Winnenden

Modellbahnfreunde: Neue Bergwelt und Tunnels

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Axel Stein (links), sein Sohn Valentin und in der Hocke Alexander Eigner neben dem neuen Star der Modellbahnanlage, dem Viadukt. © Habermann / ZVW
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Modellbahnfreunde Winnenden
Der Steinbruch wirkt täuschend echt – Felswände und Mauern sind aufwendig mit Gips modelliert. © Gabriel Habermann

Winnenden. Die Modellbahnfreunde zeigen ab Sonntag das Ergebnis von einem Jahr Schaffenskraft und Vernarrtheit ins Detail. Ihre Züge fahren jetzt durch eine beeindruckende Bergwelt, in Tunnels hinein und vorbei an hohen Stützmauern. Zwei der drei Tüftler berichten vorab, welche Mühe sie in die Fantasielandschaft gesteckt haben.

Video: Alexander Eigner von den Modellbahnfreunden Winnenden zeigt die Fantasielandschaft.

Die perfekte Illusion erfordert Hunderte freiwilliger Arbeitsstunden, nicht immer in ergonomisch vorbildlicher Haltung. „Die Mauersteine ritzen wir so lange mit dem Zahnarztinstrument aus dem Gips, bis uns das Kreuz abbricht“, sagt Axel Stein lachend. 15 Meter Berge und Mauern sind in einem Jahr entstanden, fertig wird die Landschaft weder bis Sonntag noch bis zum nächsten Jahr.

Was die Modellbahnfreunde zeigen, gibt es nirgendwo zu kaufen, und das reizt viele Besucher, zu kommen. „Es sind manchmal 100 am Tag, viele sind Stammgäste, alte Freunde, die weite Strecken auf sich nehmen“, berichtet Axel Stein. Das sei Lohn und Motivation für die Mühsal im Dachstuhl, den die Anlage ausfüllt.

Am Anfang leuchten die Berge grün, gelb, rosa

„Ich sitze oft lange davor, bis ich weiß, was und wie ich es mache“, sagt Alexander Eigner. Für die Ausführung braucht er dann nur wenige grobe Skizzen, aber jede Menge Zeit. Nehmen wir die steilen Bergwände, die jetzt eine Schlucht bilden: Zunächst klebt Eigner grüne Styrodur-Platten übereinander und arbeitet aus ihnen grobe Felsformationen mit Messer, Fuchsschwanz und Stechbeitel heraus. Auf ihrer Internetseite zeigen die Modellbahner den Entstehungsprozess in Bildern. Am Anfang ist da nichts wüst und leer, sondern das Styropor leuchtet rosa, gelb und grün.

„Dann kommt Gips darüber, richtig dick, bis zu einem Zentimeter“, erklärt der 40-Jährige. „Ist er angehärtet, arbeite ich wieder mit dem Stechbeitel.“ Wenn er mit den Strukturen seiner Steilwände und Felsplateaus zufrieden ist, trocknet alles durch und erhält eine Grundierung. Große Teile der neuen Landschaft müssen die Schausonntage über in diesem Stadium bleiben. Manches, wie der Steinbruch, ist aber fertig geworden: Alexander Eigner lasiert mit verdünnter Dispersionsfarbe darüber und tupft Teile mit Schwamm oder Lappen weg - fertig ist die perfekte Illusion der „Eigner Nordwand“. Doch der hauptberufliche Zimmermann kann’s ja noch viel filigraner: 150 Arbeitsstunden hat er allein in die Brücke über die Felsschlucht gesteckt. Die dünnen Messingstäbchen hat er so zusammengelötet, dass ein extrem stabiles und schönes Gerüst oder Fachwerk entstanden ist. Zwei Gleise führen darüber, anders als beim echten Vorbild, der eingleisigen Trisana-Brücke am Arlberg. Lange Staketen ragen in die Höhe – „der Bogen kommt ab März drauf“, sagt Alexander Eigner mit dem absolut notwendigen Mut zur Lücke bei solch einem Mammutprojekt im Miniaturformat.

Brückenköpfe aus Gips

Die Brückenköpfe rechts und links hat Eigner am Stück aus Gips gegossen. Er stellte wiederum aus dem festeren Styropor die Form her, die nach dem Austrocknen zerstört wurde. Und dann hieß es wieder den Zahnarzt-Stocher aus Metall in die Hand nehmen und die Mauersteine herausarbeiten. Wäre die Brücke echt, sie wäre etwa 60 Meter hoch, sagt Alexander Eigner. „Nach der Brücke wollte ich etwas Abwechslung“, berichtet Eigner von der Schwierigkeit, dass die zwei Gleise ja sehr nah beieinanderliegen. Nun verschwindet das eine in einem neu gebauten Tunnel. Das andere führt an der, man ahnt es schon, Mauer vorbei. Damit die Gleise ebenfalls täuschend echt aussehen, hat der Dritte im Bunde, Rainer Vogler, sie allesamt eingeschottert und neben den Weichen stecknadelkopfkleine gelbe Klemmenkästen (Stromanschluss) angebracht. Auch die Gastanks zum Weichen-Beheizen wurden selbstverständlich nicht vergessen. Mal sehen, ob die Betrachter ebenfalls Liebe zum Detail besitzen.


Besichtigung an fünf Sonntagen

Die Modellbahnfreunde öffnen ihre Anlage an der Seehalde 30 in Winnenden an folgenden Terminen für die öffentliche Besichtigung:

Sonntag, 28. Januar, sowie Sonntag, 4., 11., 18. und 25. Februar – jeweils von 10 bis 16 Uhr.

In diesen Zeiten werden 80 Züge gleichzeitig fahren und die Macher – Axel Stein, Alexander Eigner und Rainer Vogler – ins Gespräch mit den Gästen kommen.

Bei großem Andrang müssen Besucher mit Wartezeiten rechnen, allzu viel Platz ist im Hintergebäude unterm Dach nicht. Ein Spaziergang zwischen Winnenden und Höfen bietet sich dann an.

Die Anlage ist nicht barrierefrei. Sonntags kann man gut an der Wiesenstraße parken und kommt über die Fußgängerbrücke über den Buchenbach am Edeka-Markt direkt an der Seehalde 30 an.