Winnenden

Kultusministerin Theresa Schopper kommt gut an in der Winnender Albertville-Realschule

Europatag
Ministerin Theresa Schopper im Gespräch mit Schülern der Klasse 8 d der Albertville-Realschule. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie wird man Kultusminister? „Tja, des hätt ich vor a paar Monat au no net dacht, dass i mol Kultusministerin werd“, sagt Theresa Schopper. Die 60-jährige Grünen-Politikerin ist seit Mai Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg und damit die oberste Chefin aller Schulen im Land. Eine davon musste die erste sein, die Besuch bekommt von der Ministerin, und es ist die Winnender Albertville-Realschule, wo einer der Schüler der Klasse 8 d mal nach dem Weg ins hohe Amt fragt. Theresa Schopper ist ein Mensch, der auf Augenhöhe eingestellt ist, der nicht über den Dingen schwebt, der sich den Schülern zuwendet, der nicht belehrt, sondern erzählt, der nicht abstrakt erklärt, sondern vom eigenen Leben ausgehend auf die Schüler eingeht. Die Atmosphäre ist locker und konzentriert im Klassenzimmer.

Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten

„Ich war vorher im Staatsministerium beim Ministerpräsidenten“, erzählt sie. Im Auftrag von Winfried Kretschmann verhandelte sie mit den Leuten von der CDU und von den Grünen, suchte nach Gemeinsamkeiten und Kompromissen, die das Land weiterbringen. „Als dann klar war, dass die Grünen das Kultusministerium bekommen, schaute sich der Ministerpräsidenten nach jemandem um.“

Auch im Kultusministerium geht es darum, Gemeinsamkeiten zu finden, den Ausgleich zwischen Eltern Lehrern und Politik zu suchen. „Da hat sich der Ministerpräsident gedacht: Des kann jetzt die Theresa Schopper schon ganz gut.“ Bei den meisten Ministern würde die Story an dieser Stelle enden. Theresa Schopper erzählt weiter: Sie musste sich dann fragen, ob sie das überhaupt kann. Mit ihrer Familie beriet sie sich lange und dann sagten sie: „Okay, den Sprung, den wagen wir ... und jetzt habt Ihr mich hier.“

Schopper: „Was ist vernünftig? Und was ist irgendwie "an Käs"?“

Die Schüler haben sich gut vorbereitet mit ihrer Lehrerin Julia Seegan. Fast wie in einem Bewerbungsgespräch fragte einer die Ministerin: „Was möchten Sie als Kultusministerin erreichen?“ Sie wirkt nachdenklich und erzählt von ihrer eigenen Jugend und ihrem Elternhaus, wo Bildung nicht so wichtig war, wo sie trotzdem gerne auf die Schule ging, ihren Weg fand, zum Studieren ging, und dann sagt sie: „Was ich erreichen möchte: Wenn Schüler fertig sind mit der Schule, dann sollen sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie sollen wissen: Was ist vernünftig? Und was ist irgendwie an Käs?“

Die Augen aller Schüler ruhen auf der Ministerin. Selbst wenn Schüler und Ministerin über die Europäische Union reden, spürt man eine leichte Emotionalität. Ein bisschen traurig klingt es, als eine Schülerin fragt: „Warum werden manche Länder nicht aufgenommen in die Europäische Union?“

Es geht um Zugehörigkeit, ums Dabeisein in Europa. Und Schopper sucht nach Gemeinsamkeit, auch in Europa: „Es ist so, dass gerade im Balkangebiet manche Länder noch nicht aufgenommen sind. Aber die Verhandlungen laufen. Wir erwarten von den Ländern, dass sie Voraussetzungen erfüllen, dass in ihrem Land die Rechtsstaatlichkeit gilt, dass Pressefreiheit gilt, und darüber muss man reden. Ich hoffe sehr, dass die Länder in die Europäische Union aufgenommen werden.“

Nach 45 Minuten blicken die Schüler noch konzentriert zur Ministerin

„Unternimmt die Europäische Union genug für den Klimaschutz?“, fragt ein Schüler. „Ja, das ist eine große Frage.“ Kurz erzählt sie von komplizierten Dingen wie CO2-Zertifikaten. Aber nur kurz. Dann sagt sie: „Es ist mehr Tempo nötig beim Klimaschutz. Weil ihr seid diejenigen, die nachher auf der Erde leben mit dem, was jetzt beschlossen wird.“ Das Gespräch geht jetzt schon 45 Minuten, und die Schüler blicken ernst, aber entspannt in Richtung Politikerin. Aber nur noch wenige Sekunden.

Dann kommt die Schülerfrage: „Wer ist eigentlich verantwortlich in der Europäischen Union?“ Da wird’s abstrakt. Schopper fängt an zu erklären, was die Europäische Kommission ist und macht, was die Staatschefs letztlich doch bestimmen und was das Europäische Parlament bewirkt. Draußen vor dem Klassenzimmer zwitschert eine Meise, und die Blicke der Schüler wandern in unterschiedliche Richtungen. Ministerin Schopper geht zum Schluss der Stunde über. Sie hatte die Schule besichtigt, das Mahnmal zum Amoklauf und den Gedenkraum in der Schule besucht, hat erfahren, wie die Schule heute mit dem Thema Gewalt umgeht: „Ich hab gesehen: Ihr macht auch eine Rauf-AG. Das hat mir sehr gut gefallen.“ Den Schülerinnen und Schülern sagt sie Adieu: „Das war mein erster Besuch einer Schulklasse als Ministerin. Von daher werd’ ich die Klasse 8 d der Albertville-Realschule immer in Erinnerung behalten.“

Wie wird man Kultusminister? „Tja, des hätt ich vor a paar Monat au no net dacht, dass i mol Kultusministerin werd“, sagt Theresa Schopper. Die 60-jährige Grünen-Politikerin ist seit Mai Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg und damit die oberste Chefin aller Schulen im Land. Eine davon musste die erste sein, die Besuch bekommt von der Ministerin, und es ist die Winnender Albertville-Realschule, wo einer der Schüler der Klasse 8 d mal nach dem Weg ins hohe Amt fragt.

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