Winnenden

Legt Omikron die Firma lahm? Nicht bei Kärcher, Kaysser, Giesser und Benz

Omikron-Lage Winnender Firmen Kaysser
Die Maske ist bei der Firma Kaysser in Leutenbach (hier zu sehen: Abteilungsleiter Udo Schwarz (links) und sein Stellvertreter Jens Disch bei der Arbeit) und anderswo seit Beginn der Pandemie zum Standard geworden. © Alexandra Palmizi

Um die großen Arbeitgeber in Winnenden und Umgebung muss sich in der Corona-Krise offenbar niemand Sorgen machen: Kärcher verzeichnet Rekordumsätze und auch die Mitarbeiter in der Messerfabrik Giesser, bei Metallexperte Kaysser und Sportgerätehersteller Benz haben aufgrund der hervorragenden Auftragslage alle Hände voll zu tun. Da ist es gut, dass das Personal auch einsatzbereit ist und nicht massenhaft in Omikron-Quarantäne sitzt. Der aktuelle Krankenstand ist jedenfalls nicht außergewöhnlich hoch, berichten die Unternehmen. Dem Ende der Corona-Krise fiebern alle entgegen – auch wenn manches nie mehr so sein wird wie vor der Pandemie.

Corona-Müdigkeit bei Kaysser: "Wir freuen uns auf den Frühling"

Thomas Kaysser, Geschäftsführer der H.P. Kaysser GmbH + Co. KG mit Sitz in Nellmersbach, stöhnt auf, als das Thema Corona zur Sprache kommt. „Ich kann das Wort nicht mehr hören“, sagt er am Telefon. Die Nerven lägen bei vielen mittlerweile blank. „Das spüren wir schon. Es wird jeden Tag schwieriger, ein Lächeln aufzusetzen. Wir freuen uns auf den Frühling und hoffen auf Normalität. Auch wenn wir wissen: Das wird uns noch ein paar Jährchen begleiten. Um die Maske werden wir vermutlich nicht herumkommen.“

Im Grunde ist die Firma mit ihren 420 Mitarbeitern in 14 Abteilungen aber gut durch die Pandemie gekommen, die Auftragslage sei „fantastisch“. Auch die hochansteckende Omikron-Variante hat es nicht geschafft, den Betrieb lahmzulegen. Das liegt wohl auch an den Sicherheitsmaßnahmen, die Kaysser getroffen hat: „Wir haben im März 2020 schon angefangen, alles Menschenmögliche zu machen“, berichtet Thomas Kaysser, „Abstand, Masken, digitale Besprechungen, Ärzte, die uns regelmäßig getestet haben“, zählt er auf – „vier Leute desinfizieren hier alles, was mit den Händen berührt wird.“

„Es gibt Kunden, die haben ganze Abteilungen schließen müssen“

Ein Problem seien schon eher Ausbrüche bei Geschäftspartnern gewesen: „Es gibt Kunden, die haben ganze Abteilungen schließen müssen. Das hatte für uns die Auswirkung, dass wir nicht liefern konnten, obwohl wir fertig waren.“ Die Folge: Verzögerungen und höhere Kosten für die längere Lagerung der Ware.

Natürlich habe es aber auch bei Kaysser in den vergangenen zwei Jahren positive Fälle gegeben, Mitarbeiter mussten in Quarantäne. Auf der Intensivstation landete aber Gott sei Dank niemand. Und auch die Omikron-Welle ist hinter den Befürchtungen zurückgeblieben. Nach den Schulferien im Januar sei die Kurve zwar leicht angestiegen, berichtet Kaysser, insgesamt melden sich aktuell aber nicht mehr Menschen krank als im Februar üblich.

Omikron-Welle bei Kärcher? Fehlzeitenquote nur leicht erhöht

Davon berichtet auch die Winnender Weltfirma Kärcher, die mit Hochdruckreiniger und Co. mitten in der Pandemie erstmals mehr als drei Milliarden Euro Jahresumsatz gemacht hat. 2800 Menschen sind am Standort Winnenden für Kärcher im Einsatz. „Verglichen mit Januar 2021 und auch mit dem Vor-Corona-Januar 2020, ist unsere diesjährige Fehlzeitenquote nur leicht erhöht, weswegen sie keine Auswirkungen auf den Arbeitsalltag hat“, schreibt Unternehmenssprecherin Anouk von Hochmeister auf Anfrage unserer Redaktion.

Ansteckungen am Arbeitsplatz hätten durch umfangreiche Maßnahmen „weitestgehend“ vermieden werden können. „Störungen in der Lieferkette sind seit Pandemiebeginn immer wieder ein Thema, insgesamt ist Kärcher aber gut durch diese anspruchsvolle Zeit gekommen.“

Messerfabrik Giesser: Sehr gut gefüllte Auftragsbücher

Immerhin 120 Mitarbeiter sind am Standort Winnenden in der Messerfabrik Johannes Giesser beschäftigt. Geschäftsführer Hans-Joachim Giesser liefert genaue Zahlen zum aktuellen Krankenstand. Der liege aktuell bei acht Prozent, wobei fünf Prozent auf die für diese Jahreszeit üblichen Krankheiten zurückzuführen seien und drei Prozent auf Corona. „Da die Auftragsbücher sehr gut gefüllt sind, müssen die höheren Ausfallzeiten kompensiert werden durch zusätzliche Überstunden und Zeitarbeitspersonal“, schreibt Hans-Joachim Giesser.

Auch bei Giesser seien durch „räumliche Umstrukturierungen“ frühzeitig „direkte Arbeitskontakte in der Fertigung“ minimiert worden. Die Verwaltung wurde überwiegend ins Home-Office geschickt – „wobei wir aber schon auch feststellen müssen, dass nicht alle Arbeiten so ohne weiteres von zu Hause aus erledigt werden können und unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Teamspirit des Berufsalltages zu Hause stark vermissen.“

Was Giesser aktuell mehr beschäftigt als Corona: die Preiserhöhungen bei Stahl und Kunststoff: „Darüber hinaus gibt es immer wieder Lieferengpässe bei allen Verpackungsmaterialien.“

Bei Sportgerätehersteller Benz überdurchschnittlich viel produziert

Von diesen Lieferengpässen kann auch Sportgerätehersteller Benz ein Lied singen. Wobei die große Fertigungstiefe „vom Rohmaterial bis zum fertigen Sportgerät“ bei der Produktion in Winnenden von großem Vorteil sei, wie Alexander Benz berichtet. Es herrsche im Werk dadurch eine „hohe Unabhängigkeit von Zulieferern“.

Die Omikron-Welle habe „keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Fertigungskapazität“, berichtet Alexander Benz. Zwar sei der Krankenstand unter den 170 Mitarbeitern im Werk Winnenden trotz aller Sicherheitsvorkehrungen coronabedingt leicht gestiegen, trotzdem werde aktuell zehn Prozent über dem Durchschnitt produziert. Das liegt an der „sehr guten Auftragslage“ und wird laut Alexander Benz von der Belegschaft durch hohe Flexibilität und das Mitanpacken in anderen Abteilungen gemeistert. Apropos Flexibilität: In Sachen Digitalisierung habe die Firma durch die Corona-Krise einen Schub erhalten.

Thomas Kaysser wird weniger Zeit auf der Straße verbringen

Positive Effekte wie dieser werden die Pandemie, die hoffentlich langsam ausklingt, überdauern. Thomas Kaysser glaubt, dass er auch künftig zwar mehr Zeit in Videokonferenzen, dafür aber weniger auf der Straße verbringen wird. Drei Stunden Fahrt zum Kunden für eine halbstündige Besprechung? Das ist nicht zuletzt mit Blick aufs Klima fragwürdig. Thomas Kaysser prognostiziert: „Es wird sich alles wieder ein bisschen normalisieren – aber dass wir das so gedankenlos machen wie vor Corona, glaub ich nicht.“

Um die großen Arbeitgeber in Winnenden und Umgebung muss sich in der Corona-Krise offenbar niemand Sorgen machen: Kärcher verzeichnet Rekordumsätze und auch die Mitarbeiter in der Messerfabrik Giesser, bei Metallexperte Kaysser und Sportgerätehersteller Benz haben aufgrund der hervorragenden Auftragslage alle Hände voll zu tun. Da ist es gut, dass das Personal auch einsatzbereit ist und nicht massenhaft in Omikron-Quarantäne sitzt. Der aktuelle Krankenstand ist jedenfalls nicht

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