Winnenden

Mineralfreibad Höfen: Steht das idyllische Freibad in Winnenden vor dem Aus?

Mineralfreibad Höfen
Wird das Mineralfreibad Höfen im Sommer öffnen oder nicht? © Alexandra Palmizi

Nach einem so kurzen wie enttäuschenden Sommer 2021 im Mineralfreibad Höfen zeichnet sich jetzt ab, dass das Bädle in diesem Jahr ganz geschlossen bleibt. Ob es überhaupt jemals wieder öffnet, ist ungewiss – zu marode sind Becken und Technik. Die Anlage kann laut Bäderleiter Sascha Seitz ohne größere Bauarbeiten nicht mehr ordnungsgemäß betrieben werden: „Das alles zu reparieren, da wären wir bei einer Komplettsanierung“, sagt er. Doch die Stadtwerke liebäugeln mit einem anderen Plan: Das Mineralfreibad könnte zum Naturbad umgebaut werden.

Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger: „Wir müssen vom Worst Case ausgehen“

Viel Frust herrschte vergangenen Sommer im Mineralfreibad Höfen, das viele Winnender wegen seiner familiären Atmosphäre und der idyllischen Lage schätzen. Erst verzögerte sich der Start der Saison bis zum Juli, dann war den Badegästen in einem ohnehin verregneten Sommer regelmäßig das Wasser zu kalt.

Entsprechend „höchst unzufrieden“ ist Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger mit der zurückliegenden Saison, wie er vergangene Woche bei der Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke zugab. Für die kommende Saison sieht er schwarz: „Wir müssen vom Worst Case ausgehen und können aktuell nicht mit dem Kartenverkauf starten. Wir können nicht davon ausgehen, dass unsere Anlage in Betrieb gehen kann.“

Das Becken verliert große Mengen an Wasser

Der Hauptgrund für die Kälte im Höfener Bädle lautet: Das Becken verliert in hohem Maße Wasser. Der Wasserspiegel sinkt nach Angaben von Bäderleiter Sascha Seitz an einem Tag um elf Zentimeter ab. Das entspricht rund 30 Kubikmetern pro Tag. Ständig muss das Becken nachbefüllt und neu beheizt werden. Am Ende der Saison ergibt das laut Seitz „einen Energieaufwand von 5000 Euro Mehrkosten“.

Hinzu kommen steigende Chemiekosten, weil die Umwälzanlage immer schwächer wird und neues Chlor von Hand beigemischt werden muss. Finanziell stehe das „in keiner Relation“ und sei tagsüber auch nicht umgesetzt worden, sagt Sascha Seitz. Wäre das Wetter im vergangenen Jahr besser gewesen und wären nicht nur so wenige Besucher ins Bädle gekommen, „hätten wir das Bad schließen müssen“. Stattdessen wurde der Betrieb – so stellen es die Stadtwerke dar – mehr schlecht als recht durchgezogen bis zum Ende der Sommerferien.

Was verblüfft: Die Stadtwerke wissen bis heute nicht, warum sie in Höfen so viel Wasser verlieren. Und das offenbar trotz intensiver Fehlersuche.

Warum geht so viel Wasser verloren? Nachforschungen ohne Ergebnis

Wasserverluste waren in Höfen bereits 2020 aufgetreten. Die Verantwortlichen stellten damals einen Riss in der Aluwanne des Beckens fest. 2021 wurde dieser Riss zugeschweißt, berichtet Seitz. An der Stirnseite sei das Becken aufgegraben worden, um nach undichten Stellen in der Betonwanne zu suchen – allerdings ohne Ergebnis. Nach der Saison seien einige Rohre untersucht worden. Dabei habe man festgestellt, dass für die Umwälzleitung ein Kanalgrundrohr verwendet worden sei, was „nicht unbedingt der Norm entspricht“. Diese Leitungen auszutauschen würde laut Seitz allein 30.000 bis 50.000 Euro kosten.

Offensichtlich beschädigt waren die Rohre jedoch nicht. Eine Erklärung für den Wasserverlust war also noch immer nicht gefunden. In diesem Frühjahr seien weitere Leitungen untersucht worden – „auch da gab es keine neuen Erkenntnisse“, sagt Seitz. Der Versuch, das Becken probeweise zu befüllen, scheiterte jedoch und die Kanalschächte liefen voll. Immerhin eine Schadstelle fanden die Stadtwerke jetzt: Der Notablauf im Schwallwasserbehälter war undicht. Nachdem dieser Schaden behoben war, ließ sich das Becken laut Seitz wieder ganz füllen, aber: „Die Freude hielt nicht lang an, das Becken verlor wieder Wasser.“

Dichtungen und Schieber sind undicht und müssen erneuert werden

Laut Seitz sind Dichtungen und Schieber undicht und müssten erneuert werden. Der Einbau von Rückschlagklappen sei notwendig, „um das zurückdrückende Wasser im Becken zu halten“. Der Schwallwasserbehälter müsste vergrößert werden, „um die geforderte Umwälzleistung zu erreichen“, die Filter saniert, „um die Hygienevorschriften wieder einzuhalten“. Der Aufwand wäre „sehr hoch“ und verbunden mit „Erd- und Abbrucharbeiten“.

In diesen Tagen soll die Anlage in Betrieb genommen und weiter analysiert werden – eine Entscheidung über das weitere Vorgehen im Mineralfreibad Höfen soll Ende März im Aufsichtsrat der Stadtwerke fallen.

„Wie ein sehr sauberer See“ – wird das Mineralfreibad zu einem Naturbad?

Von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth nach seinem „Bauchgefühl“ zur Zukunft des Bädles gefragt, antwortete der Stadtwerke-Chef am vergangenen Donnerstag: „Überwiegend negativ. Wir müssen eventuell sehr viel Geld in die Hand nehmen. Die Anlage entspricht nicht mehr den Vorschriften, wie sie heute gelten.“

Gegenüber einer Generalsanierung oder vielen kleinen Reparaturen, um irgendwie über den Sommer zu kommen, scheint Jochen Mulfinger eine dritte Variante zu favorisieren: den Umbau des Bädles zu einem Naturbad. Eine Winnender Delegation hat in dieser Sache sogar schon eine solche Anlage in Künzelsau besichtigt. Das Naturbad würde dann nach Mulfingers Vorstellung weniger anmuten wie ein klassisches Schwimmbad, sondern „wie ein sehr sauberer See“, der, in perfekter Lage an einer Mineralquelle und am Buchenbach, sich in seiner Charakteristik ganz deutlich vom großen Wunnebad unterscheide.

Oberbürgermeister Holzwarth ist es ein Anliegen, dass die Saison gerettet wird

Bis ein solches Bad gebaut wäre, würden allerdings einige Jahre ins Land gehen. Sollte das Mineralfreibad Höfen in dieser Zeit wirklich brach liegen? War die vergangene, sehr durchwachsene Saison im Bädle wirklich die vorerst letzte? Und was sagt der Förderverein dazu, der das Bad vor fast 30 Jahren schon einmal vor dem Aus bewahrt hat?

In den kommenden Wochen bis Ende März wird das Thema sicher heiß diskutiert werden. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth jedenfalls betont, es sei der Stadt ein „großes Anliegen, die Saison mit vertretbarem Aufwand zu retten“.

Nach einem so kurzen wie enttäuschenden Sommer 2021 im Mineralfreibad Höfen zeichnet sich jetzt ab, dass das Bädle in diesem Jahr ganz geschlossen bleibt. Ob es überhaupt jemals wieder öffnet, ist ungewiss – zu marode sind Becken und Technik. Die Anlage kann laut Bäderleiter Sascha Seitz ohne größere Bauarbeiten nicht mehr ordnungsgemäß betrieben werden: „Das alles zu reparieren, da wären wir bei einer Komplettsanierung“, sagt er. Doch die Stadtwerke liebäugeln mit einem anderen Plan: Das

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