Winnenden

Leutenbach, Winnenden, Berglen: Nach dem Feiern rein ins Ruf-Shuttle?

SSB Flex
Mit dem SSB Flex gibt es in Stuttgart bereits ein ähnliches Angebot. © Birgit Kiefer

Wenn die Busse schon im Depot stehen, gibt es im Rems-Murr-Kreis das Ruftaxi. Dieses soll nun flexibler und digitaler werden. Profitieren könnten dabei vor allem diejenigen, die noch zu später Stunde unterwegs sind. Der Rems-Murr-Kreis bietet dazu ab Sommer 2023 zunächst einmal ein Pilotprojekt an.

Die Gemeinderäte in Leutenbach, Winnenden und Berglen ließen sich darüber informieren und haben entschieden, ob für die anderthalbjährige Projektzeit Geld bereitgestellt wird.

Was brauchen die Nutzer? Auf jeden Fall ein Smartphone

Nutzer brauchen ein Smartphone und eine bestimmte App. Da geben sie ein, wo sie abgeholt werden wollen und wo sie hinmöchten. „Ein digitaler Algorithmus berechnet je nach Nachfrage den optimalen Streckenverlauf“, erklärte der Leutenbacher Hauptamtsleiter Jakob Schröder in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Abholorte und Absetzstellen können variieren, es muss nicht mehr ein bestimmter S-Bahnhof sein: Entweder hält der Bus auf freier Strecke oder an Bushaltestellen.

Die Wartezeit auf den Bus beträgt nach Anmeldung in der App etwa 15 Minuten

Auch schön: Wer das Bus-Ersatz-Taxi bestellt, wartet im Schnitt nur 15 Minuten darauf. Das hat die Winnender Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel gesagt bekommen. Das bisherige Ruftaxi fährt zum Beispiel nur stündlich und auch nur, wenn man sich eine Stunde vorher dafür anmeldet.

Zum Einsatz kommt das Angebot dann, wenn die Linienbusse gar nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt verkehren. Das geht zumindest aus der Präsentation für die Leutenbacher Sitzung hervor. Im Pilotprojektbereich Winnenden, Leutenbach, Berglen fährt dann von Montag bis Sonntag von 21 Uhr bis 1.30 Uhr ein „Shuttle on demand“ – on demand heißt, nur dann, wenn jemand es braucht. Zwischen 1.30 Uhr und 6 Uhr, wenn wirklich gar kein Bus mehr fährt, sei ein zweites Fahrzeug (an Wochenenden und Feiertagen bereits ab 1 Uhr) im Einsatz.

Kein fester Fahrplan oder Linienverlauf

Vorreiter für den Bus auf Bestellung ist unter anderem die Landeshauptstadt Stuttgart. Dort kommt das System unter dem Titel „SSB Flex“ bereits zum Einsatz. Fahrgäste sitzen in Kleinbussen und werden nach und nach an der gewünschten Stelle abgesetzt.

Die Fahrzeuge sind nicht an einen festen Fahrplan oder Linienverlauf geknüpft und werden per App bestellt. Ein Anruf entfällt also. Die App zeigt dem Nutzer auf dem Smartphone an, wann und wo der Einstieg möglich ist. „Dabei werden die bisherigen eher starren Ruftaxirouten aufgelöst und durch flexible virtuelle Haltestellen ersetzt“, heißt es in der Leutenbacher Sitzungsvorlage.

Ein weiterer Vorteil: Die ganze Gemeinde wird bedient, also auch Nellmersbach und der Heidenhof. Ein Fahrzeug soll zudem auch für den Einstieg von Rollstuhlfahrern geeignet sein.

Bürgermeister Jürgen Haas: In der Pilotzeit fahren Dieselfahrzeuge

In der Winnender Beratung merkte Bürgermeister Jürgen Haas jedoch kritisch an, dass in der Rems-Murr-Pilotphase für die Shuttles „Dieselfahrzeuge“ verwendet werden, schlicht, „weil es derzeit noch keine kleinen Elektrobusse gibt“. Außerdem sei die dafür notwendige Ladeinfrastruktur noch nicht vorhanden, vor allem nicht im ländlichen Raum, wo das Shuttle längere Strecken bewältigen muss.

Kostenbeitrag in der Pilotphase richtet sich nach der Einwohnerzahl

Das Gebiet Leutenbach, Winnenden und Berglen soll dabei als Testbereich im Rems-Murr-Kreis fungieren. Auf die Gemeinde Leutenbach würden Kosten in Höhe von 11.725 Euro zukommen. „Wichtig ist aber, dass die Testphase erst im September 2023 starten und dann bis Silvester 2024 dauern würde“, erklärte Bürgermeister Jürgen Kiesl in der Sitzung, die vor den Sitzungen in Winnenden und Berglen stattfand.

Winnenden muss gemäß seiner Einwohnerzahl 28.448 Euro bezahlen. Die Hälfte übernimmt der Rems-Murr-Kreis. Dem stimmten die Gemeinderäte im Technischen Ausschuss einhellig zu. Nach der Pilotphase wird geprüft, ob sich das Projekt rechnet und die Kommunen auch zukünftig bereit sind, es mitzutragen, so Beatrice Hertel. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth merkte an, dass der Kostenschlüssel sich dann aber besser nach gefahrenen Kilometern, nicht nach Einwohnern richten sollte.

Der Leutenbacher SPD-Gemeinderat Pierre Orten begrüßte das Pilotprojekt. „Es ist eine gute Sache und zeitgemäß, vor allem weil unser Netz zu den Randzeiten noch nicht so gut ausgebaut ist. Die Flexibilität steigert die Attraktivität des ÖPNV“, erklärte er. Ähnlich positiv äußerten sich die Winnender Stadträte.

Der Leutenbacher Marcus Lenz (ALi) sagte: „Ich bin gespannt, wie viele Leute das Angebot nutzen.“ FWG-Rat Claus Lämmle aus Leutenbach gab der Verwaltung noch eine Bitte mit auf den Weg. „Ich wäre sehr dankbar, wenn sich beim Viertelstunden-Takt des Busses nach Weiler zum Stein etwas tut. Die Bahnen fahren so unzuverlässig. Man steht regelmäßig am Winnender Bahnhof und wartet 30 Minuten auf den Bus“, erklärte er.

Am Ende stimmten auch alle Leutenbacher Räte einstimmig dafür, am Pilotprojekt mitzuwirken. Ebenso dabei sein wird die Gemeinde Berglen, wie unsere Zeitung auf Nachfrage erfahren hat.

Kann sich auch eine Gruppe mit vier unterschiedlichen Zielen anmelden?

In Winnenden stellten Stadträte noch konkrete Fragen: Was kostet die Shuttle-Fahrt? Den ganz normalen Busfahrpreis. Hält der Bus auf Wunsch auch vor meiner Haustür? Das eher nicht, nur, wenn diese zufällig an der berechneten Strecke liegt. Was genau gebe ich in die App ein? „Abfahrtsort und wo Sie wann spätestens ankommen wollen“, so Hertel. Es sind auch Strecken von Hertmannsweiler nach Schelmenholz möglich. Außerdem bekommt man nach der Anmeldung eine Rückmeldung auf die App, wo der Bus dann tatsächlich wann halten und einen aufnehmen will.

Stadträtin Leonie König regte an, nächstes Jahr, kurz bevor es startet, das Projekt gut bekannt zu machen, beim Jugendgemeinderat, in den Social Media, per Flyer in den Schulen. Wenn sie an ihre Jugend zurückdenkt, wäre das schlicht der Traum gewesen. „So musste immer eine Mutter uns vier Freundinnen von der S-Bahn abholen und drei Häuser im ganzen Stadtgebiet anfahren.“ Ob sich dann die Gruppe zusammen mit vier unterschiedlichen Zielen anmelden könne, konnte Hertel nicht genau sagen. Möglicherweise muss jeder von der Gruppe für sich die App bedienen. Trotzdem denkt Beatrice Hertel, dass der Bus auf Bestellung für die Nutzer Vorteile hat: „Er ist individueller und komfortabler.“

Die Ruftaxi-Kosten lagen zuletzt bei 15.645 Euro in Winnenden

Was die bisherigen Kosten fürs Ruftaxi in der Großen Kreisstadt angeht, sind sie durch Corona etwas verfälscht worden, lagen 2020 und 2021 nur noch bei 8000 Euro. 2018 wendete Winnenden jedoch 31.565 Euro auf, 2019, als die Linienbusse ihre Fahrpläne bis in die späten Abendstunden ausgedehnt hatten, waren es nur noch 15.645 Euro. Möglich ist, dass die Kosten 2022 wegen der hohen Spritpreise wieder steigen.

Wenn die Busse schon im Depot stehen, gibt es im Rems-Murr-Kreis das Ruftaxi. Dieses soll nun flexibler und digitaler werden. Profitieren könnten dabei vor allem diejenigen, die noch zu später Stunde unterwegs sind. Der Rems-Murr-Kreis bietet dazu ab Sommer 2023 zunächst einmal ein Pilotprojekt an.

Die Gemeinderäte in Leutenbach, Winnenden und Berglen ließen sich darüber informieren und haben entschieden, ob für die anderthalbjährige Projektzeit Geld bereitgestellt wird.

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