Winnenden

Mehr Leben für das Schelmenholz durch einen neuen Kulturverein

Kulturverein Schelmenholz
Die Mitglieder des neu gegründeten Kulturvereins im Schelmenholz. Von links: Vorsitzende Ilona Mohn, Karl-Heinz Schuster und Elisabeth Schuster (hinten), die zweite Vorsitzende Evi Mayer (neben der Vereinsfigur, schwarzes Oberteil), Pit Kinzel, Andrea Luikh (vorne), Hilda Wolffrom (hinten rechts) und Hermann Breitling. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Auftakt für den neuen Kulturverein im Schelmenholz lief alles andere als wunschgemäß: Das Sommerfest auf dem Theodor-Heuss-Platz wurde aus Wettergründen kurzfristig abgesagt. An den Zielen des Vereins ändert sich trotz allem nichts: Bereicherung des Stadtteils mit Musik, Märkten, Lesungen, Kleinkunst, Festivitäten und alles, was dem Verein sonst noch in den (Kultur-)Sinn kommt.

Die Angebote sollen fußläufig erreichbar sein

Zwei Bands hatten bereits zugesagt – alle Musiker leben im Stadtteil. Nostalgieflair hätte Helmut Layer mit dem Leierkasten reingeorgelt. Edeltraud Rutzek hätte mit Gedichtrezitationen zur Unterhaltung beigetragen. Auch Bewohner des Pflegeheims wurden mit der Programmgestaltung angesprochen, sagt Ilona Mohn, Erste Vorsitzende des Vereins. Mit betreuten Spieleangeboten für Kinder habe man Familien einbezogen. „Kultur kann alte und junge Menschen zusammenbringen.“ Das Fest wird nun auf den September verschoben.

Die Schelmenholz-Bewohner seien dankbar und offen für Gemeinschaft. Viele junge Familien seien hergezogen und froh um einen Treffpunkt ohne großen Fahraufwand. „Uns ist es wichtig, dass die Kulturangebote fußläufig erreichbar sind“, meint die zweite Vorsitzende Eveline „Evi“ Mayer.

Eine Veranstaltung pro Monat wird angestrebt

Die Idee, mit regelmäßigen Events Leben in den Stadtteil zu bringen, habe zur Gründung des Vereins geführt; dieser sei ein Frühlingsfestle mit Modenschau und Live-Musik vorausgegangen, das nach der langen Coronapause sehr großen Anklang gefunden habe. Bereits lange vor Pandemiezeiten, im Jahr 2013, habe ein Adventsmarkt offenbar einen Nerv getroffen. Treibende Kräfte waren Werner Häfele und Hermann Breitling, die eine Konstanz etablieren wollten. In den Folgejahren habe es wiederholt Versuche gegeben, Feste auf die Beine zu stellen. „Aber man muss es auf mehrere Schultern verteilen und gut werben“, so Ilona Mohn.

Denn regelmäßige Kulturveranstaltungen brauchen neben Geld auch Menschen, die sie organisieren. Die ersten 22 Vereinsmitglieder haben es sich mit Vereinsgründung am 6. Mai dieses Jahres in der evangelischen Kirche zur Aufgabe gemacht, den Theodor-Hess-Platz lebendig zu machen.

Eine Veranstaltung pro Monat soll mit Hilfe des Vereins dort etabliert werden. Die Liste mit Ideen ist lang: Erlebnistag, Tanzaufführungen, Bastelangebote, Vorträge, Flohmarkt und im Winter einen Lichterzauber rund um den leuchtenden Tannenbaum. Es gehe um Orte und Möglichkeiten, damit sich die Bewohner begegnen, kennenlernen und sich auch der intakten Infrastruktur bewusst werden.

Das Schelmenholz biete - bis auf Kulturangebote - alles, was für das tägliche Leben benötigt wird. Alten- und Pflegeheim, Kindertagesstätte, Arzt, Apotheke, Fitnessstudio, Physiotherapie, Friseur, Bank, Lebensmittel, Getränke und Wein, Bäcker, Metzger, Schreib- und Spielwarengeschäft, Secondhand-Laden, Sprachschule und Tanzstudio.

Die Kulturidee führe alle Bereiche zusammen, die sich künftig auf unterschiedliche Weise einklinken wollen. Der Verbund drückt sich auch in der Vereinsfigur aus, die die zweite Vorsitzende Eveline „Evi“ Mayer als Logo für Briefumschläge, Flyer und die Webseite kreiert hat. Darauf zu sehen ist das von einer breiten Hutkrempe verdeckte, daher mehr zu erahnende, als sichtbare Antlitz einer Dame. Der Hut setzt der offenbar eleganten Person die "gagige" Krone auf: Sie trägt eine Wurst, eine Brezel, Trauben und eine Tanzfigur spazieren - eben ein Ausschnitt der vorhandenen Infrastruktur im Stadtteil.

Nachholtermin am Freitag, 16. September

Sie sei derzeit als pflegende Angehörige eingespannt, vor der Rente habe sie als Makeup-Artistin und Visagistin gearbeitet, das Gestaltende und ein Sinn für Ästhetik sei ihr Metier. Ilona Mohn las in der Zeitung von der Vereinsgründung. „Ich suchte eine Aufgabe, die ich in der Rente tun kann.“ Als bei der Besetzung des Vorstandspostens niemand „hier“ geschrien hat, habe sie, die beruflich ans Organisieren gewohnt ist, sich zur Wahl aufgestellt.

Auch wenn die Premiere - das fürs vergangene Wochenende geplante Sommerfest - nun wegen der Wetterankündigung abgesagt wurde: Das Konzept steht und soll am Nachholtermin Freitag, 16. September, reaktiviert werden. „Wir hatten ein lockeres Fest mit Picknickflair im Sinn“, so Ilona Mohn. Die Besucher hätten sich im Sinne der Nachhaltigkeit ihre Gläser selbst mitgebracht. Geschirr stellt die Metzgerei Häfele auf Wunsch zur Verfügung. Eine Station zum Vorspülen sei vorhanden, damit die Schüsseln und Teller nicht die Tasche verkrümeln oder verschmieren können. Die evangelische Gemeinde hätte WCs zur Verfügung gestellt. „Es ist ein Experiment. Dann schauen wir, wie die Leute mitziehen und was wir besser machen können“, so Ilona Mohn. Der Verein freue sich außerdem über weitere Unterstützer.

Der Auftakt für den neuen Kulturverein im Schelmenholz lief alles andere als wunschgemäß: Das Sommerfest auf dem Theodor-Heuss-Platz wurde aus Wettergründen kurzfristig abgesagt. An den Zielen des Vereins ändert sich trotz allem nichts: Bereicherung des Stadtteils mit Musik, Märkten, Lesungen, Kleinkunst, Festivitäten und alles, was dem Verein sonst noch in den (Kultur-)Sinn kommt.

Die Angebote sollen fußläufig erreichbar sein

Zwei Bands hatten bereits zugesagt – alle Musiker

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