Winnenden

Mord in der Asien-Perle: Lebenslange Haft gefordert

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Die Asien-Perle in Backnang. © Sarah Utz

Backnang/Stuttgart. 
In seinem Plädoyer im Fall Asien-Perle zeigte der Anwalt der Nebenklage, Daniel Grau, am Dienstag am Landgericht Stuttgart zwei sehr verschiedene Wege auf, die Einwanderer in Deutschland gehen können. Grau vertritt die beiden Söhne der getöteten Inhaberin des Backnanger Restaurants Asien-Perle, Aie Wu. Der gebürtigen Chinesin sei es trotz einer Kindheit in ärmlichen Verhältnissen und Gewalt in der Ehe gelungen, in Backnang eine Existenz zu gründen. „Sie war eine tüchtige Geschäftsfrau, die wusste, was sie im Leben wollte“, führte der Anwalt aus. Ein Paradebeispiel dafür, wie es mit Fleiß und der richtigen Arbeitseinstellung gelingt, als Einwanderer in Deutschland erfolgreich zu sein.

Bargeld im Zimmer wurde Aie Wu zum Verhängnis

Dass das Restaurant beträchtliche Summen abgeworfen hatte, sah Grau in den hohen Bargeldbeträgen bestätigt, die im Privatzimmer der 53-Jährigen gefunden wurden. Obwohl Wu die Geschäftsführung an ihren ältesten Sohn, Jian Wang, abgegeben hatte, verwaltete sie bis zu ihrem Tod die täglichen Einnahmen des Betriebs und zahlte auch die Löhne der Mitarbeiter aus. „Dass sie das Geld in ihrem Zimmer aufbewahrte, sollte ihr zum Verhängnis werden“, sagte Grau. Denn der Aufbewahrungsort der hohen Geldbeträge sei den Angestellten bekannt gewesen, auch jenem Angestellten, „dem es nicht gelungen war, in Deutschland Fuß zu fassen“.

„Die Angeklagten wollten sich auf Kosten der Geschädigten bereichern. Um jeden Preis.“

Damit spielte der Anwalt auf den angeklagten Dumitru A. an, der im Spätherbst 2015 für kurze Zeit als Aushilfe in der Asien-Perle gearbeitet hatte. Er, wie auch sein mutmaßlicher Komplize Constantin C. waren in ihrem Heimatland Rumänien zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Wegen mehrerer Einbrüche und Diebstähle war A. auch in Deutschland auffällig geworden – das Gegenbeispiel zum Erfolg der ebenfalls eingewanderten Aie Wu. Beide Männer hatten in der Verhandlung angegeben, als Subunternehmer im Baugewerbe gearbeitet zu haben. Weil ein Auftraggeber sie nicht bezahlt habe, seien sie in finanzielle Not geraten.

Für Anwalt Daniel Grau stellte sich das so dar: „Die Angeklagten wollten sich auf Kosten der Geschädigten bereichern. Um jeden Preis. Und der Preis, das war Aie Wus Leben.“ Den Tatablauf schilderte der Anwalt ähnlich, wie es der Staatsanwalt am vorigen Prozesstag getan hatte: Die beiden Rumänen hätten sich am späten Abend des 3. März 2016 in das Restaurant begeben. Im Gastraum hätten sie sich versteckt gehalten, bis alle Mitarbeiter sich in die Räume im unteren Geschoss zurückgezogen hatten. In der Absicht, Aie Wu zu berauben, sollen sie sich zu deren Privatzimmer begeben und die 53-Jährige dabei überrascht haben, wie diese sich in den naheliegenden Waschräumen bettfertig machte.

Anwalt sieht Mordmerkmale als erfüllt an

„Sie nutzten die Arg- und Wehrlosigkeit der Frau aufs Brutalste aus“, urteilte Grau. Ohne zu zögern hätten die beiden Männer ihren Gewaltakt ausgeführt, die Restaurantchefin mehrfach massiv geschlagen und getreten. „Erst als die Geschädigte mit zertrümmerten Rippen und einer klaffenden Kopfwunde am Boden lag, ließen sie von ihr ab.“ Das Wohl der 53-jährigen Chinesin sei ihnen völlig egal gewesen, sie hätten sie zum Sterben zurückgelassen, nachdem sie einen Betrag von etwa 20 000 Euro und eine teure Uhr aus ihrem Zimmer gestohlen hatten. Für den Anwalt der Nebenklage ist deshalb klar: Die beiden Männer, deren Leben von kriminellen Machenschaften geprägt war, haben vier Kindern die Mutter genommen und eine viel zu junge Frau aus dem Leben gerissen. Aie Wu, so merkte Grau an, wäre nächste Woche 55 geworden.

Forderung: Lebenslange Haft

Was das Strafmaß angeht, schloss sich Grau der Forderung des Staatsanwalts nach einer lebenslangen Haftstrafe mit Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld an. „Die einzig richtige Entscheidung“, nannte er es. Im Anschluss hatte der jüngere Sohn Aie Wus, Hong Tang, noch die Möglichkeit, das Wort zu ergreifen. Er verzichtete jedoch und beließ es bei dem Satz: „Ich glaube nicht, dass es dazu noch mehr zu sagen gibt.“

Am nächsten Verhandlungstag am Dienstag, 23. Januar, halten die Verteidiger der beiden Angeklagten sowie die Anwältin von Aie Wus Bruder, der ebenfalls als Nebenkläger auftritt, ihre Plädoyers. Anschließend erhalten die beiden beschuldigten Männer das letzte Wort. Das Gerichtsurteil wird in der darauffolgenden Woche erwartet.

Mordfall in der Asien-Perle: Chronologie

Am 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ein dringender Tatverdacht erhärtete sich gegen einen 42- und einen 46-jährigen rumänischen Staatsangehörigen aus dem Raum Backnang. 

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

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