Winnenden

Marktplatz Winnenden: Schnelltest sichert das Osterfest

Marktplatz Teststation
In vier Kabinen werden die Abstriche genommen – bei großem Andrang bis zu 1000 am Tag. © Gabriel Habermann

Morgens zum Corona-Test, nachmittags zum Oster-Nest, so sah ein „normaler“ Ostersonntag bei vielen Winnender Familien vor dem Verwandtschaftsbesuch aus.

Das vom Winnender Unternehmer und Studenten Noah Schäftlmeier auf den Weg gebrachte Schnelltest-Zentrum auf dem Marktplatz wird seinem Namen gerecht. Knapp eineinhalb Minuten und Annemarie Zeidler ist mit allem durch. Die Augen tränen, als sie in die frühen Sonnenstrahlen blinzelt. „Es ist unangenehm, aber was sind schon zwei Sekunden?“, kommentiert sie die Reaktion auf den Fremdkörper im unteren Nasengang. „Wir sind schon zweimal geimpft worden, aber um das Gewissen zusätzlich zu beruhigen, lassen wir uns testen“, sagt sie. „Und unsere Verwandten kommen ebenfalls getestet zu uns.“

Keine Minute später steht ihr Mann in der Morgensonne, auch seine glänzenden Augen können eine gewisse Reizreaktion nicht leugnen. „Kurz und schmerzlos“, steht er drüber. „Sinnvoller wäre es, dass man genügend Impfstoff zur Verfügung hat, dann könnte man sich das alles hier sparen“, meint er. „Aber schaden kann es nicht.“

Getestete sehr zufrieden: Nach 15 Minuten das Ergebnis bekommen

An den Leuten, die sich engagieren, liege es jedenfalls nicht, dass die Impfkampagne nicht schneller vorwärtskommt. Beim Ablauf gebe es nichts zu beanstanden: „Man kommt sofort dran“, sagt sie. Ihre Ergebnisse hätten sie wie versprochen nach 15 Minuten erhalten. „Die Vorfreude auf den Besuch zum Kaffee ist jedenfalls nochmals gestiegen dadurch“, sagen sie. Eine junge Frau hat einen Termin und kann sofort auf dem Stuhl in der Testkabine Platz nehmen.

„Ich brauche den Test für eine Behandlung im Krankenhaus am Dienstag, man sagte mir, dass ich ihn heute schon machen kann, dann geht es in der Klinik schneller.“ Die Mitarbeiterin ist zur Stelle, nimmt eine Speichelprobe im Rachen und verschwindet mit dem Stäbchen für wenige Sekunden im Nasenloch. „Geschafft, das war ja nicht wild“, sagt die junge Frau. Sie kann aufstehen und gehen.

Eine Fachfrau nimmt den Abstrich – zwei registrieren und verschicken ihn

Die Belegschaft ist täglich elf Stunden im Einsatz, um der Verbreitung des Virus einen Riegel vorzuschieben. Der Organisator und Unternehmer Noah Schäftlmeier lässt die Tests ausschließlich von medizinisch geschultem Fachpersonal durchführen. Für die Tätigkeit habe sie sich freiwillig gemeldet, erzählt die Zahnarzthelferin aus Stuttgart. Ängste vor dem „Pieks“ beim Nasebohren seien selten. „Und wenn, bin ich es ja vom Zahnarzt her gewohnt, damit umzugehen, indem ich mit den Leuten rede.“ Die Zeitslots an Ostersonntag sind begehrt, wenn auch nicht die theoretisch mögliche Volllast ausgereizt wird. „Wir bieten möglichst viele Termine an, damit sich der Menschenstrom gut verteilt und sich nicht alles staut“, erklärt Schäftlmeier die flüssigen Abläufe und das Tempo. Im Ein-Minuten-Takt können die Testwilligen bedient werden. Auch weil das Einchecken wenig Zeit beanspruche. „Jeder gibt daheim schon seine Daten ein. An der Annahme müssen nur noch der QR-Code und Ausweis abgeglichen werden, dann wird gleich das Etikett gedruckt.“ Zwischen einer und zwei Minuten - im Durchschnitt - halte sich jeder im Container auf. In Winnenden stehen vier Kabinen zur Verfügung, eine medizinische Fachkraft könne einem nach dem anderen den Abstrich abnehmen. In besten Zeiten schaffe sie 40 bis 45 Abstriche pro Stunde, informiert Schäftlmeier. Bei entsprechender Nachfrage lasse sich die Besetzung so hoch schrauben, dass 1000 Tests pro Tag möglich seien.

„Megaangenehm, weil es superschnell geht“

Die Annahme und Auswertung übernehmen Mitarbeiter, die nicht zwingend medizinischen Vorkenntnisse benötigen - ein betriebseigener Arzt schule die Aushilfen, die hier ein guter und sinnhafter Nebenjob erwartet. „Ich mache gerne älteren Menschen eine Freude“, sagt der Psychologiestudent Chris Lonardoni. Vorerst seien die Tests die einzige Möglichkeit, „für etwas Sicherheit“ zu sorgen und die Infektionskette auszubremsen, daran arbeite er gerne mit. An Ostersonntag kommen fast alle mit Termin, obwohl auch spontane Testwillige bedient werden könnten. „Megaangenehm, weil ich alles online machen kann und es superschnell geht“, das ist der Eindruck von Julia Kroner aus Winnenden. Sie und ihre Mutter Stefanie Maisch kommen kurz nacheinander dran - und können ebenso pünktlich beide zur selben Zeit die erleichternde Botschaft auf ihren Handys ablesen. Die Ergebnisse werden per SMS und Mail verschickt. Bei der Mail wird der Empfänger nach einem Passwort gefragt, dadurch sei der Inhalt vor Datendieben geschützt. In der SMS werde lediglich das Ergebnis mitgeteilt, aber kein Name. Wer beides nicht möchte, für den gebe es die Mitteilung auch in Papierform.

Manchmal hakt es bei der Ergebnisübermittlung

Ein paar Fälle sind bekannt, da läuft die Ergebnisübermittlung nicht ganz störungsfrei. Ein Mann aus Leutenbach kann die Ursache aber schnell klären. Er kommt zum Container, um zu fragen, warum das Testergebnis seiner Frau nicht bei ihr angekommen sei. Wie sich herausstellt, liegt es an einer ungleichen Namensnennung: Auf dem Personalausweis steht ihr Doppelname, die Mailadresse läuft auf den Namen ihres Mannes. Solche Ungleichheiten kann jede EDV irritieren. „Der Fehler liegt auf unserer Seite“, räumt der Testwillige ein, der ihr Ergebnis aber ohne Umstände ausgehändigt bekommt. Negativ. „Das Kaffeetrinken heute Nachmittag muss nicht ausfallen“, sagt er beruhigt zum Mitarbeiter, bedankt sich und eilt davon.

Die Auswertung erfolgt vor Ort: Eine Mitarbeiterin bereitet den tiefen Nasen-Rachen-Abstrich fachgerecht auf. Die schnelle Auswertungszeit und auch die Ergebnisanzeige auf einem Teststreifen machen den Test in der Anwendung so unkompliziert wie einen Schwangerschaftstest. „Der tiefe Abstrich ist sehr aussagekräftig, zudem bieten wir Sicherheit durch einen Befund“, erklärt Noah Schäftlmeier. Mit seiner in die Tat umgesetzten Idee der Corona-Schnellteststationen in Containern hat er die Testkapazität in Winnenden erhöht. Seine Testfirma Minessa Medical eröffnet in dieser Woche in Leutenbach den dritten Standort in der Region seit Geschäftseröffnung Anfang Januar. In vielen Städten deutschlandweit sollen seine Testzentren an den Start gehen. In 15 Städten seien sie schon fleißig am Testen, die drei regionalen Standorte mitgezählt. „Wir können uns mit dem Testen ein Stück weit Freiheiten zurückholen“, sagt er.

Morgens zum Corona-Test, nachmittags zum Oster-Nest, so sah ein „normaler“ Ostersonntag bei vielen Winnender Familien vor dem Verwandtschaftsbesuch aus.

Das vom Winnender Unternehmer und Studenten Noah Schäftlmeier auf den Weg gebrachte Schnelltest-Zentrum auf dem Marktplatz wird seinem Namen gerecht. Knapp eineinhalb Minuten und Annemarie Zeidler ist mit allem durch. Die Augen tränen, als sie in die frühen Sonnenstrahlen blinzelt. „Es ist unangenehm, aber was sind schon zwei

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