Winnenden

„Lügen über Lügen“: Neue Komödie der Theaterfreunde

Komödie
Bigi Budig, Gabi Haller und Wolfgang Amato (von links) staunen nicht schlecht, wer da aus dem Bett der Tante steigt: Nico Pietsch. © Büttner / ZVW

Winnenden-Höfen. Wie ein locker-leichtes Tänzchen sieht der Flirt von Eva und Jörg auf der Bühne aus. Bigi Budig und Volkmar Blaschek umarmen sich, halten sich an den Händen, drehen sich im Kreis und schmeißen sich schließlich lustvoll schmusend aufs Sofa. Eine herrlich flüssig gespielte Schlüsselszene in der neuen Komödie „Lügen über Lügen“ der Theaterfreunde Höfen. Am 18. März ist Premiere.

Video: Die Theaterfreunde Höfen proben ihre neue Komödie.

Auffällig ist schon bei der Probe die Selbstverständlichkeit der Akteure, sich raumgreifend auf der Bühne zu bewegen, einer geübten Choreografie zu folgen – und das Gesagte mit Gesten und Gesichtsausdruck zu verstärken, ohne aufgesetzt zu wirken. Auf diese Weise kommt zum Beispiel Bigi Budig als verschwenderische und der Wahrheit wenig verpflichtete, aber dem Seitensprung zugeneigte Gattin authentisch und witzig rüber. Sie spielt nicht nur in einer weiteren Theatertruppe, sondern übernimmt als „Kleindarstellerin“, wie sie es nennt, auch Nebenrollen vor den Kameras von Fernsehfilmproduktionen wie „Tatort“ oder „Soko“.

Torkeln und Schmusen – wie ein Tanz

Geradezu komödiantisches Talent hat Gabi Haller, die als dauerbetrunkene Alte über die Bühne torkelt, aber so schwungvoll und elegant, dass es wiederum ans Tanzen erinnert. Und auch ihren Text beherrscht sie so, dass man ihn trotz schweren Zungenschlags gut versteht.

Wolfgang Amato ist am Probenabend völlig nüchtern und kommt sich doch betrunken vor: „Meine Mitspieler schwanken“, berichtet er von einer längeren Schiffsreise und ihren seltsamen Nachwirkungen, die es ihm schwer machen, frei zu agieren. Seiner beachtlichen stimmlichen Bandbreite tut das keinen Abbruch. Der Chef eines metallverarbeitenden Betriebs, der er im wirklichen Leben ist, schraubt die Sprechhöhe schrill-panisch nach oben oder knurrt wie ein Köter kurz vorm Zubeißen. Der brave Beamte Leo hat gerade erfahren, dass er für den Besuch der reichen Tante aus Amerika einen Landtagsabgeordneten mimen soll. Dabei kommt es für ihn noch schlimmer ...

Der Tritt in den Hintern muss sitzen

Eine faszinierend tiefe Stimme hat Elke Schneider, sie erinnert an die tolle (verstorbene) Schauspielerin Grete Wurm. „Bei der Arbeit als Audio-Akustikerin werde ich am Telefon oft für einen Mann gehalten“, sagt die Darstellerin der Tante lachend.

Volkmar Blaschek spielt als „Dienstältester“ der Theaterfreunde wieder selbst mit, die Rolle des Liebhabers Jörg, der beim Seitensprung von der Tante ertappt wird und flugs in die Rolle des Ehemanns schlüpft. Der gehörnte Ehemann Wolfgang Amato kriegt’s nicht mit und ist sauer, weil er auf einmal seinen eigenen Diener spielen soll. In einem unbeobachteten Moment tritt er dem Nebenbuhler dafür herzhaft in den Hintern, was am Dienstagabend dreimal geübt wird, bis der Tritt optisch wirkungsvoll sitzt und das Timing passt: Volkmar Blaschek wird damit regelrecht von der rechten Bühnenseite zur linken „katapultiert“. Und damit er überhaupt erst seinen Tritt kriegt, muss er die gleiche Strecke hintenrum zurücklegen und mit seinem Text verbinden – gar nicht so ohne, die Bühnenchoreografie.

Alle Qualitäten einer lustigen Verwechslungskomödie

Die Theatergruppe der Sportfreunde hat bei der Probe schon einige Zuschauer, die sich in die Handlung reinziehen und vom Slapstick faszinieren lassen. Vater und Sohn Dettenmaier zum Beispiel, die für Licht und Ton zuständig sind, während Mutter Nicole schauspielert. Aber auch Nico Pietsch, der im ersten Akt noch nicht dran ist. „Es ist toll, mal am Stück zu sehen, wie die ganzen Verwirrungen entstehen.“ Mit seinem Auftritt als Einbrecher erfährt die Handlung nochmals eine überraschende Wendung – und es wird nicht die letzte sein. Das Stück besitzt alle Qualitäten einer lustigen Verwechslungskomödie, die durch originelle Einfälle des Autors und erfrischendes Spiel der Truppe kurzweilig zu werden verspricht.

„Lügen über Lügen“ ist fünfmal zu sehen

Das neue Stück der Theaterfreunde Höfen-Baach heißt „Lügen über Lügen“. Geschrieben hat es Walter G. Pfaus.

Die fünf Aufführungen (18., 24., 25., 31. März und 1. April) beginnen jeweils um 20 Uhr in der Gemeindehalle in Höfen. Einlass ist um 18.30 Uhr, der Saal ist bewirtet. Vorverkaufsstellen sind die Volksbankfiliale Höfen, die Parfümerie Wöhrle, und donnerstags ab 19.30 Uhr das Vereinsheim der Sportfreunde an der Talstraße 20. Der Eintritt kostet zehn Euro (ermäßigt acht).

Zum Inhalt: Bei Leo und Eva reicht das Geld hinten und vorne nicht. Sie hoffen auf die reiche Erbtante aus Amerika, doch als sie ihren Besuch ankündigt, beichtet Eva ihrem Mann, dass sie die Tante in Briefen belogen hat. Leo sei Landtagsabgeordneter, die beiden hätten drei Angestellte und einen dicken Dienstwagen. Drei Freunde, darunter Robin Wagner und Nicole Dettenmaier, versprechen, die Angestellten zu spielen, doch da Eva mit einem ein Verhältnis hat, gerät alles durcheinander. Als auch noch Leos Mutter und ein gerissener Einbrecher auftauchen, droht das Konstrukt vollends auseinanderzubrechen. Doch auch die Tante ist nicht die, für die sie sich ausgegeben hat ...