Winnenden

Laden am Ort hält sich dank Internet

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Seit anderthalb Jahren wieder mit einem Laden in Winnenden: Melanie Wilhelmi. © Habermann / ZVW

Winnenden. Wenn heute ein Laden aufhört, sagt der Inhaber oft: Das Internet hat ihm die Luft genommen. Bei Melanie Wilhelmi und ihrem Babysachengeschäft ist es andersherum: Das Internet hat ihr Geschäft wiederbelebt, und zwar so, dass sie einen Abholshop am Rand der Winnender Innenstadt eröffnet hat.

Im Video: Melanie Wilhelmi und ihr Onlineshop "Meine kleine Liebe"  der immer mehr Zuspruch findet.

Melanie Wilhelmi ist vielen Winnendern bekannt als frühere Inhaberin des Babysachengeschäfts „Die Pusteblume“. Sie hatte damals Energie und viele Ideen in den netten, kleinen Laden gesteckt. Von 2006 bis 2011 war ihr Pachtvertrag gelaufen.

Laden trägt sich zwar, aber es bleibt zu wenig Einkommen

Am Ende sagte sich Melanie Wilhelmi: Der Laden trägt sich zwar, aber es bleibt zu wenig Einkommen für die Inhaberin übrig. Also schloss sie den Laden und nahm die restliche Ware mit nach Hause. Sie hatte ja noch einen kleinen Internetauftritt. Über den und über E-Bay und Ähnliches verkauft sie ihre Restbestände und merkte: Das funktioniert so gut, dass es sich lohnt, zusätzliche Ware zu beziehen und sie übers Netz zu vertreiben.

Sie fing klein an im Jahr 2011 und baute ihr Internetgeschäft ganz langsam auf. Ihre Haupteinkommensquelle war eine Aufgabe im Vertrieb für eine Firma, für die sie heute noch nebenberuflich arbeitet. Ihr Internetshop wuchs. Sie sammelte Erfahrungen, gute und schlechte. Schnell gab sie ihrem Geschäft den neuen Namen „Meine kleine Liebe“. Genauso schnell stellte sie das Sortiment um, weg von der Kinderkleidung, hin zu Geschenkartikeln und Wohn-Accessoires für Kinderzimmer. Kleidung, wo es auf Passformen ankommt, verkauft sie nicht. Die brächte ihr zu viele Retouren.

„Als ich noch den Laden hatte, hätte ich das gar nicht geschafft“

Die 37-jährige Kauffrau fand im Internet eine Gratis-Software für Onlineshops. Mit der richtete sie sich eine eigene Plattform ein und ließ sich von einem Programmierer in den rein technischen Dingen helfen. Die Grafik ihres Onlineshops entwickelte sie aber selbst. Die Texte schreibt sie eigenhändig, achtet darauf, dass bestimmte Schlüsselwörter (Keywords) vorkommen, die in Suchmaschinen wie Google gerne gesucht werden.

Fotos von ihren Waren kriegt sie meist von den Herstellern, teilweise macht sie sie auch selbst, einfach mit dem Handy, zum Beispiel die Hochformatfotos für Instagram. Die meiste Arbeitszeit verbringt sie am Computer, am Tablet (Täfelesrechner) und am Smartphone (Wischtelefon). „Als ich noch den Laden in der Kirchgasse hatte, hätte ich das gar nicht geschafft.“

Die Homepage wirkt nobel, beschaulich und übersichtlich

Wer einen Laden hat, kann nicht viele Stunden am Tag seinen Internetauftritt polieren und aktualisieren, Blogs schreiben, Produktbeschreibungen internetgerecht formulieren und einzelne Bestellungen schriftlich begleiten. Erst als sie ihren Laden geschlossen hatte, hatte sie die Freiheit und die Zeit, sich ins Onlineshopping zu vertiefen.

Vergleicht man heute die Homepage von www.meinekleineliebe.de mit der von beispielsweise Baby-Walz, dann ist das wie ein Feinkostgeschäft und ein Aldiregal. Bei Walz ist die Homepage regelrecht vollgestopft bis zur Unübersichtlichkeit und obendrein knallbunt. Bei „Meine kleine Liebe“ wirkt die Homepage nobel, beschaulich, übersichtlich, unaufdringlich und dezent in den Pastellfarben.

Melanie Wilhelmi hat jetzt 15 000 Gefolgsleute (Follower) auf Instagram, und die meisten von ihnen sind zwischen 24 und 35 Jahren alt. So viele Bestellungen hat sie, dass es sich lohnt, ein kleines Lager anzumieten in der Bachstraße 16 in Winnenden. Und weil das Lager viel schöner aussieht, wenn man es wie ein Geschäft dekoriert und die Ware präsentiert, wurde daraus ein Abholshop, der aber nur an zwei Tagen in der Woche fürs Publikum geöffnet ist. So hat das Internet Winnenden einen Laden beschert.

Kauffrau und Fachfrau für Sportmarketing

  • Junge Mütter entwickeln meist ein großes Geschick in der Auswahl von schönen Babysachen. Manchmal denken sie, dieses Geschick könnten sie nützen, um einen Onlineshop aufzubauen. „Meist unterschätzen sie die Schwierigkeiten, die auf sie zukommen“, meint Melanie Wilhelmi.
  • Sie ist gelernte Kauffrau und hat Sportmarketing studiert. Buchhaltung, kaufmännisches Rechnen, Einkauf, Verkauf, beherrscht sie seit Jahren. Marketing, auch Internetmarketing, hat sie studiert.
  • Es hat einige Jahre Vorlaufzeit gebraucht, bis ihr Onlineshop durchstartete. Jetzt ist sie so gut präsent auf Instagram und auf ihrer Homepage, dass viele Kundinnen hinter „Meine kleine Leibe“ ein großes Unternehmen vermuten, zumindest eines, das eine Texterin hat, einen Verpacker und Versender, einen Lageristen und einen Homepagemanager. „Ich muss dann immer schmunzeln, wenn ich so was höre“, sagt Melanie Wilhelmi. Sie ist das alles selbst.
  • Um Mitarbeiter zu beschäftigen, ist der Umsatz noch zu gering. Die Chefin macht alles. Sie legt sogar jedem Kundenpaket einen handgeschriebenen Gruß bei. So viel persönliche Ansprache muss sein. Gerade im Onlinegeschäft.