Winnenden

Nach uns die Sintflut? Nicht unbedingt

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Das Klinikum Winnenden aus der Luft. © Büttner / ZVW
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PKW_Bestand © ZVW
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Kohlendioxid © ZVW

Winnenden. Was hinterlässt die heutige Generation den künftigen Winnendern? Immer weniger Platz zum Bauen. Hoffentlich noch ein bisschen Luft zum Schnaufen. Wahrscheinlich keinen allzu schweren Sack voller Schulden. Nach uns die Sintflut kann nicht die das Motto sein, deshalb gibt es einen Nachhaltigkeitsbericht.

Jürgen Kromer, der städtische Umweltreferent, klang verhalten optimistisch, als er den Bericht im Gemeinderat vortrug. Der Bericht beantwortet die Frage: Lebt die heutige Generation auf Kosten ihrer Enkel oder lebt sie, ohne die Zukunft zu belasten?

Ganz gut sieht die heutige Generation (noch!) Bei den Schulden aus: Die Stadt hat praktisch keine Schulden. Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Schon in den nächsten Jahren werden die Schulden wachsen, und es wird darauf ankommen, den Schuldenstand in erträglichen Grenzen zu halten. Schulden sind ein klassisches Beispiel für Nachhaltigkeit: Wer eine intakte Stadt erbt ohne Schulden, der hat viele Möglichkeiten, weil seine Vorfahren nachhaltig gewirtschaftet haben.

28 Einzelpunkte hat Jürgen Kromer im städtischen Bericht aufgelistet. Winnenden steht in etlichen Punkten gut da: Es hat wenig Arbeitslose, es hat einen wachsenden Anteil an Bewohnern, die in die Sozialversicherung einzahlen, und es hat einigermaßen viele Ausbildungsplätze. Das sind alles Zukunftsfaktoren.

Mit dem Flächenverbrauch steigt auch die Ärztedichte

Manche Mess-Zahlen für die Nachhaltigkeit haben zwei Seiten: Der Flächenverbrauch, zum Beispiel: Er steigt. Im 2013 waren 28,3 Prozent der Winnender Fläche zugebaut. Aktuelle Zahlen stehen nicht in dem Bericht, aber sie fallen garantiert noch höher aus. Der Anteil der zugebauten Flächen wächst ständig. Im Nachhaltigkeitsbericht der Stadt ist dies ein Minus. Aber Umweltreferent Jürgen Kromer, sieht zwei Seiten dieser Entwicklung: Flächenverbrauch heißt immer, dass künftige Gernationen weniger Möglichkeiten haben, Nahrungsmittel anzubauen oder Hochwasserflächen auszuweisen. Aber andererseits sagt Flächenverbrauch auch immer, dass ein Ort wirtschaftlich stark ist, dass Arbeitsplätze entstehen und dass mehr Einwohner in der Stadt wohnen. In Winnenden wurde auch Fläche verbraucht fürs Klinikum des Kreises. Dies sorgt wiederum auf der anderen Seite für eine überdurchschnittlich hohe Ärztedichte in Winnenden – ein Pluspunkt im Nachhaltigkeitsbericht.

Eindeutig positiv ist die Entwicklung beim Kohlendioxid-Ausstoß: Er ging zurück in den beobachteten Jahren, sogar mehr zurück als im ganzen Landkreis. Und er war immer schon deutlich niedriger als im ganzen Land.

Minus durch mehr Autos

Nichts Gutes liest man vom Bestand an Autos pro Kopf: Der wächst und wächst und wächst. Der Pro-Kopf-Bestand wohlgemerkt. Er besagt im Grunde, dass jedes Jahr ein paar Leute mehr auf die Idee kommen, dass ein Auto für zwei Personen nicht reicht, dass Busse und Bahnen nicht passend und günstig genug sind, und dass Radfahren in Winnenden nicht attraktiv ist. Das gibt einen Minuspunkt im Nachhaltigkeitsbericht.

28 Punkte hat Jürgen Kromer zusammengestellt. Die einen sind wichtig, die anderen vielleicht nur von geringer Bedeutung. Aber Gemeinderäte überlegten, ob nicht doch noch Punkte fehlen. Christoph Mohr (Ali) meint zum Beispiel, dass unterlassene Sanierungen auch eine Last seien, die man auf andere Generationen übertrage.

Stärken und Schwächen

Stärken

  • Kohlendioxid-Emissionen gehen zurück.
  • Mehr erneuerbare Energien werden eingespeist.
  • Der Stromverbrauch pro Einwohner sinkt.
  • Die Arbeitslosigkeit geht zurück.
  • Zahl der Ausbildungsplätze bleibt konstant.
  • Mehr Einzahler in die Sozialversicherung.
  • Höhere Ärztedichte.
  • Mieten hielten sich im Rahmen.
  • Hohe Übergangsquote an weiterführende Schulen.
  • Mehr Teilnehmer in den Kursen der Volkshochschule und ähnlichen.
  • Mehr kommunale Ausgaben für Kinder und Jugendliche.
  • Mehr Zuzüge als Fortzüge.
  • Wachsende Bevölkerung.
  • Weniger Sozialhilfeempfänger.
  • Weniger Verbrauch von Heizenergie in städtischen Einrichtungen.
  • Keine städtischen Schulden.
  • Umsatz des Weltladens steigt.

Schwächen

  • Pkw-Bestand steigt.
  • Immer mehr Flächen werden zugebaut.
  • Kriminalität steigt.
  • Anteil der Frauen im Gemeinderat ging zurück.
  • Wenig Recyclingpapier in städtischen Einrichtungen.
  • Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen ging zurück.