Winnenden

Marihuana und Kokain eingekauft

JS Rauchen Feature Kiffen Joint Haschisch Dope
Der Angeklagte habe zu viel Marihuana gekauft, als dass er das hätte „alleine wegrauchen“ können, so der Richter. © Habermann / ZVW

Leutenbach/Waiblingen. „Es tut mir leid, dass wir hier überhaupt sitzen müssen. Ich schäme mich. Das wird nie wieder vorkommen“, sagt der Angeklagte zu dem Richter des Amtsgerichts, bevor der sich zur Urteilsfindung zurückzieht. Ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung wegen Drogenhandels und Konsums.

43 Handlungen, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen, soll der Angeklagte im Zeitraum zwischen Januar und März 2014 begangen haben. Einen Teil davon gibt der Leutenbacher zu, den anderen leugnet er, ruhig, gefasst und ernsthaft. Hintergrund ist die Verhaftung eines Drogendealers im Raum Waiblingen. Der hatte im größeren Stil mit verschiedenen Drogen gehandelt und darüber auch genau Buch geführt – wer hat wann wie viele Drogen bei ihm gekauft. Jenes Buch fand die Polizei bei der Durchsuchung der Wohnung des Dealers und in dem beschlagnahmten Telefon auch die passenden Handynummern zu den Namen der Kunden. Auch der Vorname des 35-jährigen Familienvaters, der heute vor Gericht steht, war auf der Liste und ein Name, der ganz ähnlich klingt. Da im Handy nur sein Name und seine Nummer zu finden war, ging die Polizei davon aus, dass er in beiden Fällen gemeint war und demnach soll er fast 30-mal Kokain von dem Dealer gekauft haben.

Ein anderer mit ähnlichem Namen soll auch Kokain gekauft haben

„Es gibt eine andere Person, die fast genauso heißt wie ich. Ich habe nur etwa achtmal Kokain gekauft und das nur zum Eigengebrauch, weil es mir damals nicht gut ging, den Rest hat der andere gekauft“, sagt der Angeklagte aus. Auch der Dealer, der zu etwa sieben Jahren Haft verurteilt wurde und mit Handschellen für seine Zeugenaussage ins Gericht gebracht wird, sagt, es gäbe noch einen zweiten mit ähnlichem Vornamen. Beide verraten nicht den Familiennamen des Betreffenden. Trotzdem sei es zumindest glaubhaft, dass der Angeklagte nur für den Eigengebrauch Kokain genutzt habe, denn er kaufte jeweils nur eine Menge von einem bis maximal fünf Gramm.

Auch Marihuana soll der Angeklagte von dem Dealer gekauft haben, den er schon seit seiner Kindheit kannte. Zweimal 50 Gramm, einmal 25 Gramm. Ein 50-Gramm-Kauf habe wieder sein Namensvetter zu verantworten - das andere gibt er zu, betont aber er habe es nicht verkaufen wollen, sondern für den Eigenkonsum genutzt – je mehr man kauft, desto billiger sei es eben und er habe auch nicht so oft zu dem Dealer fahren wollen. Das hält der Richter für nicht sehr glaubwürdig. „Es ist trotzdem noch eine zu große Menge, um sie in dem kurzen Zeitraum alleine wegzurauchen“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Außerdem habe man in seiner Wohnung auch eine Waage zusammen mit einer kleineren Menge Gras gefunden. So wird der Beschuldigte wegen zweimaligem Handels mit Marihuana und achtmaligen Erwerbs von Kokain zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 1000 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten und eine Drogenberatung aufsuchen. Ein Bewährungshelfer wird ihm zugeteilt. Weil die Bewährungszeit nur zwei Jahre beträgt, wird die Verurteilung nicht im Führungszeugnis des arbeitslosen Mannes auftauchen, der gerade eine Weiterbildung macht und einen Job sucht.

Seine zwei Kinder als Motivation, keine Straftaten mehr zu begehen

Der bisher nicht vorbestrafte Mann beteuert, dass die Drogenberatung, die Umschulung und seine beiden Kinder von nun an die oberste Priorität hätten. Denn weil seine Frau ihn rausgeschmissen und sich endgültig von ihm getrennt hatte, nachdem die Polizei die Wohnung nach Drogen durchsuchte, habe er durch seine Handlungen doch schon seine Familie verloren. Dass er seine Kinder, die groß genug sind, um zu verstehen, was ihr Vater gemacht hat, trotz allem regelmäßig sehen kann, will er auf keinen Fall aufs Spiel setzen.

Vorbewährung

Zugunsten des Angeklagten sprach laut Richter auch, dass er sich seit den Vorfällen im Frühjahr 2014 nichts habe zuschulden kommen lassen, das sei eine „gewisse Vorbewährung“.

Der Angeklagte gab zu, dass er hin und wieder noch Haschisch rauche und der Richter ermahnte ihn, dass auch das strafbar sei – jeder Erwerb von Rauschgift, auch eine Schenkung. Falle das in die Bewährungszeit, müsste er seine Haftstrafe antreten.