Entwürfe, Bilder und Beschreibungen für die Neubebauung des Kronenplatzes im Rathaus, 1. Stock, vor dem Sitzungssaal, anschauen. Am Dienstag, 15. Mai, 18 Uhr, entscheidet der Gemeinderat, an welchen Projektentwickler das Grundstück verkauft wird.