Winnenden

Lisa Henrich: Mit Down-Syndrom beim Sportfestival

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Die 15-jährige Lisa auf ihrem Balkon im Schelmenholz: Das T-Shirt hat sie beim Down-Festival geschenkt bekommen. © Schmitzer / ZVW
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Lisa beim Weitsprung in Frankfurt. © Alexander Starostzik

Winnenden. Lisa ist zurück vom Sportfestival in Frankfurt. Viel drüber reden mag sie nicht. War schön. Sie rannte. Sie sprang. Sie begegnete vielen, die wie sie das Down-Syndrom haben, und das fand sie schon anregend. Aber eigentlich ist sie eher der gemütliche Typ, der jetzt nicht gleich wegen eines Events anfängt, systematisch zu trainieren.

Auch kann sie nicht von tollen Sprungweiten und Super-Laufzeiten erzählen, nicht von Rekorden und nicht von Siegesfeiern. Es war einfach nur schön, die vielen anderen zu treffen, und es war schon so, dass sie dort in Frankfurt ihre ganze Beweglichkeit unter Beweis stellte, und dass ihr das Spaß machte.

Berufsschulstufe in der Förderschule

Für einen Menschen mit Down-Syndrom ist das einiges. Die 15-jährige Lisa aus dem Schelmenholz rennt manchmal in der Schule ein bisschen, wenn sie Sport haben. Sie besucht die Förderschule der Diakonie in Stetten und ist dort in der Berufsschulstufe. Wenn ihre Eltern sagen: „Wir gehen spazieren“, kann es sein, dass Lisa erst mal nach dem Auto fragt.

Jedes Jahr auf dem Down-Sportfestival in Frankfurt

Aber vor über zehn Jahren erzählte eine Bekannte den Henrichs vom Down-Sportfestival in Frankfurt, und seither geht die ganze Familie jedes Jahr für einen Tag dorthin in die Kalbach-Halle. Es beginnt immer fast wie die Olympischen Spiele: Über Lautsprecher wird ein bestimmtes Lied abgespielt und die Sportler mit Down-Syndrom machen einen feierlichen Einzug. Lisa bekam ein blaues T-Shirt von einer Pharmafirma, die das Festival organisiert, und machte sich in der Gruppe der Blauen auf den Weg, ging danach mit ihrer Gruppe zur Weitsprung-Sandgrube und zum Sprint.

„Es ist ganz nett gemacht, weil es gar nicht so leistungsorientiert ist“, sagt Lisas Mutter Heidrun Henrich. „Ziel ist, dass die Kinder einen Tag Spaß haben, weil sie mit ihresgleichen zusammen sind, und dass sie sich bewegen.“

Besonders stolz auf die Goldrand-Medaille

Lisa hatte sich so stark bewegt, dass sie genervt war von der Startnummer, die ihr auf den Rücken geheftet worden war. „Die hab’ ich weggemacht am Schluss“, erzählte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Das blaue T-Shirt, dagegen, mag sie gerne. Und noch ein Erinnerungsstück brachte sie aus Frankfurt mit: „Guck mal, was ich gewonnen hab!“ Eine Goldrand-Medaille am blau-weißen Band. Jeder Teilnehmer bekommt dieses Abzeichen. Und jeder verdient es auch, denn jeder hat sich aufgerafft, die eigene Gemütlichkeit doch mal abgelegt und den Kreislauf einen Tag lang kräftig stimuliert.

Gatzke: "Ihr seid bestimmt viel schneller als ich"

Drei Sechsjährige haben André Gatzke erlaubt, mit ihnen zum 25-Meter-Lauf anzutreten. „Ihr seid bestimmt viel schneller als ich“, sagt der Moderator, den die Kinder aus der „Sendung mit der Maus“ kennen. „Klar!“, gibt der sechsjährige Linus zurück und spurtet los. Gemeinsam mit Singa Gätgens, bekannt vom KiKa, moderiert André Gatzke das 15. Deutsche Down-Sportlerfestival. „Mir war klar, was für eine Energie es hier geben würde, aber mit diesem Enthusiasmus hatte ich nicht gerechnet.“

Auch die älteren Sportler sind nicht zu bremsen: Der 16-jährige Julian läuft als einer der Ersten ins Ziel - mit nur einem Schuh. „Ich wollte gewinnen“, sagt er in Andrés Mikrofon.

Hildebrand: "Es ist schön, zu sehen, wie die Menschen hier miteinander umgehen"

Timo Hildebrand ist einer der prominenten Sportpaten. Wird er beim Fußball-Workshop mitkicken? „Klar. Mal sehen, was ich noch kann“, sagt der ehemalige Nationaltorwart und fügt hinzu: „Es ist wunderschön, zu sehen, wie die Menschen hier miteinander umgehen.“ Der Fußballstar ist für Lisa nicht das meisterinnerte Erlebnis. Das Schönste war, die anderen zu treffen, die auch so sind wie sie, und es war ihr wichtig zu spurten und zu springen. Auch wenn wenn sie jetzt, ein paar Tage hinterher, kein Aufhebens mehr davon macht.

Das Down-Sportfestival

Rund 600 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind im Frankfurter Sport- und Freizeitzentrum Kalbach miteinander angetreten.

Angefeuert wurden die Sportler von fast 3000 Zuschauern.

Dabei waren auch neun Vorbilder mit Down-Syndrom, die ihre Talente genutzt haben: Christian Hirsch ist Deutschlands erster Marathonläufer mit Down-Syndrom, Tobias Wolf unterrichtet an einer Montessori-Schule Englisch, Laura Brückmann arbeitet als Tanzassistentin und Carina Kühne als Schauspielerin.

Seit 15 Jahren bringt das Sportfestival Menschen wie sie zusammen.