Winnenden

Mann muss 500 Euro Strafe bezahlen, weil er seine Ex-Freundin verfolgt hat

Amtsgericht Waiblingen
Verhandlungssaal im Amtsgericht Waiblingen (Symbolfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Wegen Nachstellung ist ein 36-jähriger Winnender angeklagt gewesen. Das Verfahren vor dem Waiblinger Amtsgericht ist eingestellt worden. Der bisher unbescholtene, zurzeit arbeitslose Mann, der noch bei seiner Mutter wohnt, erhielt die Auflage, in den kommenden drei Monaten 500 Euro zugunsten des Frauen- und Kinderschutzhauses des DRK zu zahlen.

Zuvor hatte der Angeklagte die Geschädigte im Gerichtssaal um Entschuldigung gebeten. Das Geschehen tue ihm sehr leid, versicherte er. „Wir haben uns aufeinander eingelassen. Ich habe mich extrem verliebt. Ich habe mein ganzes Leben investiert, mein ganzes Leben hat sich in der Zeit verändert“, versuchte er, sein Verhalten zu rechtfertigen.

Die beiden hatten sich Ende April vergangenen Jahres kennengelernt und in der Folge eine intensive, aber kurze Beziehung. Es sei ihr sehr schnell zu viel geworden, berichtete die 31-Jährige als Zeugin. „Ich wollte Abstand, er konnte nicht loslassen.“ Zudem seien „komische Sachen“ vorgekommen. So habe sie ein Telefongespräch mitgehört, in dem es darum gegangen sei, dass er eine zweijährige Therapie hinter sich habe. Auf ihre Frage dazu, was los gewesen wäre, sei er ausgewichen. Schließlich habe sie Anfang/Mitte Mai die Beziehung beendet. Daraufhin habe er gebeten, wenigstens Kontakt zu halten.

Am Wochenende mit dem Auto verfolgt

Dieses „Kontakthalten“ sah dann so aus, dass er der Frau zwischen dem 7. Mai und 21. Juni mehrmals am Tag Whatsapp-Nachrichten schickte und sie anrief, zum Beispiel am 28. Mai 70-mal, am 20. Juni 50-mal. Er fuhr mit dem Auto vor dem Haus vor, in dem sie wohnte, verfolgte sie, wenn sie an den Wochenenden mit ihrer dreijährigen Tochter zu ihren Eltern fuhr, blockierte sie auch schon mal, wenn sie unterwegs zum Einkaufen war. Sie bat ihn, er solle sie in Ruhe lassen, dann blockierte sie für ihn ihr Facebook-Konto, ihr Instagram und Whatsapp. Sie habe sich zunächst gesagt, es sei besser, er telefoniere sie an, als dass er sich bei ihr an der Haustür und auf der Terrasse einfindet. Als sie es nicht mehr ertrug, blockierte sie seine Telefonnummer, woraufhin er mit unterdrückter Nummer anrief.

Nein, versicherte sie nun im Zeugenstand, es habe keine körperlichen Auseinandersetzungen gegeben, er habe auch nicht mit Gewalt gedroht. Lediglich einmal habe er erklärt, seine Mutter müsse viel um ihn weinen. Wenn er jetzt heimgehe, und sie weine wieder, dann werde an diesem Tag auch noch eine andere Mutter weinen.

Wo ist er? Wann taucht er auf? Das habe sie sich in der Zeit ständig gefragt und über ihre Erlebnisse ein Stalking-Tagebuch geführt. Es habe Gespräche gegeben, die aber zu keinem Ergebnis geführt hätten. Versuche von Freunden und Freundinnen, auf ihn einzuwirken, seien ebenfalls erfolglos geblieben. Sie habe dies zwei Monate mitgemacht. Am Ende habe sie nur noch in Ruhe gelassen werden wollen. Ihre dreijährige Tochter habe einmal den Arm um sie gelegt und sie mit den Sätzen getröstet: „Mama, hab’ keine Angst! Ich bin bei dir und pass' auf dich auf“, berichtete die Frau und kämpfte mit den Tränen. Schließlich habe sie keinen anderen Weg gesehen, als sich an die Polizei zu wenden. Am 25. Juni habe die dem Mann im Rahmen einer „Gefährdungsansprache“ einen Platzverweis erteilt. Es folgte dann noch ein Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz.

Anwalt: Mandant hat Fehler eingesehen

Seitdem sei es zu keinem weiteren Zwischenfall mehr gekommen, betonte der Anwalt des Angeklagten. Sein Mandant habe eingesehen, dass er „unangemessen“ auf das Ende der Beziehung reagiert habe. Er habe sich mittlerweile damit abgefunden. Den Vorschlag, dem Opfer ein Schmerzensgeld von 250 Euro zukommen zu lassen, wies die junge Frau zurück: Sie wolle das Geld des Angeklagten nicht, auch sei es nicht ihre Absicht, ihm zu schaden. „Ich will einfach nur meine Ruhe und abschließen können.“ Dies stellten ihr sowohl der Angeklagte wie auch sein Anwalt in Aussicht.

Wegen Nachstellung ist ein 36-jähriger Winnender angeklagt gewesen. Das Verfahren vor dem Waiblinger Amtsgericht ist eingestellt worden. Der bisher unbescholtene, zurzeit arbeitslose Mann, der noch bei seiner Mutter wohnt, erhielt die Auflage, in den kommenden drei Monaten 500 Euro zugunsten des Frauen- und Kinderschutzhauses des DRK zu zahlen.

Zuvor hatte der Angeklagte die Geschädigte im Gerichtssaal um Entschuldigung gebeten. Das Geschehen tue ihm sehr leid, versicherte er. „Wir

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