Winnenden

Mehr als ein Zweckbündnis: Die Maske und der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth

Maskenrätsel mit OB Hartmut Holzwarth
Hartmut Holzwarth ist Oberbürgermeister von Winnenden und ein sehr guter Radfahrer. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Teil 4 unserer kleinen Serie:  Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Er nimmt zum Radfahren die FFP2-Maske ab und setzt den Helm auf. „So werde ich eher erkannt“, sagt er lachend. Er ist ein Ausdauersportler, der viel in Winnenden mit dem Trekkingbike radelt, auch zu Dienstterminen, aber zum Ausgleich gern das Rennrad schnappt und eine längere Runde um die Stadt dreht. Als junger Mann ist er Rennen gefahren, heute hält sich der 51-Jährige mit Radeln, Joggen und Schwimmen fit. „Alles bis auf Schwimmen war trotz Corona durchgehend möglich“, sagt Holzwarth, „dazu kamen mehr Wanderungen und Spaziergänge mit der Familie“, sagt der Vater von drei Kindern. „Da staunte ich schon immer über die hohe Auslastung der Wanderparkplätze.“

Maskenwechsel: Von der glatt gebügelten Stoff- zur FFP2-Maske

Lange fiel der Oberbürgermeister mit einer gut gebügelten, hellblauen Stoffmaske auf, die regelrecht elegant wirkte und zu Anzügen und Sakkos passte. „Ich habe Einwegmasken so gut es geht vermieden, um Abfall zu reduzieren. In den letzten Wochen bin ich aber auf FFP2-Masken in manchen Situationen umgestiegen, um mich selbst mehr zu schützen“, erzählt er beim Interview über das Konferenzprogramm Zoom.

Anfangs musste er sich an die Masken gewöhnen. Dann fiel er in Gemeinderatssitzungen aber dadurch auf, dass er sie gar nicht abnahm. „Ich rede halt am meisten von allen und habe eine Vorbildfunktion“, spricht er von Eigendisziplin zum Schutze der anderen im Saal. „Wenn ich etwas Ansteckendes hätte, wollte ich nicht derjenige sein, der es schön verteilt. Dank Mikro war ich trotz Maske zu verstehen.“ Manche Gemeinderäte beteiligten sich per Videokonferenz an der Sitzung, andere nahmen bei ihren Wortmeldungen die Maske ab. „Die große Politik macht es schließlich vor: Wer am Mikrofon spricht, nimmt die Maske ab, mit dem Vorteil, besser verstanden zu werden, auch über die Mimik. Doch unsere Vorgabe war nur, Maske bis zum Platz zu tragen. Und dank unseres Lüftkonzepts fand regelmäßig ein Luftaustausch statt.“

Beinahe Kandidat - zwei Wochen stand Holzwarth für den Stuttgarter OB-Posten zur Verfügung

Es kommt einem wie eine Ewigkeit vor, aber am 24. Januar '20 erklärte Hartmut Holzwarth, dass er sich der CDU für die Kandidatur ums Stuttgarter OB-Amt zur Verfügung stellen würde. „Mich hat aber nichts von Winnenden weggetrieben, ich wusste nur nichts davon, dass da schon Vorarbeiten von Frank Nopper liefen.“ Mitte Februar entschied sich die Findungskommission für den Backnanger OB. Dass jener die Wahl so eindeutig gewinnen würde, war damals nicht klar. „Er hat jetzt eine geeinte Volkspartei hinter sich, ich gönne es dem Frank Nopper“, sagt Holzwarth, wobei ihm fachlich der SPD-Mann Körner am meisten gefallen habe. Nicht zu beneiden waren die Kandidaten um den Wahlkampf mit Abstand und Maske. Doch jetzt schaut Holzwarth gespannt nach Backnang, wo sich der Berglener Bürgermeister am 14. März ums Amt bewirbt. „Es wird auch dort davon abhängen, wer sich noch bewirbt ...“

Was war 2020 gut? Holzwarth verteilt Lob

Oberbürgermeister Holzwarth hat sich im November mal sehr über gedankenlose Eltern aufgeregt, die positiv getestet sind und trotzdem ihre Kinder in die Betreuung schicken. Und über Leute, die glühweintrinkend auf dem Marktplatz beisammenstehen. „Die meisten in der Bevölkerung gehen aber sehr vernünftig mit allem um“, sagt er und freut sich, dass die eine Zeit lang sehr hohen Infiziertenzahlen in Winnenden seit Heiligabend rückläufig sind. „Leider war kurz vorher ein Pflegeheim schwer getroffen“, sagt Holzwarth, „ich hoffe, dass sie bald mit Impfen drankommen.“

Jeden Abend erfährt er die neuesten Zahlen vom Ordnungsamt. „Seit Ende Februar haben wir einen Krisenstab im Rathaus, der unheimlich sattelfest alle Themen mit Corona bearbeitet.“ Dieses Team erwähnt er als positiven Punkt des Jahres. Ebenso wie das Landratsamt, mit dem die Zusammenarbeit sehr gut funktioniere. „Der Landrat legt Wert darauf, alle Kommunen rechtzeitig zu informieren und einzubinden“, zeigt sich Holzwarth dankbar dafür. „Ich denke auch, dass es landesweit einmalig ist, dass sich bei uns die Kommunen und nicht das Gesundheitsamt um die Kontaktnachverfolgung kümmern.“ Winnenden hat dafür seit Mitte März an sieben Tagen die Woche Schichten eingeteilt. So seien in der Regel ab der letzten Meldung von Infizierten um 17 Uhr all ihre Kontaktpersonen bis 20 Uhr informiert. „Als die Zahlen sehr hoch waren, musste das Team mit der Wucht zurechtkommen.“

Querdenker halten seit einem halben Jahr Samstagsdemos vor dem Rathaus ab

Bei OB Holzwarth fiel von Anfang an auf, dass er sehr gut übers Thema Corona und Infektionsschutz informiert war, nicht nur in der eigenen Stadt, sondern allgemein. Hat er da als Kreisrat und Aufsichtsrat des Rems-Murr-Klinikums einen direkten Draht zu den Ärzten des Winnender Krankenhauses? „Nein, zu ihnen eigentlich gar nicht. Ich lese viel und spreche oft mit meiner Frau darüber. Wir hören den NDR-Podcast von Prof. Christian Drosten, zurzeit kommt er im Wechsel mit der Epidemiologin Sandra Ciesek, ihre Sicht aufs Thema ist auch gut. Auch die Winnender Zeitung mit dem Kreisteil bietet einen guten Überblick.“ Da mutet es doch sicher befremdlich an, wenn auf einmal direkt vor dem Rathaus ein kleines Demonstrantengrüppchen samstagvormittags versucht, die Passanten in ein Gespräch zu verwickeln. Mit dem Ziel, dass auch sie gegen überzogene Corona-Regeln aufbegehren. „Ich bin vor etwa einem halben Jahr in ein Gott sei Dank belangloses Gespräch mit einem Demonstranten geraten, über die allgemeine Lage. Doch wenn sie wissen, mit wem sie reden, kommen sie auch sehr geschmeidig daher und stellen erst nach einer Weile gesicherte Erkenntnisse infrage.“ Guckt sich Holzwarth andere Gegner der Corona-Maßnahmen an, entdeckt er hier wie dort „immer die gleiche Taktik“. Doch er lässt sich davon nicht aus dem Tritt bringen. „Es ist kein Glaube, wenn sich die Mehrheit auf gesichertes Wissen verlässt und darauf stützt. Wenn die Demonstranten das nicht tun, ist es ihr Problem.“ Seit dem Shutdown im Dezember sind keine Demos mehr angemeldet worden. Was das bedeutet, weiß man nicht, vielleicht haben die Macher nur kalte Füße bekommen.

Ganz klar indes war der Widerspruch eines Rechtsanwalts, der einer einfachen Vorgabe der Stadt nicht folgen wollte. Zwischen Bahnhof und Viehmarktplatz, so argumentierte er, ist nicht rund um die Uhr so viel los, dass der Abstand nicht eingehalten werden kann. Das Verwaltungsgericht kassierte daher die Regel, in dem Abschnitt Maske zu tragen, aber Holzwarth bringt das emotional gar nicht auf: „Das Recht des Mannes ist höher als der Schutz auf stark begangenen Fußgängerwegen. Ich sehe das nüchtern und hinterfrage es nicht weiter.“

Vorfreude aufs Händeschütteln, gespannt auf den Fortschritt der Impfungen

Der Neujahrsempfang, den OB Holzwarth im elften Jahr seiner Amtszeit Mitte Januar halten wollte, fällt nicht einfach aus, und er wird auch nicht verschoben. „Wir machen einen Livestream, bei dem die Zuschauer denken, sie seien in der Halle.“ Das Programm ist ein Mix aus vorproduzierten Beiträgen und Liveacts. „Die Zuschauer können sich über einen Chat austauschen. Für Wein und Häppchen müssen sie halt selber sorgen“, sagt Holzwarth augenzwinkernd, „dafür können sie ihrem Getränk schon während des Programms zusprechen.“ Obwohl vieles eingeschränkt ist, geht doch erstaunlich viel, wenn man sich andere Lösungen überlegt. „Das Händeschütteln am Eingang entfällt natürlich. Auf den Moment, da so etwas wieder möglich ist, bin ich gespannt, das fehlt mir wirklich an Normalität“, sagt Holzwarth. Auch darauf ist er neugierig, „wie es ist, wenn wir die Maske wieder runternehmen, keinen Abstand mehr halten müssen“. Wann, wird davon abhängen, wie es mit den Impfungen vorangeht. Und wie viel von unserer angelernten Vorsicht wir dementsprechend lieber noch eine Weile beibehalten.

Weitere Winnender haben über sich und das Verhältnis zur Maske erzählt:

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Teil 4 unserer kleinen Serie:  Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Er nimmt zum Radfahren die FFP2-Maske ab und setzt den Helm auf. „So werde ich eher erkannt“, sagt er lachend. Er ist ein Ausdauersportler, der viel in Winnenden mit dem Trekkingbike radelt, auch zu Dienstterminen, aber zum Ausgleich gern das Rennrad schnappt und eine längere Runde um die Stadt dreht.

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