Winnenden

Meinung: Schwätzkasse oder Großspende - Nachahmer in Winnenden willkommen

Plauderkasse
Plauderkasse in den Niederlanden: Um die Einsamkeit zu bekämpfen, eröffnet der Supermarkt Jumbo 200 „Plauderkassen“, an denen man sich Zeit für ein Gespräch nimmt. © Jumbo / Marco De Swart

Gehören Sie zu den Ungeduldigen? Das sind die, die in der Drogerie oder im Baumarkt laut „Zweite Kasse“ rufen, wenn in der Warteschlange mehr als acht Leute stehen. Die können es auch überhaupt nicht verputzen, wenn der Kunde vor ihnen, zum Beispiel an der Metzgertheke, ein Schwätzle mit den Mitarbeitern hält. Ich gebe zu, es gab sicher auch schon Fälle, da wartete ich und es kribbelte in mir. Der kurze Plausch kommt einem endlos vor, wenn man nur schnell mal eben, bevor der Bus abfährt oder der nächste Termin beginnt, noch etwas besorgen wollte. Aber ich muss selbstkritisch sagen, so zu denken ist der falsche Ansatz. Denn ein unbeschwertes Einkaufen mit Zeit und vor allem Gelegenheit, mit anderen ins Gespräch zu kommen, ist nach zwei Lockdowns und einer jetzt schon wieder angespannten Coronalage ein unschätzbares Gut. Wer allein lebt, leidet in diesen Zeiten ja umso mehr unter der Einsamkeit.

Bei Kässers im Schelmenholz gehört der Plausch zum Einkauf, Obi hat einen Kontakter

Einkauf und Gespräch, die Kombination hat im Schelmenholz das familiengeführte Schreibwarengeschäft Kässer zur Maxime erhoben, wir haben am 3. November berichtet. Nach dem Termin förderte unser Fotograf aus den Tiefen seiner Erinnerung ein Beispiel von einem holländischen Supermarkt: Die Kette Jumbo hat in einem Markt im Jahr 2019 ein Experiment gewagt und eine Schwätzchenkasse eingerichtet. An der „Kletskassa“ sollen sich nur die Leute anstellen, die Bedarf nach Small Talk oder auch nach einem tiefergehenden Gespräch haben. Sie können dafür sogar neben der Kassiererin Platz nehmen! Alle Achtung, wenn Jumbo das durchgehalten hat. Und irgendwie zukunftsweisend, denn sie wollten nicht möglichst viele Kunden pro Stunde haben, sondern dass sich die Kunden wohlfühlen beim Einkaufen.

Tja, und dann war da noch der Besuch beim Obi-Markt Winnenden. Die haben keine Schwätzkasse am Ende des Einkaufs, sondern einen sogenannten Kontakter. Der Herr Munir Kobil steht am Eingang und ist für alle Fragen, wo man was im Baumarkt findet, aber auch für das, was man auf dem Herzen hat, offen. Super, oder?

Egal, welches Modell, egal, dass ich auch ab und zu die Ungeduldige bin: Den Trend zum Schwätzle-Aufwerten finde ich richtig gut.

Christoph Mohr findet Kindergartennamen mit Adresse langweilig

Kindergartennamen sollten nicht verwirrend sein. Die Stadt hat den Gemeinderäten, die offiziell für die Benennung zuständig sind, daher vorgeschlagen, das nagelneue Kinderhaus unter dem Arbeitstitel Körnle II jetzt in „Kinderhaus Burgeräcker“ umzubenennen. Weil Körnle I aus Kapazitätsgründen eben nicht, wie einst geplant, schon geschlossen werden kann. „Und mit der Erweiterung des Wohngebiets Körnle kommt ja noch eine neue Kindertagesstätte dazu“, sagte Amtsleiter Thomas Pfeifer. Wenn da Körnle III drübergestanden hätte, mein lieber Scholli, das wäre echt verwirrend.

Pfeifer und auch die Erzieherinnen, die in der Kita arbeiten, finden die Adresse im Namen gut. Stadtrat Christoph Mohr hatte eigentlich nichts dagegen, merkte aber an, dass dies doch arg langweilig sei. „Es gibt so viele kindgerechte, süße Namen“, sagte er und schüttelte gleich ein paar aus dem Ärmel: „Bullerbü, Pippi Langstrumpf oder vielleicht auch etwas wie Winndolino.“

Pfeifer wand sich ein wenig auf seinem Stuhl: „Wir sind von verniedlichenden Namen eher weggekommen. Die Kinder springen sowieso eher auf die Namen der Gruppe an, die sie im Kindi besuchen. Die legt jede Kita selber fest, ob das jetzt die Käferchen sind oder die Regenbogenhüpfer.“ Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth pflichtete ihm bei: „Durch den Straßen- oder auch Gewannnamen wie Koppelesbach hat man eine Verortung und schafft eine Quartieridentität. Aber in Winnenden sind auch Kitas nach Albert Schweitzer oder Christian Wunderlich benannt.“

Noch besser aus Sicht einer Kommune ist die Benennung nach Bürgern, die eine wirklich richtig ansehnliche Summe gespendet haben wie im Fall Schwaikheim das (kinderlose) Ehepaar Paula und Jakob Korell. Zwei Kindergärten tragen zum Dank ihre Namen.

Gehören Sie zu den Ungeduldigen? Das sind die, die in der Drogerie oder im Baumarkt laut „Zweite Kasse“ rufen, wenn in der Warteschlange mehr als acht Leute stehen. Die können es auch überhaupt nicht verputzen, wenn der Kunde vor ihnen, zum Beispiel an der Metzgertheke, ein Schwätzle mit den Mitarbeitern hält. Ich gebe zu, es gab sicher auch schon Fälle, da wartete ich und es kribbelte in mir. Der kurze Plausch kommt einem endlos vor, wenn man nur schnell mal eben, bevor der Bus abfährt oder

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