Winnenden

Motorrad-Kauf vorgegaukelt: Haft für Angeklagten

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Schwaikheim. Gleich mehrmals hatte ein 26-Jähriger mit der Masche Erfolg: Er präsentierte sich als potenzieller Käufer, gaukelte Verkäufern vor, dass er das Motorrad kaufen wolle, kam aber von einer Probefahrt nicht mehr zurück. Da er bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, muss er nun für ein Jahr wegen Betrugs ins Gefängnis.

Dass der 26-jährige Angeklagte an jenem 28. Juli 2016 nicht mehr, wie vereinbart, von seiner Probefahrt zurückgekommen ist, sondern mit dem Motorrad abgehauen war, hat einen Schwaikheimer hart getroffen. „Das Misstrauen ist bis heute da“, sagte er als Zeuge vor dem Waiblinger Amtsgericht aus.

„Wir hatten den Preis ausgemacht und uns fest geeinigt"

Die Enttäuschung darüber, dass er sich in einem Menschen so sehr täuschen konnte, hält bis heute an. „Wir hatten den Preis ausgemacht und uns fest geeinigt. Ich empfand das als harte Sache. Wir waren per Du“, so der Schwaikheimer, der sein Motorrad zum Preis von 8999 Euro im Internet inseriert hatte.

Nachdem der Angeklagte mit dem Motorrad verschwunden war, tauchte das Krad einige Tage später in Karlsberg wieder auf. Der Schwaikheimer ließ es abschleppen, kam für die Kosten von 200 Euro auf. Der Lenker war verbogen, was er aber selbst reparieren konnte.

Auch in Fürth Kaufinteresse gezeigt und Motorrad gestohlen

Bevor der Angeklagte in Schwaikheim aufgetaucht war, ist er schon einmal ähnlich vorgegangen. Am 3. Juli 2016 erschien er in einer Autowerkstatt in Fürth, die ein Motorrad für 8900 Euro im Angebot hatte. Der Firmeninhaber verlangte den Führerschein und forderte den Personalausweis als Pfand ein.

Beides, gab der Angeklagte an, trage er nicht bei sich, sondern habe es im Hotel vergessen. Nach einem Hin und Her willigte der Zeuge ein, dass der Angeklagte die Straße einmal entlangfahren dürfe. „Er trug Motorradkluft und hatte einen Helm dabei“, erinnerte sich der Zeuge vor Gericht.

Schaden in Höhe von 15 000 Euro

Der Angeklagte verschwand. Wenige Tage später erreichte den Zeugen die Nachricht, dass der Angeklagte mit dem Motorrad einen Unfall hatte, das Motorrad hatte einen Totalschaden. Der Werkstattinhaber ließ das Krad abschleppen.

Er zahlte 1500 Euro an den Inhaber, der ihm das Krad zum Verkauf überlassen hatte. Für ihn sei ein Schaden von 15 000 Euro entstanden, gab er an – alle Kosten eingerechnet. Die restliche Summe des ursprünglichen Motorradwertes müsse er noch dem eigentlichen Besitzer bezahlen.

Für ihn ein herber, finanzieller Verlust. „Wir sind ein Zwei-Mann-Betrieb“, sagte der 34-Jährige. Er müsse einen Kredit aufnehmen. „Ich habe drei kleine Kinder zu Hause“, sagte er.

Frust als Tatmotiv

Der Angeklagte, der bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft saß, entschuldigte sich bei den beiden Geschädigten und beteuerte, dass er für den Schaden aufkommen wolle. Doch Richterin Christel Dotzauer lenkte ein. „Vorerst ist bei ihm nichts zu holen, vielleicht irgendwann mal, später, er ist ja noch jung“, sagte sie.

Als Grund für seine Taten gab der Angeklagte, der geständig war, schlichtweg Frust an. Es sei seine Art und Weise, Tiefschläge zu verarbeiten. „Das ist das Einzige, was mich beruhigt, wenn mich im Leben etwas runterzieht“, sagte er. „Das muss ich irgendwie rauslassen.“

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten

Der 26-Jährige hat noch zwei kleinere Geschwister. Zu ihnen wie auch zur Mutter hat er keinen Kontakt mehr. Sein Vater, zu dem er wohl ein gutes Verhältnis hatte, ist im Februar 2016 verstorben. Er besitzt keinen Führerschein. Das Kradfahren habe ihm als Jugendlicher ein Freund gezeigt. Nachdem er mehrere Ausbildungen abbrechen musste, hatte er kurz vor seiner Verhaftung in Affalterbach wieder Fuß gefasst.

Er hatte Arbeit, wohnte bei Freunden, wollte aber wieder eine eigene Wohnung beziehen. Mehrmals habe er versucht sich umzubringen. Auch der Unfall, den er mit dem Motorrad aus Fürth hatte, sei beabsichtigt gewesen. In der Untersuchungshaft habe er sich erstmals einem Psychologen und Suchttherapeuten geöffnet, worauf Verteidigerin Saskia Hölscher verwies.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Ein Jahr reiche vollkommen aus, um die Tat zu sühnen, so Verteidigerin Hölscher. Verurteilt wurde der 26-Jährige zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr.


Mehrere Vorstrafen

  • Zwölf Eintragungen weist das Vorstrafenregister des 26-jährigen Angeklagten vor. Verurteilt wurde er dabei wegen unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln, mehrmals lautete der Tatvorwurf Diebstahl sowie mehrmals Betrug.
  • Darunter soll er einmal ein Motorrad gestohlen haben, nachdem er dem Verkäufer sein Kaufinteresse vorgegaukelt hatte. Er hatte dem Käufer ein Kuvert überlassen mit der Aufschrift 7000 Euro, worin sich angeblich eine Anzahlung befinden sollte. Tatsächlich enthielt das Kuvert aber nur Papierschnipsel.
  • Das Geständnis, das der Angeklagte ablegte, dürfe man nicht zu hoch stecken, erklärte Richterin Christel Dotzauer. „Wir hätten Sie überführt“, sagte sie. Betrug in zwei Fällen lag nun auch hier vor. Aufgrund der vielen Vorstrafen könnte man das Urteil „unter keinen Umständen zur Bewährung aussetzen“, so Dotzauer.