Winnenden

Linde stellt Gefahr dar

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© Büttner / ZVW

Winnenden-Bürg. Am Ortsausgang von Bürg, direkt an der Kreisstraße und dem Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs, muss demnächst die schon hoch gewachsene Linde gefällt werden. Viele ihrer Äste sind dürr, tragen kein Laub mehr und können jederzeit abbrechen und jemanden verletzen. „Gefahr in Verzug“, meldet der eingeschaltete Baumgutachter und empfiehlt die schleunige Entfernung des Baums.

Einem Nachbar kam die Linde trostlos vor. Er hat sich an die Stadtgärtnerei gewandt und gefragt, was mit dem Baum los sei. Ihm waren die lichte Krone und die klitzekleinen Blättchen aufgefallen. Armin Schröder konnte seine Eindrücke nur bedauernd bestätigen. Inzwischen hat er es schriftlich bekommen: Die nur 80 bis 90 Jahre alte Linde an der Ecke Ebniseestraße und Öschelbronner Straße muss weg. Sie ist so durch und durch krank, dass sie auch nicht mehr, beispielsweise durch Rückschnitt der Krone, revitalisiert werden kann.

Noch ein paar Tage sind ihr gegeben, bis das beauftragte Unternehmen seine Baumsteiger schicken kann. „Wäre genug Platz da, hätten wir von der Stadtgärtnerei sie selbst gefällt“, so Schröder. Die Baumsteiger klettern angeseilt mit Motorsägen in die Krone, zerlegen die Linde von oben nach unten und lassen die einzelnen Teile zu Boden. Den Verkehr wird das vermutlich kaum beeinträchtigen.

Mit nicht einmal 100 Jahren ist die Linde eigentlich noch ein Kind

„Die winzigen Blätter sind ein Symptom des Brandkrustenpilzes“, weiß Armin Schröder. Schon einige Jahre konnte er beobachten, dass die Vitalität des Baums nachlässt, dass er in Höhe und Breite nicht mehr so stark wächst, wie er könnte. Schließlich ist diese Linde, in Menschenleben umgerechnet, ja eigentlich noch ein Kind, hat ja nicht mal ein Zehntel des Alters erreicht, das sie erreichen könnte.

Der Gutachter hat den Patienten von Kopf bis Fuß angeguckt und gemessen. Am Stammfuß erkennt er Einwallungen und Faulstellen. Auch im Zentrum kann er Veränderungen belegen. Fazit: Standsicher sei die Linde noch, aber ihre Äste können jederzeit abbrechen. Die Stadt hat für ihre Bäume an Straßen und Wegen eine Verkehrssicherungspflicht. Kommt sie ihr nicht nach und es passiert etwas, könnten Geschädigte sie verklagen. Für Blechschäden gibt’s Versicherungen, aber niemand möchte, dass Personen verletzt werden.

Baumschutz beim Straßenbau nicht fachgerecht erfolgt

Doch warum ist die „junge“ Linde schon abgestorben? Der Gutachter sieht keine Wurzelanläufe, die normalerweise wie Tentakel eines Tintenfischs vom Stamm in den Boden gehen und ihn darin verankern. Der Stamm dieser Linde geht glatt in die Wiese über, als hätte ihn jemand reingerammt. Daraus schließt der Gutachter, dass das Gelände rund um den Stamm aufgefüllt wurde und vermutet weiter, dass Baumaßnahmen im Umfeld der Linde zu „Veränderungen im Wasser- und Versorgungshaushalt geführt haben“. „Mutmaßlich“ sei der Baumschutz beim Straßenbau „nicht fachgerecht“ erfolgt. „Dies führt erfahrungsgemäß nach fünf bis zehn Jahren zur deutlichen Verschlechterung der Baumvitalität.“ Beim Baggern können Wurzeln verletzt worden sein, beim weichen Holz der Linde ist das kritisch. Pilze und in ihrem Gefolge Fäulnis haben ein unkontrollierbares Einfallstor. Der Baum stirbt ab, wenn die Baustelle längst vergessen ist.

„Sobald die Linde entfernt ist, werden wir die Wurzeln ausgraben und den Boden austauschen, um Schadpilze zu entfernen“, sagt Armin Schröder. „Selbstverständlich ist eine Ersatzpflanzung vorgesehen. Wir nehmen eine von dem externen Gutachter empfohlene Krimlinde, die auch eine längere extrem heiße Wetterphase verträgt, wie wir sie hierzulande immer öfter haben.“


Artenschutz

Offenbar hat der Baum zuletzt weder Vögeln noch Fledermäusen als attraktiver Aufenthaltsort gegolten. Der externe Gutachter hat keine Höhlen in Stamm und Ästen und auch keine geschützten Insekten gefunden. Die Fällung kann er somit auch mitten im Mai empfehlen.