Winnenden

Nachbarn streiten wegen Pferdemist

Pferdemist
Im Gebäude links befindet sich ein Pferdestall, der Anhänger dient als mobile Miste. Dass er nicht täglich geleert wird, stinkt einigen Bewohnern im Haus Am Schlössle 1 in Höfen. © ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden-Höfen. Baurechtsamt und Gemeinderäte im Technischen Ausschuss sehen kein Problem darin, dass eine alte landwirtschaftliche Scheune an der Eckehardtstraße formal per Bauantrag in einen hobbymäßig genutzten Pferdestall verwandelt wird. Mindestens zwei der sechs Nachbarn im erst wenige Jahre alten Wohnhaus daneben, Am Schlössle 1, protestieren dagegen.

Ein Ehepaar, es ist 2016 von Berglen-Steinach nach Höfen gezogen, hat sich schon vor einem Jahr einen Anwalt genommen und sich vor kurzem mit den Pferdehaltern vor dem Zivilgericht getroffen – ohne ein für die Bewohner zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Vor allem ärgert sie der Anhänger, der direkt an der Grundstücksgrenze steht und in dem die ebenfalls in Höfen wohnende Familie den Mist der drei Pferde und zwei Ponys zwischenlagert. Es stinkt dem Anwohner gewaltig, dass dieser Anhänger, eine mobile Miste sozusagen, nur einmal die Woche (Angabe des Pferdehalters gegenüber unserer Zeitung), beziehungsweise alle zwei Wochen (Angabe der Nachbarn) geleert werde. „Der Gestank und Tausende von Fliegen im Sommer sind nicht auszuhalten.“ Der Anwohner hatte bei der Anhörung im Gericht verlangt, dass der Anhänger täglich geleert werde, was die Familie als unpraktikabel abgelehnt hatte.

Pferdehalter waren lange Mieter der Scheune

Gemeinderat Hans Ilg (FWV) äußerte sich im TA als Einziger zum Bauantrag („Der Stall hat Bestandschutz. Wir müssen zustimmen“). Die Pferdehalter betonen, dass sie nach Ende des landwirtschaftlichen Betriebs vor über 30 Jahren Mieter der Scheune geworden seien. Inzwischen gehört sie ihnen.

Der Nachbar glaubt, dass hier kein Bestandschutz geltend gemacht werden kann und will weiter gegen die Pferdehaltung vorgehen. Mit ihrem einstimmigen Beschluss haben die Gemeinderäte in einem weiteren Punkt für den Erhalt des Stalls gesorgt. Sie haben nachträglich die verbotene Versiegelung eines Teils der bisherigen Ausgleichsfläche gestattet. Auf dem Grünstreifen stehen vier Bäume, er wurde bisher als Pferdekoppel genutzt und reicht bis zur Eckehardtstraße. Neben dem Stall ist aber Pflaster verlegt, es gibt einen Anbau, ein Schutzdach und einen Edelstahlkamin, ein Holzzaun ist noch geplant.

Das Stadtentwicklungsamt befürwortete nun sogar die Umwandlung der Ausgleichsfläche (für das Schlössle-Wohngebiet) in einen Bauplatz. Weil bereits die Erweiterung dieses Wohngebiets in Planung ist. An dessen Rand werde dann eine neue, größere, für beide Gebiete geltende Ausgleichsfläche angelegt, die auch aus ökologischer Sicht mehr Sinn ergebe, sagt Amtsleiter Markus Schlecht auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Gärten der neuen Häuser würden so gelegt, dass optisch der Grünstreifen, wie beim Kauf der Wohnungen 2016 dargestellt, erhalten bleibe. Der beschwerdeführende Anwohner fühlt sich indes „betrogen“, auch weil er damals nichts von der Pferdehaltung geahnt habe.

Geruchsgutachten ist in Arbeit

So geht es nun weiter: Ein Gutachter hat im Auftrag der Stadt den Geruch des Pferdestalls untersucht. Das Ergebnis liegt in zwei Monaten vor. „Wenn die Messung ergibt, dass die mobile Miste dort nicht bleiben darf, dann müssen wir die Baugenehmigung ändern“, sagt Markus Schlecht. Die Baurechtsbehörde muss sich da auch mit dem Landwirtschaftsamt und dem Landratsamt abstimmen. „Eventuell bekommt der Pferdehalter die Auflage, den Hänger täglich zu leeren.“ Ist die Baugenehmigung erteilt, erhalten die Anwohner eine Information, wie ihre nun abgegebenen Stellungnahmen gewertet wurden, und haben dann wiederum einen Monat Zeit, dagegen Widerspruch einzulegen. Über den entscheidet das Regierungspräsidium. Danach bleibt nur noch eine Klage beim Verwaltungsgericht.