Winnenden

Mitarbeiterin einer Winnender Tankstelle angeklagt: Allzu oft die Kassenschublade ohne Grund geöffnet?

Kasse Geld
Stimmt die Kasse? Einem Steuerberater sind Unregelmäßigkeiten aufgefallen, weshalb eine Frau von der Tankstelle angeklagt wurde (Symbolbild). © Adobestock/Robert Hoetink

Hat eine Angestellte einer Winnender Tankstelle, ihren Arbeitgeber in fast 200 Fällen übers Ohr gehauen und Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet? Oder war alles nur ein großes Missverständnis, weil die Frau nicht richtig eingearbeitet wurde? Diese Fragen hatte das Waiblinger Amtsgericht um Richter Steffen Kärcher zu klären.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Angeklagte in die eigene Tasche gewirtschaftet hat und es dabei zu Straftaten gekommen ist. Es hätte allerdings zweifelsfrei und in jedem einzelnen Fall konkret nachgewiesen werden müssen, dass es sich dabei um eine Unterschlagung und nicht um ein Versehen, einen Irrtum oder eine Fehlbuchung handelte. Und das ist in diesem Fall nicht möglich“, begründete Richter Steffen Kärcher sein Urteil, mit dem er die Angeklagte von dem Vorwurf des Betrugs freisprach.

Die Angeklagte ist sich keiner Schuld bewusst

Insgesamt 187 Straftaten, begangen zwischen März und Oktober 2016 und in der Hauptverhandlung im Waiblinger Amtsgericht akribisch aufgezählt, warf die Staatsanwaltschaft der Angeklagten vor. Die wiederum beharrte darauf, unschuldig zu sein. Anscheinend habe sie bei der Arbeit Fehler gemacht, räumte sie ein, schließlich sei sie nur eine Woche von einer Kollegin eingearbeitet worden, aber anscheinend seien die niemandem aufgefallen. Sie sei der Ansicht gewesen, dass sie ihre Arbeit gut und korrekt erledige, und die Tätigkeit habe ihr auch gefallen.

Die Arbeitgeberin war begeistert von der Angestellten

Die Angeklagte war von März bis Ende September 2016 in einer Winnender Tankstelle beschäftigt. Zu ihren Aufgaben gehörten das Kassieren, das Auffüllen der Regale, das Leeren der Papierkörbe und das Aktivieren der E-Loading-Karten am Terminal.

Ihre damalige Arbeitgeberin erklärte im Zeugenstand, dass sie von ihrer neuen Mitarbeiterin, die ihr von gemeinsamen Bekannten empfohlen worden war, zunächst geradezu begeistert gewesen sei. Sie habe sich geschickt und kontaktfreudig den Kunden gegenüber gezeigt, engagiert und einsatzfreudig. Und sie sei bereit gewesen, auch die unbeliebten Spät- und Nachtschichten zu übernehmen, berichtete die Tankstellenpächterin im Zeugenstand. Ihrem Steuerberater sei schließlich nach Monaten aufgefallen, dass mit den E-Loading-Karten etwas nicht stimmen könne. Die von den Kartenunternehmen in Rechnung gestellten Beträge stimmten nicht mit den dafür vereinnahmten überein. Als man daraufhin genauer hinschaute, fiel auf, dass in den jeweiligen Schichten der Angeklagten zwischen acht und zehn sogenannte Nullbons in der Registrierkasse verbucht waren, also Eingaben zu dem alleinigen Zweck, die Kassenschublade zu öffnen, während dies bei anderen Mitarbeitern zwei- bis viermal je Schicht vorkam.

Über 20 000 Euro Schadensersatz vor dem Arbeitsgericht gefordert

Dies gab Anlass zu dem Verdacht, dass die Angeklagte die für die E-Loading-Karten vereinnahmten Geldbeträge nicht in die Kasse, sondern in ihre eigene Tasche abgeführt habe. In den Fällen, in denen der Kunde dann Rausgeld zu bekommen hatte, wenn er zum Beispiel eine 25-Euro-Karte mit einem 50-Euro-Schein bezahlte, soll sie dann über einen Nullbon die Kasse geöffnet und dieser das Wechselgeld entnommen haben. Weiter stand der Verdacht im Raum, dass die Angeklagte auch das Geld für andere Waren und Dienste nicht der Kasse zugeführt, sondern in die eigene Tasche umgeleitet habe. Es kam daraufhin zur fristlosen Kündigung und einem Verfahren vor dem Arbeitsgericht, bei dem die Arbeitgeberin über 20 000 Euro Schadensersatz von ihrer ehemaligen Mitarbeiterin forderte.

Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe auf Bewährung

Die Schadensersatzklage beim Arbeitsgericht scheiterte. Die ehemalige Angestellte bestritt die Vorwürfe, sie seien unbegründet. Die ehemalige Arbeitgeberin versuche lediglich, ihr die unternehmerischen Fehler, die sie selbst zu verantworten habe, in die Schuhe zu schieben, so die Argumentation. Nun, nach viereinhalb Jahren, hatte sich das Amtsgericht mit dem Geschehen von damals zu befassen. Ein Beamter des Winnender Polizeireviers hatte von der Staatsanwaltschaft im Mai vergangenen Jahres den Auftrag erhalten, gegen die Angeklagte zu ermitteln. Er verglich 290 Aktivierungen von E-Loading-Karten, für die wohl keine Kasseneingänge verbucht waren, mit den jeweiligen Dienstplänen, und konnte schließlich 187 davon den Schichten der Angeklagten zuordnen. Dadurch soll es ihr gelungen sein, 5556 Euro in die eigene Tasche umzuleiten.

„Sie haben spitzgekriegt, wie Sie sich die Taschen füllen konnten“, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu der bereits wegen Diebstahls und zweimal wegen Betrugs vorbestraften Angeklagten. Daher plädierte sie dafür, diese zu einem Jahr Freiheitsentzug, der drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden solle, zur Ableistung von 100 bis 120 Arbeitsstunden, zum Bezahlen von 5556 Euro und der Verfahrenskosten zu verurteilen. Es sei dem ermittelnden Beamten gelungen, die Vorgehensweise der Angeklagten nachzuvollziehen und unzweifelhaft zu ermitteln.

Eine Argumentation, der sich der Richter in seinem Urteil nicht anschloss.

Hat eine Angestellte einer Winnender Tankstelle, ihren Arbeitgeber in fast 200 Fällen übers Ohr gehauen und Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet? Oder war alles nur ein großes Missverständnis, weil die Frau nicht richtig eingearbeitet wurde? Diese Fragen hatte das Waiblinger Amtsgericht um Richter Steffen Kärcher zu klären.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Angeklagte in die eigene Tasche gewirtschaftet hat und es dabei zu Straftaten gekommen ist. Es hätte allerdings

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