Winnenden

Naschwerk und Harfenklang beim Bürgertreff

Buergertreff
Monika Medinger-Vees (stehend) hat den Bürgertreff in der Alten Kelter moderiert, Musik machte das Veeh-Harfen-Ensemble. © Ralph Steinemann

Winnenden. Über alle möglichen Weihnachtsbräuche haben sich rund 30 Besucher des „Bürgertreffs“ am Mittwochnachmittag ausgetauscht. Moderatorin Monika Medinger-Vees fragte nach den Gutsle, den Geschenken und dem Baumschmuck. Geschichten sorgten für Lacher, zarte Musik vom Veeh-Harfen-Ensemble für Vorweihnachtsstimmung.

Video: Die Veeh-Harfen Gruppe spielt beim Bürgertreff in Winnenden.

„Meine Mutter hat immer Gutsle an den Baum gehängt. Wir Kinder durften ihn nach Weihnachten leer essen“, berichtet eine Dame dem Kreis von ehrenamtlichen Helfern, wenigen Herren und überwiegend Damen im Seniorenalter. Andere erinnerten sich an selbst gebastelte Ketten aus Goldpapier, Strohsterne und Engelhaar, Lametta und Schneeflocken. „Was war die bevorzugte Farbe?“, fragt Monika Medinger-Vees. „Rot“, kommt es prompt. Wie’s der Zufall will, trägt Heinz Dengler, Vorsitzender des Seniorenrats, einen roten Pullover. Er findet, Gutsle müsse man eigentlich in Adventsgebäck umtaufen, da sie vor Weihnachten gegessen werden. „Von den Kilos her, die ich zunehme, ist die Zeit nach Weihnachten hart“, gesteht er. Es ziehe ihn halt immer wieder in den Keller, wo seine Frau das Weihnachtsgebäck in Dosen aufbewahrt ...

In Frankreich nimmt man an Weihnachten nicht zu

Stadträtin Marie-Christine Sammet, geborene Französin, konnte bei dem Thema völlig locker bleiben: „In Frankreich nimmt man nicht zu. Man isst nach der Mitternachtskirche um 2 Uhr an Heiligabend lauter schöne Sachen. Aber wir essen eben sehr langsam, nicht alles in einer halben Stunde.“ Das Keksebacken hat im Nachbarland keine Tradition: „Wir machen Rumkugeln und gefüllte Datteln.“ Edeltraud Ruzek schloss das Thema Nascherei mit einem plattdeutschen Weihnachtsgedicht ab, in dem von den Gutsle als „Stuten“ die Rede ist, was sich auf „Leckersnuten“ reimt. Da war das leidige Gewichtsthema längst wieder vergessen und man griff beschwingt zu den selbst gebackenen Köstlichkeiten auf den Tellern der locker angeordneten Tische.

"Teilnehmerzahl darf ruhig zunehmen"

„Wir können noch viel mehr aufstellen“, sagte Heinz Dengler den Besucherinnen und Besuchern: „Der Bürgertreff hat sich gut angelassen, aber die Teilnahme darf ruhig zunehmen“, so sein Fazit vom ersten Jahr. Ehrenamtliche sind mit zwölf, die sich abwechseln, genug da. Jüngere Leute, die nicht Teil des Programms sind, finden allerdings bislang selten den Weg hierher, gibt Monika Medinger-Vees zu – „sie sind bei der Arbeit oder in der Schule.“

Besucher lauschen den Harfenklängen

Der Stimmung am Mittwoch taten solche internen Überlegungen keinen Abbruch. Die Gäste lauschten den faszinierenden Instrumenten, den sieben unterschiedlich großen Veeh-Harfen, und sangen, wenn das Lied bekannt war, leise mit. „Man kann auf dieser Harfe eigentlich sofort spielen“, sagt die musikalische Leiterin des Ensembles, Barbara Furtmann. „Unsere Gruppe gehört nach zwei Jahren aber zu den Fortgeschrittenen, Anfänger nehmen wir nicht, aber es gibt ja Kurse.“ Die Harfe ist klein wie eine Zither, aber sie steht aufrecht auf einem Ständer, liegt nicht auf dem Tisch oder Schoß. Unter die Saiten werden Noten gelegt, die anzeigen, welcher Ton gezupft werden soll. Ein Instrument kostet zwischen 700 und 4000 Euro. „Wir haben inzwischen ein breites Repertoire und waren auch schon mal mit Blumenliedern zu Gast beim Bürgertreff“, sagt Barbara Furtmann.

Stadt bezuschusst die Reihe

Der Bürgertreff soll eine generationen- und nationenübergreifende Veranstaltung sein. Seit April hat sie jeden dritten Mittwoch im Monat im Saal der Alten Kelter stattgefunden, Schulchöre, Kindergartengruppen und Asylbewerber ins Programm beziehungsweise ins Helferteam eingebunden.

Auch 2017 wird die Reihe fortgesetzt, jeder Nachmittag steht unter einem bestimmten Thema und bietet meist einen Referenten einer Winnender Einrichtung auf. Der Programmbeirat hat bereits viele Ideen, die Termine aber noch nicht fest vereinbart, sagte Monika Medinger-Vees.

Auch nächstes Jahr wird die Stadt den Bürgertreff bezuschussen. Das hat der Gemeinderat beschlossen. 2016 waren 4000 Euro für die Saalmiete und 8000 Euro für Betriebskosten zur Verfügung gestellt worden.

Als Kümmererin wird Angelika Bochnig ein weiteres Jahr geringfügig bei der Stadt beschäftigt, sie zeichnet inhaltlich fürs Programm verantwortlich und teilt die Ehrenamtlichen ein. Am Mittwoch war sie aus persönlichen Gründen kurzfristig verhindert.