Winnenden

Mobile Raumluftfilter für alle Schulen? OB Holzwarth sieht geringen Nutzen und empfiehlt: Testen, Fenster und Maske auf

Montessori-Schule in München, 2021 Unterricht in der Internationalen Montessori-Schule in der Schwanthalerstraße in München währ
Ein Luftfilter in einem Klassenzimmer (Symbolbild). © DPA/Stephan Rumpf

Die Sommerferien nahen, in drei Wochen beginnen sie. Und nach weiteren sechseinhalb Wochen fängt das neue Schuljahr an. Eltern und Lehrergewerkschaft fordern schon länger, angesichts des Zeitdrucks aber immer drängender, dass die Schulen mit Lüftungstechnik ausgestattet werden. Auf dass die Kinder beim Lernen an kalten Herbst- und Wintertagen nicht frieren müssen. Auf dass vielleicht sogar die Masken im Ranzen bleiben können. Oder dass es wenigstens kein Home-Schooling mehr geben muss. Wie begegnet Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth diesen Wünschen? Im Gemeinderat hatten Räte der FDP-Fraktion das Thema immer wieder angesprochen. Nach Beratung mit dem Schorndorfer Kollegen Klopfer, dem Winnender Bauamtsleiter Klaus Hägele und dem städtischen Fachmann für Gebäudetechnik, Carsten Schmidt, gibt es weder eine klare Absage noch eine pauschale Zusage von Holzwarth. „Man muss die Sache differenziert betrachten.“

Einbaulösung – geht das am LGW?

Jedes Schulgebäude ist anders. Für den Einbau von Klimaanlagen mit Wärmerückgewinnung braucht die Stadt jeweils eine Fachplanung, muss sich mit dem Brandschutz abstimmen, den Auftrag ausschreiben und an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben, die Arbeiten ausführen lassen. Das dauert mindestens ein Jahr, viel zu lange für das neu aufgelegte Bundesförderprogramm. Wer daraus Geld möchte, muss den Einbau bis Jahresende 2021 abrechnen. Doch halt, Winnenden hat mit dem Lessing-Gymnasium (LGW) eine Schule, die seit 2019 generalsaniert wird. Geht da was? Leider nein, so Holzwarth. „Die Räume sind zu niedrig, man kann keine Lüftung einbauen.“

Eine städtische Grundschule in Winnenden ist immerhin schon teilbelüftet, wenn man so will: „Im neuen Anbau der Kastenschule steht ein schrankähnliches Konstrukt.“ Holzwarth hat sich von den Fachleuten sagen lassen, dass es dreimal in der Stunde die Luft im Raum tauscht. „Pandemiegerecht wäre aber, sechsmal in der Stunde die Luft zu tauschen.“ Einfach „höher drehen“ kann man die Anlage aber nicht, dabei würden störende Geräusche, mindestens ein Pfeifen entstehen.

Daher lautet das Fazit von Holzwarth: „Wir müssen bei künftigen Schul- und Kindergartensanierungen prüfen, ob es geht, was es kostet, und der Gemeinderat entscheidet dann, ob es gemacht wird.“ Wenn es geht, können die Fenster zu bleiben, aus Holzwarths Sicht „die beste Lösung“.

Schneller wären Schulen und Kindergärten mit mobilen Raumluftfiltern ausgestattet. Das Land hat dafür nun auch ein Programm aufgelegt, aus dem Winnenden etwa 150.000 Euro zu erwarten hätte. Die Stadt schätzt jedoch, dass sie einmalig 1,4 Millionen Euro ausgeben müsste und jährlich etwa 100.000 Euro für Wartung und Strom. Weil OB Holzwarth nicht irgendein Gerät ordern darf, das vielleicht zufällig eine ortsansässige Firma herstellt, sondern sich die Stadt auch hier an die Vergaberichtlinien halten muss, glaubt Holzwarth, dass die Lieferung erst im März erfolgen würde. „Das macht einfach keinen Sinn.“

Mobile Filter – sie brauchen zusätzlich frische Luft

Außerdem sieht er die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen. „Es sagt kein Hersteller, dass mit den Dingern dann die Schulen offen bleiben können. Oder dass niemand in Quarantäne muss. Außerdem empfehlen die Hersteller, trotz Betrieb des Geräts die Räume zu lüften.“ Also regelmäßig Fenster und Türen auf, Durchzug schaffen, Kälte reinlassen. „Da sind wir mit dem bisherigen Testsystem, Abstand, den Masken und dem Lüften doch viel effizienter unterwegs als mit einem Luftfilter“, meint Holzwarth. Bei Kindergärten gilt das noch verschärft, denn die Kleinkinder können weder Abstand halten noch Maske tragen. Wird ein Infekt beim Spielen oder Umarmen übertragen, hilft der Luftfilter auch nichts.

„Einzelne Schulen dürfen sich aber mobile Raumluftfilter beschaffen, mit Geld aus ihrem Budget und mit Fördergeld des Landes. Da geben wir als Schulträger nichts vor“, sagt Holzwarth.

Die Sommerferien nahen, in drei Wochen beginnen sie. Und nach weiteren sechseinhalb Wochen fängt das neue Schuljahr an. Eltern und Lehrergewerkschaft fordern schon länger, angesichts des Zeitdrucks aber immer drängender, dass die Schulen mit Lüftungstechnik ausgestattet werden. Auf dass die Kinder beim Lernen an kalten Herbst- und Wintertagen nicht frieren müssen. Auf dass vielleicht sogar die Masken im Ranzen bleiben können. Oder dass es wenigstens kein Home-Schooling mehr geben muss. Wie

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