Winnenden

Nach Facebook-Kommentar zum Winnender Mädle: Dürfen sich bald auch Männer zur Wahl stellen?

Winnender Mädle
Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth übergibt Giuliana Di Donna ihren Sieger-Blumenstrauß. Mit reichlich Abstand. © Benjamin Büttner

Giuliana Di Donna heißt das Winnender Mädle für die nächsten drei Jahre. Möglicherweise ist sie die Letzte, die diesen Titel trägt. In den sozialen Medien ist auf Facebook eine Diskussion entbrannt, ob ein solcher Titel im Jahr 2020 noch zeitgemäß ist. 

"Degradiert" die Wahl die Frau zum "Repräsentationsobjekt"?

Daniel Baier, Vorsitzender des Ortsverbands der Grünen in Winnenden, Schwaikheim, Leutenbach und Berglen, kommentiert unter einem Beitrag der Stadt: „(...) Die Wahl zum Winnender Mädle ist Ausdruck dieser veralteten Rollenauffassung und bedient sich nicht umsonst einer Legende aus dem Mittelalter. Die Frau als schmückendes Beiwerk, deren Hauptaufgabe es ist, ein hübsches Lächeln zu repräsentativen Zwecken zu zeigen.“

Die Wahl zum Winnender Mädle degradiere nicht nur die Frau zum Repräsentationsobjekt, sie diskriminiere auch den Mann. „Warum gibt es denn keine Wahl zum Winnender Büble? Oder noch besser: eine Wahl zum Winnender Menschle?“, fragt Baier.

"Deine Bewerbung zum 'Winnender Büble' kannst du uns gerne mal zusenden"

Der offizielle Account der Stadt antwortet sogleich, dass es das Winnender Mädle Erzählungen nach tatsächlich gab und es auf einem geschichtlichen Hintergrund basiere. „Deine Bewerbung zum „Winnender Büble“ kannst du uns aber gerne mal zusenden - vielleicht überzeugst du uns ja“, heißt es in der Antwort weiter.

Baier lässt nicht locker, er verstehe nicht, weshalb man ein Frauenbild aus dem 13. Jahrhundert in das 21. Jahrhundert transportiere. Das ruft auch OB Hartmut Holzwarth auf den Plan. Geschlechterrollen seien kulturell definiert. Wir hätten uns inzwischen allerdings schon sehr weit auf Gleichberechtigung entwickelt, er teile allerdings das Ziel, weiterhin zuzulegen.

Das sagt OB Holzwarth

„Die Figur des Winnender Mädle ist eine Erinnerung an die erste erwähnte Bürgerliche - ja, es war kein Mann! Und sie überwand damals mit der Beziehung zum Minnesänger Gottfried von Neuffen die damaligen Standesschranken - dieser verehrt anstelle der unerreichbaren, verheirateten Adligen die Garnspinnerin“, schreibt Holzwarth.

Die Figur erinnere an die Überwindung damaliger gesellschaftlicher Konventionen. Ein Winnender Mädle lerne mit ihren Auftritten viel für die persönliche und berufliche Zukunft. „Dies auch Männern bei künftigen Wahlen zu ermöglichen, halte ich für einen interessanten Vorschlag“, schreibt Holzwarth weiter.

Bei der Wahl zum Winnender Mädle am Montagabend, baute OB Hartmut Holzwarth diese Diskussion in seine Begrüßungsrede ein. „Wir werden diesen Gedanken von Herrn Baier auf alle Fälle mitnehmen und uns für die nächste Wahl 2023 Gedanken machen“, erklärte Holzwarth. Ob es dann ein Winnender Büble gibt? Daniel Baier jedenfalls will sich in drei Jahren noch mal melden.

Giuliana Di Donna heißt das Winnender Mädle für die nächsten drei Jahre. Möglicherweise ist sie die Letzte, die diesen Titel trägt. In den sozialen Medien ist auf Facebook eine Diskussion entbrannt, ob ein solcher Titel im Jahr 2020 noch zeitgemäß ist. 

"Degradiert" die Wahl die Frau zum "Repräsentationsobjekt"?

Daniel Baier, Vorsitzender des Ortsverbands der Grünen in Winnenden, Schwaikheim, Leutenbach und Berglen, kommentiert unter einem Beitrag der Stadt: „(...) Die Wahl

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