Winnenden

Kunstprojekt in Berlin: Kärcher befreit Turbinen-Halle von Farbschichten

Malhalla
Kärcher-Leute rücken einer alten Farb- und Lackschicht auf Backsteinen zu Leibe. © Kärcher

Eine Kooperation der ungewöhnlichen Art hat sich in Berlin-Oberschöneweide entwickelt: Kärcher kooperiert mit dem Künstler Ralf Schmerberg, der gemeinsam mit seinem Team in der ehemaligen, heute denkmalgeschützten Turbinenhalle der AEG einen Ort für Kunst, Kultur und Innovation schafft: die „MaHalla“ (www.mahalla.berlin). Im Rahmen seines Kultursponsorings übernimmt Kärcher herausfordernde Reinigungsaufgaben in der jahrzehntelang ungenutzten Halle und unterstützt bei der Schaffung von Kunstwerken. Das berichtet das Winnender Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Backsteinmauerwerk von 1895 kommt zum Vorschein

„Ich freue mich sehr, dass wir Kärcher als Partner für die Reinigung und das erste Kunstwerk in der „MaHalla“ gewinnen konnten“, sagt Ralf Schmerberg. Eine besondere Herausforderung für die Kärcher-Experten ist die Reinigung der inneren Backsteinfassade der „MaHalla“. Auf der bislang nie professionell gereinigten Oberfläche befinden sich jahrzehntealte Farb- und Lackschichten, die teilweise bis in die Bauzeit der Halle im Jahr 1895 zurückreichen. Gemeinsam mit einem Restaurator und dem Landesdenkmalamt wurde eine wirksame und zugleich schonende Methode festgelegt, mit der die Verschmutzung entfernt und die Originalsubstanz zugleich geschont werden können. „Wir sind stolz darauf, mit unserer materialschonenden Reinigungstechnik einen Beitrag zur Herrichtung dieses denkmalgeschützten Ortes leisten zu können“, erklärt Thorsten Möwes, der als Spezialist für restauratorische Reinigung bei Kärcher die Durchführung vor Ort verantwortet.

Die Reinigung mit minus 79 Grad kalten Trockeneispellets

In einem ersten Schritt kommt das Heißwasser-Hochdruckverfahren zum Einsatz. Dabei trifft das 80 bis 90 Grad heiße Wasser mit einem Druck von 3 bis 4 bar auf die Oberfläche. Ein Großteil der Farb- und Lackschichten werde so bereits behutsam abgetragen. Für hartnäckige Verschmutzungen setzt Kärcher anschließend das Trockeneisstrahlverfahren ein. Bei dieser Technik werden minus 79 Grad Celsius kalte Trockeneispellets auf die verschmutzte Oberfläche gestrahlt. Im Moment des Aufpralls geht das Trockeneis vom festen in den gasförmigen Zustand über (Sublimation), dringt in den Schmutz ein und löst ihn durch die Volumenvergrößerung im Zuge der Sublimation von der Oberfläche ab, ohne dabei die Wand selber zu beschädigen. Zugleich bewirken die Temperaturdifferenz durch die Minusgrade und die hohe Aufprallgeschwindigkeit, dass der Schmutz gelöst wird. Die Geräte leisten viel, aber den Menschen braucht es auch: Letzte hartnäckige Stellen werden manuell mit einem vorab getesteten Abbeizmittel behandelt.

Auf einer der Hallenwände erschafft Ralf Schmerberg ein sogenanntes „Reverse Graffiti“. Bei diesem entstehen Motive durch das gezielte Abtragen von Verschmutzungen. Mit Hilfe von Schablonen und Heißwasser-Hochdruckreinigern sowie der Trockeneistechnik wird die Mauer rund um die Schablonen gereinigt. Durch den Hell-Dunkel-Kontrast zwischen den gereinigten und ungereinigten Flächen entsteht der Schriftzug „The World is full of Pain“. auf Deutsch: „Die Welt ist voller Schmerz“.

In dieser Halle war das erste Drehstromkraftwerk Europas

Die Halle, in der die „MaHalla“ entsteht, gehört zur Keimzelle der AEG, hier wurde 1895 das erste Drehstrom-Kraftwerk Europas erbaut. Von hier aus begann die europaweite Verbreitung von Starkstrom und damit die Elektrifizierung der Städte. Zusammen mit der historischen Turbinenhalle, in der sich die „MaHalla“ heute befindet, wuchs das Gründerzentrum der Elektroindustrie, das sich zu Hochzeiten 2,5 Kilometer entlang der Spree ausdehnte.

Bis zur Wende 1990 war der Industriekomplex an der Wilhelminenhofstraße in regem Betrieb: Täglich arbeiteten bis zu 25 000 Menschen in fünf volkseigenen Betrieben. Oberschöneweide galt als „Herz“ der ostdeutschen Energiewirtschaft. Produziert wurde alles, was Strom fließen lässt. Seit Anfang der neunziger Jahre stand der Komplex größtenteils leer. Heute entwickelt sich in den denkmalgeschützten Industriebauten eine zukunftsweisende Mischung aus Kreativen-Wirtschaft und Wissenschaft.

Der Künstler hat großformatige Medieninstallationen geschaffen

Der aus der Nähe von Stuttgart stammende Künstler Ralf Schmerberg lebte in seiner Jugend bei den Sannyasins und studierte die Lehren des tibetischen Buddhismus, bevor er sich autodidaktisch der Kunst widmete. Im Laufe seines Werdegangs realisierte er zahlreiche Zusammenarbeiten mit internationalen Marken, Künstlern und Musikern.

Schmerbergs vielfältiges künstlerisches Werk umfasst neben filmischen, fotografischen und plastischen Arbeiten auch Social Gatherings und großformatige Medieninstallationen im öffentlichen Raum wie etwa „Holy Wood“ im Berliner Tiergarten oder „Stromfresser“ am Hamburger Gänsemarkt. Seinen genre- und disziplinenübergreifenden Projekten und Inszenierungen liegt dabei oft ein partizipativer Charakter zugrunde, der nicht selten auch den gesellschaftlichen Diskurs anregt. Mit dem Künstlerkollektiv Music Ashram schaffe Schmerberg seit 2019 performative Klangsituationen, bei denen das Publikum eine ebenso schöpferische Rolle einnehme wie der Künstler selbst.