Winnenden

La-Piazza-Wirt Aldo del Negro verlässt das Alte Rathaus in Winnenden

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Überraschendes Aus in Winnenden: Aldo del Negro betreibt das La Piazza im Alten Rathaus nur noch bis 30. September. © Sebastian Striebich

Das La Piazza zieht aus! Nur noch bis Ende September wird Aldo del Negro sein italienisches Restaurant im Alten Rathaus am Marktplatz betreiben. Der 62-jährige Gastronom, der vor fünf Jahren vom „Fachwerk“ gegenüber auf die andere Straßenseite gezogen ist, wäre eigentlich gerne geblieben. Einem mit der Stadtverwaltung neu ausgehandelten Pachtvertrag stimmten aber die Stadträte hinter verschlossener Tür nicht zu. Das heißt: Die Stadt Winnenden muss sich auf die Suche nach einem neuen Pächter machen – und Aldo del Negro nach einem neuen Gasthaus.

Denn Aufhören steht nicht zur Debatte: „Ich möchte noch nicht in den Ruhestand gehen“, sagt Aldo del Negro im Gespräch mit unserer Redaktion, „ich möchte noch was bewegen.“ Er werde sich für sein Restaurant nach einer neuen Bleibe umsehen, kündigt der Gastronom an, habe auch schon ein, zwei Objekte im Auge: „Ich suche mir was Neues, vielleicht auch etwas kleiner“, am liebsten in der Umgebung, gerne auch in Winnenden. „Ich habe hier gute Stammgäste, mit denen ich auch befreundet bin“, sagt der 62-Jährige.

Ein bisschen „Wehmut“ verspüre er schon darüber, dass seine Ära am Marktplatz bald endet. Doch was sind eigentlich die Gründe?

Die Option, um fünf Jahre zu verlängern, hat Aldo del Negro nicht gezogen

Termin bei Ralf Köder. Er ist als Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr in Winnenden auch für das Alte Rathaus zuständig, das seit 1989 Restaurants beherbergt. Aldo del Negro war mit seinem La Piazza 2008 ins „Fachwerk 1694“ gegenüber dem Alten Rathaus gezogen. 2017 handelte Köder mit del Negro einen Fünfjahresvertrag für das „La Piazza im Alten Rathaus“ aus – mit der Option für den Wirt, nach fünf Jahren um weitere fünf Jahre zu verlängern. „Die Option hat er nicht gezogen“, sagt Ralf Köder.

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie habe der Wirt neu verhandeln wollen. „Wir waren den ganzen Herbst 2021 über im Gespräch“, berichtet der Amtsleiter. Die beiden Lager hätten „zum Teil weit auseinander“ gelegen, dann aber doch einen Konsens gefunden. „Wir hätten dem Vertrag letztlich zustimmen können“, sagt Ralf Köder über die Bedingungen, auf die er sich mit Aldo del Negro schließlich geeinigt hatte.

Doch in einer nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses fiel der mühsam ausgehandelte Pachtvertrag krachend durch. „Eine Mehrheit des Gemeinderats konnte sich nicht damit anfreunden“, sagt Ralf Köder. Warum? Zu Details aus der Sitzung darf er sich nicht äußern.

Der Ukraine-Krieg verschärft die Situation

Aldo del Negro sagt, nach der Pandemie mit all ihren Begleiterscheinungen wie Umsatzeinbußen, Personalnot und Preissteigerungen habe er sich nicht für weitere fünf Jahre binden wollen. Das Risiko sei einfach zu groß. Die Lage habe sich jetzt, durch den Ukraine-Krieg, teure Lebensmittel und vor allem Strom- und Gaskosten noch verschärft. Er habe in den Verhandlungen mit der Stadt deshalb erst auf halbjährliche, dann jährliche Ausstiegsoptionen gepocht.

Außerdem habe er sich gewünscht, das Holzhäuschen mit Bar, aus dem er im Winter Glühwein verkauft, auch den Sommer über aufbauen zu dürfen, um Hugo, Aperol Spritz und Weine anzubieten. Zu den Bedingungen der Stadt – Abbau der Hütte zu Citytreff und Weintagen – mache das aber keinen Sinn für ihn.

Die nichtöffentliche Entscheidung der Stadträte fiel eindeutig aus

Die von der Stadt erhobene Pacht indes sei „human“. Ums Geld sei’s nicht gegangen, zumindest nicht an erster Stelle.

Aus Reihen des Gemeinderats ist hingegen zu hören, dass die Finanzen sehr wohl eine große Rolle gespielt haben. Den Stadträten ist es offenbar sauer aufgestoßen, dass sich Aldo del Negro nicht an die 2017 ausgehandelten Bedingungen halten, sondern Vergünstigungen herausschlagen wollte. Der Auftrag an die Stadtverwaltung, das Restaurant dann lieber ganz neu auszuschreiben, sei in der nichtöffentlichen Sitzung sehr eindeutig ausgefallen.

Um ein Haar wäre es für alle Stammgäste des „La Piazza“ noch schlimmer gekommen: Eigentlich wäre der Pachtvertrag zwischen der Stadt und Aldo del Negro bereits Ende April ausgelaufen. Immerhin auf eine Verlängerung bis Ende September konnten sich die Parteien noch einigen. Ein Leerstand des beliebten Restaurants mit Außenbewirtung auf dem Marktplatz ausgerechnet im Sommer hätte nicht nur Wirtschaftsförderer Ralf Köder sehr geschmerzt.

Ralf Köder: „Unser Ziel ist es, den Leerstand so kurz wie möglich zu halten“

Ganz ohne Schließzeit wird ein Pächterwechsel freilich nicht über die Bühne gehen. Ralf Köder geht von ein, zwei Monaten von Anfang Oktober an aus. „Unser Ziel ist es, den Leerstand so kurz wie möglich zu halten. Im Idealfall nimmt der neue Pächter schon das Weihnachtsgeschäft mit.“

Der Neue ist noch nicht gefunden. Anfang Juni erfolgt die Ausschreibung, abgestimmt auf den Erscheinungstermin des Dehoga-Magazins, außerdem wird die Stadt Anzeigen in der Lokalpresse schalten. Verwaltung und Gemeinderat schwebt auch in Zukunft eine gutbürgerliche bis gehobene Gastronomie vor – „dazu zählt auch ein guter Italiener“, sagt Ralf Köder.

Jetzt wird der insgesamt siebte Wirt für das Alte Rathaus seit 1989 gesucht

Die Entscheidung über die Nachfolge von Aldo del Negro wird die Verwaltung wieder in die Hände der Stadträte geben. Sie dürfen – Bewerbungen vorausgesetzt – am Ende bestimmen, wer der siebte Pächter im Alten Rathaus seit 1989 wird. Das Gebäude war damals grundlegend saniert und umgebaut worden, nachdem das neue Rathaus 1986 in Betrieb gegangen war. Einfach dürfte die Suche nach einem neuen Gastronomen für das Winnender Prestige-Objekt angesichts der aktuellen Wirtschaftslage allerdings nicht werden.

Was aber schon heute feststeht: Für Aldo del Negro brechen jetzt die letzten Monate am Marktplatz an.

Das La Piazza zieht aus! Nur noch bis Ende September wird Aldo del Negro sein italienisches Restaurant im Alten Rathaus am Marktplatz betreiben. Der 62-jährige Gastronom, der vor fünf Jahren vom „Fachwerk“ gegenüber auf die andere Straßenseite gezogen ist, wäre eigentlich gerne geblieben. Einem mit der Stadtverwaltung neu ausgehandelten Pachtvertrag stimmten aber die Stadträte hinter verschlossener Tür nicht zu. Das heißt: Die Stadt Winnenden muss sich auf die Suche nach einem neuen Pächter

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