Winnenden

Nach nur einem Tag mit Führerschein: Fahrerflucht nach Tiefgaragen-Crash in Winnenden

Tiefgarage Landratsamt
In einer Tiefgarage kann man sich beim Einparken schon mal verschätzen ... © ALEXANDRA PALMIZI

Gerade mal einen Tag hat ein junger Mann den Führerschein - und schon kracht es beim Einparken. Dass so ein Ungeschick passieren kann, darin waren sich bei der Verhandlung im Waiblinger Amtsgericht alle Beteiligten einig. Der 19-jährige Angeklagte musste sich allerdings vor Richter Armin Blattner rechtfertigen, weil er nach dem Crash Fahrerflucht begangen hatte.

Es war am 17. September vergangenen Jahres, als der junge Mann nachmittags in einer Winnender Tiefgarage versuchte, den Opel Corsa seiner Mutter in eine Lücke zwischen einer Wand und einem dort bereits abgestellten Golf vorwärts einzuparken. Beim Einfahren verschätzte er sich und streifte den geparkten Golf. Darüber sei er erschrocken, berichtete er nun vor Gericht, stieß rückwärts wieder aus der Parklücke und schrammte dabei erneut an dem Golf entlang. Daraufhin sei er erst recht in Panik geraten und schnurstracks aus der Tiefgarage geflüchtet. Zurück blieb der Golf mit einem satten Schaden von knapp 3200 Euro netto - der inzwischen von der Versicherung reguliert wurde.

Zeugin widerlegt falsche Behauptung

Als das Denken bei ihm wieder einsetzte und er zu realisieren begann, dass es nun nicht mehr allein um einen Blechschaden, sondern um eine Straftat ging, parkte er den Opel und telefonierte seine Mutter um Hilfe an. Sie beruhigte den aufgelösten Sprössling und versicherte ihm: „Ich regle das!“ Woraufhin er sich bei der Winnender Polizei meldete und erklärte, seine Mutter sei am Steuer gesessen, als sich der Unfall ereignete. „Das wiederum war nicht gescheit“, meinte dazu der Richter. Ein Unfall könne jedem passieren, der am Straßenverkehr teilnimmt.

Ein Blechschaden sei lästig und unangenehm. Doch dann müsse man erwachsen dazu stehen und sich richtig verhalten, nämlich, auf den Geschädigten warten und die Polizei rufen. Keinesfalls aber dürfe man „noch eins draufsetzen“, einfach davonfahren und den anderen auf dem Schaden sitzenlassen, den man selbst verursachte und der sonst durch die Haftpflichtversicherung geregelt würde.

Dass er seine Mutter anrief, so der Richter, sei dann die zweitbeste Lösung gewesen, die Idee, zu behaupten, dass sie gefahren sei, allerdings „nicht ganz glücklich. Es wird wohl das Beste sein, wir sprechen nicht groß darüber und machen dieses Kapitel erst gar nicht auf“. Schließlich sei die Beweislage aufgrund der Ermittlungen, der Akten und der Aussagen einer Zeugin eindeutig.

Diese Zeugin hatte ihr Auto an diesem Nachmittag ebenfalls in der Tiefgarage abgestellt, um einen Einkaufsbummel zu unternehmen. Der hochtourig aufheulende Motor des Opels habe sie angelockt, berichtete sie in der Gerichtsverhandlung. Sie habe bemerkt, dass der Fahrzeugführer Probleme beim Einparken hatte, und wollte noch anbieten, ihn einzuweisen. Da habe sie auch schon das laut kreischende Geräusch wahrgenommen, als sich die beiden Fahrzeuge aneinander rieben. Der Opel-Fahrer sei dann zurückgestoßen, wobei er den abgestellten Golf erneut streifte, habe kurz gestoppt und sei dann zügig davongefahren. Sie habe noch schnell eine Aufnahme gemacht, sich das Kennzeichen notiert und die Polizei alarmiert. Den Fahrzeugführer habe sie gut erkennen können, versicherte sie, und identifizierte ihn auch als den jungen Mann auf der Anklagebank.

Seither tadellos gefahren

Sowohl Rechtsanwalt Daniel Grau als Verteidiger wie auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und Sabine Gerner von der Jugendgerichtshilfe hielten dem Sünder zugute, dass er die zunächst bestrittene Tat im Gerichtssaal doch noch gestanden hatte und Reue zeigte. Sie gestanden ihm auch zu, dass bei der Beurteilung Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen sollte, schließlich sei er erst kurz vor dem Unfall 18 Jahre alt geworden. Zu seinen Gunsten spreche auch, ergänzte der Verteidiger, dass er in vollkommen behüteten Verhältnissen aufgewachsen und bisher nicht strafrechtlich aufgefallen sei. Er sei in Panik geraten und war von der Situation überfordert.

Als er versuchte, den Schaden wieder gutzumachen, indem er seine Mutter anrief, habe die sich dann falsch verhalten. Zugutehalten müsse man seinem Mandanten auch, dass er inzwischen bedingt durch sein Studium mit dem Auto 30 000 Kilometer gefahren sei, ohne dass es zu einem weiteren Unfall oder einem Bußgeldbescheid gekommen wäre.

Das Urteil des Richters lautete: sechs Monate Fahrverbot und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit, die in den Semesterferien auf Anweisung der Jugendgerichtshilfe abgeleistet werden müssen. Einen Entzug der Fahrerlaubnis, den die Staatsanwaltschaft einforderte, erachtete Richter Armin Blattner jedoch für nicht notwendig, er hielt das Fahrverbot als Denkzettel für ausreichend.

Gerade mal einen Tag hat ein junger Mann den Führerschein - und schon kracht es beim Einparken. Dass so ein Ungeschick passieren kann, darin waren sich bei der Verhandlung im Waiblinger Amtsgericht alle Beteiligten einig. Der 19-jährige Angeklagte musste sich allerdings vor Richter Armin Blattner rechtfertigen, weil er nach dem Crash Fahrerflucht begangen hatte.

Es war am 17. September vergangenen Jahres, als der junge Mann nachmittags in einer Winnender Tiefgarage versuchte, den Opel

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