Winnenden

Madiba Samura schafft Ausbildung zum Elektriker: Wie steht es um die Arbeitsstelle anderer Flüchtlinge, die rund um Winnenden leben?

Madiba Samura
Madiba Samura (links) und Hannes Munz vor dem Torhäusle. Dort lernten sich die beiden beim Sprachunterricht kennen. © Gabriel Habermann

Das Coronavirus erschwert das Leben in vielen Bereichen, auch Flüchtlinge und deren Integrationshelfer haben damit zu kämpfen. „Wir haben im abgelaufenen Jahr sechsmal so viele Gespräche als im Vorjahr geführt“, weiß Manuela Voith, Amtsleiterin für Soziales, Senioren und Integration bei der Stadt. Die Integrationshelfer unterstützen, wo es nur geht: Sei es beim Home-Schooling, bei der Jobsuche, oder beim Bearbeiten von Anträgen. „Dadurch, dass viele Ämter geschlossen waren oder noch immer sind, waren wir mit deutlich mehr Anfragen konfrontiert“, erzählt Voith.

Einiges dreht sich dabei auch rund um die Arbeitswelt. Zum 31. Dezember 2020 hatten knapp 60 Prozent der 260 Geflüchteten, die sich im Integrationsmanagement befinden, keinen Job. Ein Anstieg von über 20 Prozent im Vergleich zu 2019. „Als Firmen durch die Auswirkungen der Pandemie in Kurzarbeit gegangen sind, waren einige unserer Flüchtlinge die Ersten, die entlassen wurden“, erklärt Voith die Zahlen. Zwei Geflüchtete seien gar gekündigt worden, weil es in einer Unterkunft einen Coronaverdacht gab und sie in Quarantäne mussten. Betroffen von Kündigungen seien Geflüchtete, die zuvor bei Personaldienstleistern und/oder kleinen Unternehmen eine Stelle gefunden hatten.

Durch das erste Lehrjahr ist Samura noch durchgefallen

Auch Madiba Samura hat von solchen Fällen gehört. „Es ist nicht leichter geworden für uns durch die Pandemie“, erzählt der 29-Jährige, der 2015 nach Winnenden gekommen ist. Vor kurzem hat er seine Lehre zum Elektriker erfolgreich abgeschlossen, bekommt nun bei der Firma Taraschweski in Schorndorf einen Anschlussvertrag. „Ich bin sehr glücklich, dass ich das geschafft habe“, sagt Samura mit stolzer Stimme. Der Gambier beginnt im gleichen Atemzug von seinen Erfahrungen zu erzählen. „Durch das erste Lehrjahr bin ich durchgefallen“, erinnert er sich.

Unterricht per Videokonferenz nachgeholt

Damals habe er noch in der Flüchtlingsunterkunft an der Albertviller Straße gewohnt. Es sei dort immer sehr laut gewesen, er habe sich nicht richtig konzentrieren können und auch die Internetverbindung habe gehakt. Dann hat ihm jedoch Hannes Munz, den Samura vom Deutschunterricht aus dem Torhäusle kennt, eine Wohnung in Leutenbach vermittelt. Seitdem läuft es für Madiba Samura wie geschmiert. Bis zur Pandemie. Dann fehlte dem 29-Jährigen der Unterricht. Verpassten Stoff an der Schorndorfer Grafenbergschule holte Samura mit vielen Stunden per Videokonferenz und der Unterstützung des pensionierten Schorndorfer Lehrers Martin Thomä nach. Für Samura eine Kraftanstrengung. „Er hat kaum mehr etwas anderes gemacht, als zu lernen“, berichtet Hannes Munz. Seit Samura die Ausbildung in der Tasche habe, sei er wieder viel fröhlicher, lache ganz anders als in der Zeit zuvor. „Ich denke, dass viele Flüchtlinge das schaffen können. Aber sie brauchen die Hilfe, die ich auch bekommen habe. Es ist mein großes Glück, dass ich hier in Winnenden gelandet bin“, weiß Madiba Samura zu schätzen.

So groß die Freude des 29-Jährigen auch ist, hat er seit seiner Ankunft im Rems-Murr-Kreis auch schon daran gezweifelt, ob es richtig war, nach Deutschland zu kommen. Bei einem seiner ersten Arbeitgeber habe er als Zeitarbeiter in Heidenheim gearbeitet. „Auf dem Heimweg hat man mich nie am Bahnhof rausgelassen, obwohl wir direkt daran vorbeigefahren sind. So musste ich immer noch ein großes Stück laufen“, erzählt Madiba Samura von rassistischen Vorfällen in seinem Alltag. Auch habe er immer nur die Arbeit machen müssen, die sonst kein anderer erledigen wollte. „Die Zeit war sehr schwierig für mich“, erinnert er sich zurück. Doch der 29-Jährige ist hartnäckig geblieben. Das zahlt sich nun aus.

Der 29-Jährige bezeichnet Winnenden als seine Heimat

Stolz zeigt er eine E-Mail, die sein Chef von einem Kunden erhalten hat. Dieser bedankt sich darin explizit für die freundlichen und kompetenten Mitarbeiter. Madibas Augen funkeln. Denn sein ganzes Wissen, das es für seinen Job braucht, hat er sich in Deutschland angeeignet. „In Gambia habe ich ähnliche Dinge gemacht, aber ich habe es dort nie gelernt“, erzählt er. Weg will der Gambier aus Winnenden nicht mehr. „Winnenden ist meine Heimat. Die Leute, die mir hier helfen, sind für mich wie Mama und Papa“, erzählt er.

„Sie sind so lange unterwegs, bis sie ihren festen Platz gefunden haben“

Dass das längst nicht allen Flüchtlingen so geht, weiß Amtsleiterin Manuela Voith. „Sie sind so lange unterwegs, bis sie ihren festen Platz gefunden haben. Daher haben wir jedes Jahr Bewegung in unseren Zahlen.“ Oft komme es zu Umzügen innerhalb von Deutschland. „Manche gehen zu ihren Freunden, andere zum Studieren. Auch das kommt vor“, berichtet Voith.

Das Coronavirus erschwert das Leben in vielen Bereichen, auch Flüchtlinge und deren Integrationshelfer haben damit zu kämpfen. „Wir haben im abgelaufenen Jahr sechsmal so viele Gespräche als im Vorjahr geführt“, weiß Manuela Voith, Amtsleiterin für Soziales, Senioren und Integration bei der Stadt. Die Integrationshelfer unterstützen, wo es nur geht: Sei es beim Home-Schooling, bei der Jobsuche, oder beim Bearbeiten von Anträgen. „Dadurch, dass viele Ämter geschlossen waren oder noch immer

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper