Winnenden

Nach gescheiterter Ehe: Hat der Mann das Kontaktverbot bewusst missachtet?

Amtsgericht Waiblingen
Verhandlungssaal im Amtsgericht Waiblingen (Symbolfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Eigentlich hätte eine gemeinsame Weltreise ein Highlight in der jungen, erst 2019 geschlossenen Ehe eines 60-jährigen Rentners und seiner 49 Jahre alten Frau, einer Ärztin, werden sollen. Stattdessen leben die beiden schon seit über einem Jahr getrennt – und der frühere Maschinenbauingenieur musste sich jetzt am Waiblinger Amtsgericht gegen den Vorwurf verteidigen, gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen zu haben.

Die Frau wirft ihm sexuelle Nötigung vor

Der gemeinsame Lebensweg des Paares hatte bereits im Dezember 2020 abrupt geendet. Damals erstattete die Ehefrau Anzeige gegen ihren Mann wegen sexueller Nötigung, woraufhin er aus der gemeinsamen Wohnung in einer deutschen Großstadt gewiesen und gegen ihn ein Platzverweis ausgesprochen wurde. Die Ehefrau ihrerseits, so berichtete sie der Richterin, habe ihren Hund mitgenommen und sich in Winnenden, wo sie als Ärztin arbeitete, in einem Hotel einquartiert. Auf Anraten der Polizei habe sie gegen ihren Ehemann ein umfassendes Kontaktverbot erwirkt. Dieses Kontaktverbot wurde am 7. Januar 2021 erlassen und dem Ehemann am 12. Januar an die Anschrift der gemeinsamen Wohnung zugestellt.

Entsprechend dem gegen ihn ausgesprochenen Platzverweis habe er in Begleitung zweier Polizeibeamter am 29. Dezember die gemeinsame Wohnung verlassen müssen und sei zunächst bei seiner Familie in Österreich untergekommen, erklärte der Angeklagte. Im Glauben, dass er nach zwei Wochen wieder in die Wohnung könne, sei er am 13. Januar dorthin zurückgekehrt.

Der Zugang sei ihm aber nach wie vor versperrt gewesen, und da er sich wegen der damals herrschenden Corona-Bestimmungen auch nicht in einem Hotel einquartieren konnte, habe er in seinem Auto übernachtet, in dem er stark unterkühlt zum Glück noch rechtzeitig aufgefunden wurde. Nach einem zehntägigen Krankenhausaufenthalt sei er dann wieder nach Österreich zurückgekehrt. Seitdem es die Corona-Regeln wieder erlaubten, lebe er in einem Hotel in der Großstadt.

Doch wie kam es zum Vorwurf, er habe gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen? Inzwischen habe sich seine Ehefrau an seine Schwester gewandt und diese gebeten, ihr ihren Impfpass zukommen zu lassen, den sie pandemiebedingt dringend benötige, erklärte der Mann. Dieser Impfpass lag bei ihm – weil er ihn ja benötigt hatte, um die geplante Weltreise vorzubereiten.

Um mit seiner Frau zu besprechen, wie er ihr den Impfpass so schnell wie möglich zukommen lassen könne, habe er am 19. Februar versucht, diese sowohl auf ihrem Diensthandy in Winnenden als auch auf dem Festnetzanschluss in der Wohnung anzurufen. Damit verstieß er gegen das vom dortigen Amtsgericht erlassene Kontaktverbot.

Das Hotel in Winnenden weist ihn ab

Dies hätte allerdings nur dann eine strafbare Handlung dargestellt, gab der Verteidiger Rechtsanwalt Michael Klingenfuss zu bedenken, wenn sein Mandant dieses Kontaktverbot auch tatsächlich zu diesem Zeitpunkt gekannt hätte. Seine an die gemeinsame Wohnung adressierte Post wurde aber über mehrere Wochen hinweg von der Ehefrau gesammelt und dann ihrer Anwältin übergeben, die sie an ihn weiterleitete.

Er habe auch versucht, per E-Mail mit ihr Kontakt aufzunehmen und sich in demselben Winnender Hotel, in dem sie logierte, ein Zimmer zu mieten, berichtete die 49-Jährige dem Gericht. Da die Hoteliersfamilie aber über das Kontaktverbot unterrichtet war, sei er abgewiesen worden. Die Wohnung werde mittlerweile von ihr allein bewohnt, ob er „offiziell“ ausgezogen sei, könne sie nicht sagen. Sie seien sich mehrmals in Cafés der Stadt begegnet, die von ihnen beiden gern aufgesucht werden, aber wenn sie dort aufgetaucht sei, sei er sofort gegangen. Es habe keinerlei weiteren Vorfälle mehr gegeben.

Rechtsanwalt Klingenfuss betonte, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung gegen seinen Mandanten mittlerweile eingestellt wurden, wogegen ihre Anwältin allerdings, ergänzte die Ehefrau, Widerspruch eingelegt habe. Richterin Basoglu-Waselzada entschied, das Verfahren wegen eines Vergehens nach dem Gewaltschutzgesetz, weswegen der Angeklagte vor ihr stand, ebenfalls einzustellen.

Eigentlich hätte eine gemeinsame Weltreise ein Highlight in der jungen, erst 2019 geschlossenen Ehe eines 60-jährigen Rentners und seiner 49 Jahre alten Frau, einer Ärztin, werden sollen. Stattdessen leben die beiden schon seit über einem Jahr getrennt – und der frühere Maschinenbauingenieur musste sich jetzt am Waiblinger Amtsgericht gegen den Vorwurf verteidigen, gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen zu haben.

Die Frau wirft ihm sexuelle Nötigung vor

Der gemeinsame

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper