Winnenden

Maultasch’ mit Musik und Mord

Jürgen seibold
Neu in Jürgen Seibolds Programm: Das Ohrenkino. © Joachim Mogck

Leutenbach. „Brutal vergeigt“ heißt der neue Krimi von Jürgen Seibold, der im Musikermilieu spielt und in dem Bestatter Gottfried Froelich den Mord am Sänger Mick Jäger aufzuklären hat. Dies Ambiente nun brachte den Leutenbacher Autor auf die Idee seines „Ohrenkinos“: eine Lesung, zu der der Musiker und Geräuschemacher Luis Schöffend live einen atmosphärisch dichten Soundtrack beisteuert. Premiere feiert das etwas andere Leseformat auf Burg Waldenstein.

Video: Der Krimibuchautor Jürgen Seibold liest aus seinem Krimi "Brutal Vergeigt" vor

Meist sei das ja so bei einer Lesung, sagt Jürgen Seibold, „da sitzt einer vorne, alle kommen zur Ruhe, und ein paar schlafen ein“. Damit ihm so was nicht passiert, hatte er schon bisher immer mal ein paar Requisiten bei seinen Auftritten dabei. Tatwaffen kamen ganz gut an; schafften neue Aufmerksamkeit bei den Hörern.

Ein Stromschlag aus dem Mikro streckt Sänger Mick Jäger nieder

Schon bisher hat Seibold seine Lesungen mit Anekdoten über Begebenheiten während seiner Buchrecherchen abwechslungsreich gestaltet. Auch Buchtouren zu Romanschauplätzen mit Überraschungen auf der Strecke und einem eher gemütlichen Ausklang hat der Autor als sein eigener Manager und findiger Selbstvermarkter im Programm.

Nun aber das „Ohrenkino“, bei dem durch Geräusche und Musik das sinnlich-gruslige Vergnügen an einem Thriller noch gesteigert werden kann. Aber nicht so, dass zwischen Leseabschnitten einfach zur Auflockerung mal eine Musik folgt. Nein, sagt Seibold, „es muss eine Verzahnung da sein, Text und Musik sollen ineinander verflochten werden“.

Dazu eignet sich der Plot von „Total vergeigt“ ganz besonders. Der Krimi spielt im barocken Ludwigsburg während eines Straßenmusik-Festivals. Dort kommt ein Sänger namens Mick Jäger von den ‘Stony Rolls’ durch einen Stromschlag mittels Mikrofon ums Leben. Unfall oder Mord?

Die Spürnase von Beerdigungsdienstleister und Hobbyermittler Gottfried Froelich, der Hauptfigur in den Romanen Seibolds, ist gefordert. Dabei spielt der Bestatter, wie Jürgen Seibold sagt, „selbst Klavier, sehr begnadet, am liebsten im Kühlraum“. Umgeben von seinen toten Klienten also. Da kann man sich schon ein paar irritierende Geräusche vorstellen, die der Sounddesigner Luis Schöffend, - quietschend, blubbernd, klopfend? - in die Lesung einfädeln könnte.

Eine Tonspur zum Mord

Luis Schöffend hat sich bei einer gemeinsamen Soundprobe als der richtige Partner für das Unternehmen „Ohrenkino“ erwiesen. Er studierte an der Filmakademie Ludwigsburg, wo er im Jahr 2015 auch sein Diplom machte. Seither ist er als Geräuschemacher und Tonmeister für Kino- und Fernsehfilme, wie etwa „24 Wochen“ mit Julia Jentsch, tätig und mit seiner Arbeit auf internationalen Festivals vertreten.

Das Lieblingslied von Sänger Mick Jäger, ausgerechnet Leonard Cohens „Halleluja“, kann man sich im vielleicht gruftig verdunkelten Rittersaal bei Maultasch’ mit Musik und Mord auf Burg Waldenstein, wo die Premiere sein wird, sehr gut vorstellen. Vielleicht gar, dass die hauseigenen Burggespenster aus den Tiefen des Burgkellers schwach röchelnd den Refrain mitsummen? Seibold verspricht auf jeden Fall spannende Klangerfahrungen. „Eine Tonspur zum Mord“, wie er augenzwinkernd sagt, „alles live, nichts synthetisch!“


Info:

Am 11. November 2016, 19.30 Uhr, Premiere von „Bestatter Froelichs ‘Brutal vergeigt’“ als Ohrenkino auf Burg Waldenstein bei Rudersberg – mit Geräuschemacher und Musik. Tickets für 14 Euro (nur noch wenige Karten) unter: medien@seibold.de.

Jürgen Seibold: „Total vergeigt“, Silberburg-Krimi, Tübingen 2015, 9,90 Euro.

Jürgen Seibold ist 1960 geboren. Er hat seine Laufbahn als Journalist begonnen.