Winnenden

Mann schlägt Frau ins Gesicht - Passanten rufen die Polizei

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Symbolfoto. © ZVW/Joachim Mogck

Eifersucht, Wut und Alkohol hatten einen Familienvater so weit gebracht, dass er in aller Öffentlichkeit vor dem Winnender Bahnhof zuschlug und sich später gegen die Festnahme durch die Polizei wehrte. Im Dezember stand der 32-Jährige deswegen vor dem Waiblinger Amtsgericht, und hörte vom Staatsanwalt, dass er für seine Taten ohne Wenn und Aber ins Gefängnis gehört.

Was das für eine junge Familie bedeutet, kann jeder nachvollziehen: Eine Gefängnisstrafe würde ihm wohl die Möglichkeit nehmen, seine Berufsausbildung zum Feinwerkmechaniker abzuschließen, und ihm die Chance nehmen, sein Leben, das seiner Frau und der drei Kinder im Alter von null bis vier Jahren, in geordneten Bahnen zu halten.

Auf einem positiven Lebensweg

Allerdings bewertete Richter Johannes Weigel das Verhalten des Angeklagten als „einen Ausrutscher“, als eine Warnung, den seit der letzten Verurteilung im Jahr 2018 positiven Lebensweg nicht zu verlassen und seine „Suchtproblematik“, den gelegentlichen Marihuanakonsum und Alkoholmissbrauch in den Griff zu bekommen. So lautete das Urteil auf fünf Monate Freiheitsentzug wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, in Tateinheit mit Beleidigung, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, dazu Übernahme der Kosten des Verfahrens. Weiterhin bleibt der Angeklagte einem Bewährungshelfer unterstellt, der bereits aufgrund vorangehender Verurteilungen wegen unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln, Körperverletzung und Beleidigung für ihn zuständig ist, und hat innerhalb eines Jahres sechs Einzelgespräche in einer Drogenberatung nachzuweisen.

Ausbildung verläuft gut

Der Angeklagte ließ durch seinen Anwalt, Jens Rabe, erklären, dass sich die Ereignisse am 11. November 2019 so abgespielt hätten, wie sie in der Anklageschrift vorgelesen wurden. Sein Leben war aus der Spur geraten, als sich seine Eltern scheiden ließen, als er fünfzehn Jahre alt war. Zuerst habe er bei der Mutter gelebt, dann beim Vater, am Ende „zwischen Therapien, Straße und Drogen“. Weitere Stationen waren eine 22-monatige Langzeittherapie und Gelegenheitsjobs. Den Entschluss, sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken und Verantwortung zu übernehmen, habe er gefasst, als er erfuhr, dass seine Frau schwanger war. Aus diesem Grund habe er auch die Berufsausbildung angefangen, die bisher auch gut verlaufen sei, wie er durch mehrere Zwischenzeugnisse belegte. Das drogenfreie Leben werde ihm in manchen Momenten schwer, gestand er, „in Situationen, wo einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird und man glaubt, dass das ganze Leben über einem zusammenbricht. Auf solche Momente bereitet einen kein Therapeut vor.“

Er hatte bis dahin keine Ahnung ...

In einer solchen Situation habe er sich im vergangenen Jahr befunden. Nachdem sein Vater im Februar verstorben war, habe er sich immer mehr in sich selbst zurückgezogen, aufgehört, mit seiner Frau zu reden. Sie sei nicht mehr zu ihm durchgedrungen. Die Folge davon war, dass sie begann, sich abends aus dem Haus zu schleichen und mit einem anderen Mann zu treffen. Am 11. November habe er zufällig den Chat zwischen den beiden entdeckt. Er hatte bis dahin keine Ahnung. Die Welt sei für ihn zusammengebrochen, berichtete er.

Er trank eine Flasche Wodka, kurz vor 21 Uhr kam es vor dem Winnender Bahnhof zwischen dem Ehepaar zum Streit, er schlug sie ins Gesicht, Passanten alarmierten die Polizei. Sie sollten ihn mitnehmen, er werde sich sonst umbringen, erklärte er den Beamten „aus dem Suff heraus“. Als die ihn in ihr Dienstfahrzeug verfrachten wollen, macht er aber den Rücken steif, so dass er auf die Rückbank hineingedrückt werden muss, dann streckt er die Beine hinaus, damit die Tür zunächst nicht geschlossen werden kann. Später schlägt er seinen Kopf immer wieder mit Wucht gegen die Scheibe. Den Beamten, der sich neben ihn setzt, um ihn zu fixieren, nennt er einen „Pisser“. Während der Fahrt zum Winnender Polizeirevier ist er mal ruhig und ansprechbar, erzählt vom Seitensprung seiner Frau, mal wirkt er weinerlich, mal rastet er aus, so der Polizist. Als er schließlich erklärt, wenn man ihn in die Arrestzelle sperre, werde er sich die Pulsadern durchbeißen, wird er ins Zentrum für Psychiatrie gebracht.

Verteidiger Jens Rabe sprach von einer erheblich eingeschränkten Steuerungsfähigkeit aufgrund massiven Alkoholkonsums mit 1,54 Promille und einem Menschen in einer emotionalen und psychischen Ausnahmesituation.

„Ich kämpfe hier für meine Familie“

Seine Frau und er hätten ihre Probleme mittlerweile in einer Familientherapie aufgearbeitet, versicherte der Angeklagte. Sein Verhalten gegenüber den Beamten tue ihm leid. „Ich kämpfe hier für meine Familie und meine Ausbildung“, erklärte er in seinem Schlusswort, „wenn ich keine Bewährung erhalte und sie nicht abschließen kann, dann verliere ich meine Perspektive, dann wird es wirklich schlimm für mich!“

Eifersucht, Wut und Alkohol hatten einen Familienvater so weit gebracht, dass er in aller Öffentlichkeit vor dem Winnender Bahnhof zuschlug und sich später gegen die Festnahme durch die Polizei wehrte. Im Dezember stand der 32-Jährige deswegen vor dem Waiblinger Amtsgericht, und hörte vom Staatsanwalt, dass er für seine Taten ohne Wenn und Aber ins Gefängnis gehört.

Was das für eine junge Familie bedeutet, kann jeder nachvollziehen: Eine Gefängnisstrafe würde ihm wohl die Möglichkeit

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