Winnenden

Musik- und Kunstschulleiter Mathias Mundl: Corona hat seinen Kalender geleert

Maskenrätsel - Mathias Mundl
Mathias Mundl leitet die Musik- und Kunstschule Winnenden und Umgebung. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Teil 5 unserer kleinen Serie. „Ich mag die Dinger nicht“, sagt Mathias Mundl, der Leiter der Musik- und Kunstschule, offen und ehrlich. „Ich versuche, sie immer nur kurz aufzuziehen, dort, wo es nötig ist, beim Einkaufen, oder wenn man sich im Büro zu nahe kommt.“ Von den FFP2-Masken bekommt er Kopfschmerzen und ihm wird nach kurzer Zeit schwummrig, durch dickere Stoffmasken bekommt er auch nicht gut Luft. 

Lieblingsmotiv Anker zeigt die zweite Leidenschaft des Musikers

„Immerhin konnte ich mir bei meiner Frau im Masken-Nähstudio Motive wünschen, die mir gefallen“, erzählt der 47-Jährige. Es sind überraschenderweise nicht Noten oder Instrumente, sondern kleine weiße Anker, die auf dem blauen Stoff aufgedruckt sind. „Ich liebe Boote“, verrät der Musiker eine weitere Leidenschaft und das Symbol dafür.

Die Motivation macht ihm Sorgen: Finden alle Laien zurück zur Musik?

Mathias Mundl ist nicht nur Leiter der Musik- und Kunstschule Winnenden und Umgebung und deren Sinfonieorchester. Außerdem dirigiert er das Konzertorchester Winnenden, den Musikverein Schwaikheim und das Große Blasorchester Schorndorf. „Mit Maske dirigieren geht nicht. Daher musste die erste Reihe entsprechend Abstand halten“, erzählt er von einer gelockerten Phase im Sommer und Herbst.

Als einer, der mit großen Laiengruppen arbeitet, macht dem 47-Jährigen aber eine ganz andere Begleiterscheinung der Pandemie Sorgen: die Phasen, in denen gemeinsame Proben untersagt sind, vor allem für Bläser und Sänger. „Darunter leidet nicht nur die Fähigkeit jedes Einzelnen, zu singen oder sein Instrument zu spielen. Sondern man hat sich vielleicht auch in der Zeit anders eingerichtet. Ich vereinfache jetzt mal sehr: Statt der Probe am Donnerstag hat mancher vielleicht entdeckt, dass da eine Serie im Fernsehen läuft, die ihm ganz gut gefällt.“ Mathias Mundl kann nur hoffen, „dass die Menschen zurückfinden in ihre Aktivitäten“. Er glaubt, das sei „eine große Herausforderung“ für alle Pädagogen, „einfache Einstiege zu bieten, Impulse zu setzen, den Motor zu finden, um das Interesse für Kunst und Musik wieder zu wecken“.

Erfinderische Lehrer: Neue Unterrichtsformen – und ihre Grenzen

Weniger Bedenken hat Mathias Mundl in Bezug auf den Einzelunterricht für die Jugendlichen. „In großen Zimmern können Lehrer und Schüler den Abstand leicht einhalten, auch Online-Unterricht ist kein Problem. Außer vielleicht, wenn es um ein sehr hohes Niveau geht. Deshalb ist der Regionalwettbewerb von ,Jugend musiziert’ auf März verschoben worden.“

Per Video haben die Tanzabteilung und die musikalische Früherziehung ihren Teilnehmern immer wieder Anregungen gegeben, für die Kunstschule ist ein Workshop-Wochenende im Frühjahr in Planung, oder, wenn der Lockdown über den 10. Januar hinausgeht und für die Vorbereitung genug Zeit ist, dann soll es auch wieder Pakete mit Anleitungen und Materialien für zu Hause geben. Die Kreativen gehen mit den neuen Umständen so um, wie man es von ihnen erwartet: erfinderisch.

Auch die Kinder und Jugendlichen gehen der Beobachtung des zweifachen Vaters nach „gewissenhaft und verständnisvoll“ mit Masken und dem ganzen schulischen Hygienekonzept um. Was in dem ganzen Lernprozess aber fehle, sei das Präsentieren eines Ergebnisses. „Es ist unser pädagogisches wie musikalisch-künstlerisches Ziel, darauf sind wir ausgerichtet. Gott sei Dank konnten die Jugendlichen wenigstens im Februar beim Jubiläumsempfang und im Sommer bei einem großen Konzert auftreten“, so Mundl.

Nur zwei Auftritte in einem Jahr, die gesamte Weihnachtszeit, in der normalerweise Vorspiele und Konzerte einander abwechseln, blieb stumm. Nur für den internen Gebrauch machte die Schule Tonaufnahmen in der Hermann-Schwab-Halle.

Als studierter Schlagzeuger, Dirigent, Musikpädagoge und Kulturmanager mit so vielfältigen Verpflichtungen wusste Mathias Mundl am Anfang des Jahres 2020 kaum, „wie ich all meine Termine unterkriegen sollte. Durch das 50-Jahr-Jubiläum der Musikschule und die Auftritte, die alle außerhalb der Schulferien liegen, hatte ich teils drei Termine am Tag. Mein Kalender war durchgetaktet.“ Dann nahm die Pandemie Fahrt auf und übernahm den Taktstock: „Alle Planungen lösten sich mit Corona in Luft auf, meine Prioritäten waren plötzlich ganz andere.“ Mathias Mundl ging es als Chef einer Schule, die über einen Verein von vier Kommunen getragen wird, anders als den Rektoren staatlicher Schulen, auch Kurzarbeit war für ihn ein Thema.

Unverdrossen plant der Schulleiter die Auftritte des Jahres 2021

Und wie geht es nun weiter? Hat Mathias Mundl überhaupt Lust, Termine zu machen, Ziele ins Auge zu fassen? „Ja, wir planen ganz normal, die Beteiligung am City-Treff, die Feste im Sommer und im Herbst“, zählt er auf. „Alles ist geprägt durch Nichtwissen. Aber ich hoffe einfach, dass es aufwärts geht, dass man sich irgendwann in kleinen Gruppen und Konzertsituationen wiederfindet“, sagt der 47-Jährige.

Gespannt wird er zunächst auf die Ministerpräsidentenrunde mit der Kanzlerin blicken, die heute (5.1.) entscheidet, ob und welche Lockerung vertretbar ist ab 10.1.. „Wer den Krieg erlebt hat, wird vielleicht andere Maßstäbe anlegen“, sagt Mathias Mundl. „Aber ich habe bisher nie etwas Vergleichbares erfahren.“ Dennoch sieht er auch Positives, was die Pandemie bewirkt hat: „Im Kollegium der Musik- und Kunstschule hatten wir auf einmal eine viel größere Kommunikation und dadurch mehr Zusammenhalt – und das trotz der großen Distanz.“

Und trotz seines gestörten Verhältnisses zur Mund-Nasen-Bedeckung ist Mathias Mundl überzeugt von ihrer Berechtigung. „Das Teil bietet die Chance, das pandemische Geschehen einzudämmen. Und ich glaube, auch danach setzt sich der Gedanke durch, dass man die Verbreitung von grippalen Infekten und Erkältungen verhindert, wenn man die Maske zum Schutz anderer trägt.“

Lesen Sie auch die bisherigen Folgen der Serie "Die Maske und ich":

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Teil 5 unserer kleinen Serie. „Ich mag die Dinger nicht“, sagt Mathias Mundl, der Leiter der Musik- und Kunstschule, offen und ehrlich. „Ich versuche, sie immer nur kurz aufzuziehen, dort, wo es nötig ist, beim Einkaufen, oder wenn man sich im Büro zu nahe kommt.“ Von den FFP2-Masken bekommt er Kopfschmerzen und ihm wird nach kurzer Zeit schwummrig, durch dickere

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper