Winnenden

Mit Weinbörse erlöst Peter Friedrichsohn 1190 Euro für die Stiftung Stadtkirche

WeinboerseKirche
Peter Friedrichsohn (links) im Gespräch mit einem Gast der Weinbörse in der Stadtkirche. © Gaby Schneider

Peter Friedrichsohn hat viel Weinzubehör gesammelt und am Samstag gegen Spenden abgegeben, damit die Stadtkirche saniert werden kann. Bei einer Weinbörse kamen 1190 Euro für die Stiftung Stadtkirche zusammen. „Gut, dass die Sachen unter die Leute kommen“, sagt Peter Friedrichsohn. Bücher zu Weinregionen und E.T.A. Hoffmanns Erzählband „Meister Martin, der Küfer“, das mit Holzschnitten illustrierte Trinkspruch-Dossier „Greif zum Glase“ – allerlei findet sich auf einem langen Tisch, dazu Bilder, Weinseidel mit Henkel, Krüge aus Steinzeug, Korkenzieher und Tabletts.

Friedrichsohns Wunsch, der Stiftung Stadtkirche einen vierstelligen Betrag zu übergeben, hat sich also erfüllt. Er habe sich gerne von seinen Andenken getrennt, auch wenn sie ihm teilweise „ans Herz gewachsen“ seien. „Jeder Schein ist mir recht, es ist für die Kirche.“ Die Summe sei angesichts der zu erwartenden millionenschweren Sanierung zwar „nur ein Tropfen, aber auch Kleinvieh ... “, deutet er den Wert des kleinen Schritts an.

Dekoratives fürs Weingut, fürs Wohnzimmer oder fürs Museum

Dass er es tut, stößt auf Respekt und Gegenliebe. „Viele großzügige Spender sind gekommen, die es ihm hoch anrechnen, dass er die Aktion macht“, sagt Irene Erbe vom Stiftungsrat. In der Kirche schauen sich Kenner und Weinliebhaber um, die 3G-Regel wird am Eingang kontrolliert. Der älteste Besucher sei sein Bekannter Viktor Nachtrieb gewesen. „Er hat sich ein großes Bild mit Trollinger-Trauben mitgenommen“, so Peter Friedrichsohn. Zwei Weinbilder mit Trauben aus einer Zwölferserie sind als Erstes weg. „Sie gingen an ein Weingut, das gerade mit dekorativen Sachen den Verkaufsraum ausstattet“, erzählt er. Die weiteren zehn Motive seien in ein privates Weinmuseum gewandert. Recht schnell seien auch die Weinkühler aus gebranntem, unglasiertem Ton weg gewesen.

Peter Friedrichsohn hatte beruflich mit Wein zu tun

Wie kommt ein Privatmann zu so vielen weinbezogenen Exponaten, die er bereits auslagern musste, weil er daheim kein freies Eckchen mehr hat? Peter Friedrichsohn stammt aus einer alten Küfer- und Weinhändlerfamilie, hat selbst als Weinhändler und Weinkenner viele Reisen und Verkostungen organisiert und moderiert und so Weinwissen vermittelt. Er ist Ehrenmitglied des Winnender Wein- und Kulturvereins und hat als dessen ehemaliger Vorsitzender bei der Entstehung der Winnender Weintage maßgeblich mitgewirkt – mit ihnen ist der Winnender Wein bekannter geworden. „Unterwegs kaufe ich immer wieder etwas und bekam auch manches geschenkt.“ So auch einen wertvollen Bordeaux, der bei der Weinbörse versteigert wurde.

Für Fässer hat bereits ein Fan Interesse angemeldet

Alte Fässer aus seiner Küfer-Vergangenheit habe er bei der Börse nicht dabeigehabt, sagt Peter Friedrichsohn auf Nachfrage. Allerdings lagerten privat bei ihm einige Schmuckfässle, für die bereits ein Weinfan Interesse angemeldet habe: „Er möchte sie für sein privates kleines Weinmuseum zu Hause“, so Friedrichsohn. Aus den Beständen seiner Vorfahren habe er noch etliches Küferhandwerkszeug. „Das kriegt einmal das Stadtmuseum.“

Seine vielen vinologischen Sammlerstücke habe er über Jahre in einem von der Stadt gemieteten Raum bei der Stadtmauer aufbewahrt. „Das Gebäude wird über kurz oder lang abgerissen, und ich wollte die Sammlung beizeiten aufgelöst haben.“ Zudem habe seine Frau ihm liebevoll Beine gemacht, etwas auszusortieren.

Die Stadtkirche liegt ihm am Herzen: Hier wurde er getauft

Weil dem Winnender viel am Erhalt der Stadtkirche liegt, sei die Idee einer Benefiz-Börse nahegelegen. „Es ist längst überfällig, dass es für sie ein Konzept einer Weiternutzung gibt, die einen neuen Wert setzt und den Erhalt sichert.“ Die Kirche sei „ein Sanierungsfall an allen Ecken und Enden“. Sie brauche jede Hilfe „wie ein todkrankes Wesen“. Denn sie gehöre zum Leben und sei „für das Stadtbild sehr, sehr wichtig“. Ihn verbinde eine persönliche Beziehung zur Stadtkirche, erzählt der Winnender. „Ich bin in der Marktstraße aufgewachsen und bin in dieser Kirche getauft worden.“ Sein Urgroßvater Lorenz Friedrichsohn habe hier geheiratet und in Sichtweite zur Stadtkirche am Viehmarktplatz gewohnt und seine Küferwerkstatt gehabt.

Kürschners haben einst ihre ersten Möbel aus Weinkisten gemacht

Nicht nur Peter Friedrichsohn, auch anderen Winnendern blutet das Herz angesichts des Sanierungsfalls Stadtkirche: Marie-Luise und Ekkehard Kürschner haben vor 40 Jahren hier geheiratet, sein Vater sei hier Pfarrer gewesen. Die Kirche ist für sie „ein zentraler Ort, der genutzt werden sollte“, sagt sie. „Wenn man hier lebt, braucht man den Turm fürs Stadtbild“, meint er. Weil sie Friedrichsohns Familiengeschichte kennen, seien sie neugierig geworden, was er wohl anbieten wird. Sie werden fündig in der Gläserecke, nehmen Probiergläser mit. „Hier steht zwar drauf, Kenner trinken Württemberger, da darf bei uns aber auch mal ein Franzose rein.“ Friedrichsohns Vater habe ihnen zu den ersten Möbeln als junges Ehepaar verholfen. „Wir haben in der Weinhandlung nach alten Holz-Weinkisten gefragt und zwölf Stück bekommen. Daraus haben wir unser erstes Regal gebaut.“ Heutzutage sind die Kisten, wie auch Möbel aus Paletten, wieder schick: „Einige der alten Kisten von Friedrichsohns haben überlebt, unsere Tochter nutzt sie zum Abstellen als Tisch.“

Lange Familientradition: Vom Fassküfer zum Weinmarketing

Peter Friedrichsohn schlug beruflich den Weg der Väter ein – er war aber der erste Weinhandelsküfer der Familie und lernte nicht mehr, den Vorfahren folgend, den Beruf des Fassküfers. Seine Vorfahren, die im 30-jährigen Krieg aus Schweden kamen, waren seit Generationen Küfer und siedelten sich im Weinbauort Kohlberg bei Metzingen an. Sie fertigten und reparierten einst Fässer für die Schifffahrt und konnten daher den Beruf dort weiterführen.

Lorenz Friedrichsohn kam 1876 aus Kohlberg nach Winnenden, weil bei Küferwitwe Krautter (geborene Huber) am Viehmarktplatz eine Stelle frei war. Diese Küferei habe zwischen dem Gebäude der Winnender Zeitung und dem Geschäftshaus Rienth gestanden, wo später der Durchbruch zur Wallstraße erfolgte – in direkter Blickrichtung und einen Steinwurf von der Kirche entfernt.

Lorenz Friedrichsohn habe den Küfer ersetzt – zunächst als Geselle, später als Ehemann der Witwe. Über diese Ehe sei Winnenden zur Heimat der Familie Friedrichsohn geworden. Peter Friedrichsohns Vater, Emil Erwin, war bereits Küfer in der zehnten Generation, baute die Fassküferei zur Mosterei aus und hatte an der Marktstraße eine Wein- und Getränkehandlung. Dort, im Gebäude 63, ist Peter Friedrichsohn aufgewachsen. Beruflich hat er sich in Richtung Vertrieb weiterorientiert und eine zweite Lehre zum Weinhandelskaufmann absolviert. In seiner aktiven Zeit war er im Marketing eines Großhändlers tätig und kam in europäische, kalifornische und südafrikanische Anbaugebiete.

Peter Friedrichsohn hat viel Weinzubehör gesammelt und am Samstag gegen Spenden abgegeben, damit die Stadtkirche saniert werden kann. Bei einer Weinbörse kamen 1190 Euro für die Stiftung Stadtkirche zusammen. „Gut, dass die Sachen unter die Leute kommen“, sagt Peter Friedrichsohn. Bücher zu Weinregionen und E.T.A. Hoffmanns Erzählband „Meister Martin, der Küfer“, das mit Holzschnitten illustrierte Trinkspruch-Dossier „Greif zum Glase“ – allerlei findet sich auf einem langen Tisch, dazu

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