Winnenden

Neu am Bahnhof Winnenden: Kundenberatung via Bildschirm

Video-Reisezentrum
Reinhold Pohl, Hartmut Holzwarth und Thomas Bopp (von links) bei der Eröffnung des Video-Reisezentrums am Bahnhof Winnenden. © ALEXANDRA PALMIZI

Am Winnender Bahnhof beraten neuerdings fünf bis sechs Mitarbeiter die Kundschaft, die eine Reise unternehmen will oder noch nicht weiß, in welchen Zügen das Baden-Württemberg-Ticket gilt. Die Berater sind allerdings nicht gleichzeitig im Dienst, sondern im Schichtbetrieb, und ihr Schreibtisch und Stuhl stehen auch nicht mehr im Erdgeschoss des Bahnhofbaus. Doch genau deshalb hat das Reisezentrum auf einmal doppelt so lange offen wie bisher, 90 statt 45 Stunden pro Woche, und damit sogar (endlich) auch am Wochenende. Und weil es den Platz gewechselt hat, ist es barrierefrei auch für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer zugänglich. Es steht nun links neben der großen Treppe. Ein fast niedlicher, weiß-blauer Kasten mit automatischer, gläserner Schiebetür. Das Video-Reisezentrum.

Zu den Öffnungszeiten gleitet die Tür auf Knopfdruck auf und innen drin schalten sich auf Knopfdruck die Videokameras und Mikrofone an. Jetzt kann man sich mit dem in Ludwigsburg leibhaftig anwesenden Reiseberater unterhalten.

Vielleicht erweitert der Bäcker seinen Verkauf im alten Bahnhof

Der Schalter im vermutlich viermal so großen Raum im alten Bahnhofsgebäude ist nun geschlossen. Die Deutsche Bahn verhandelte derzeit mit der Bäckerei, ob sie sich dorthinüber erweitern möchte oder nicht. Und eine Servicekraft ist noch diese Woche in Winnenden im Einsatz, die bei der Suche nach dem neuen Reisezentrum den Weg weist.

Wie wohl das neue Dach über der Treppe und der Box aussehen wird?

Über der Treppe fehlt seit dem Abriss des alten Dachs nun nur noch das neue Dach, als Sonnen- oder auch Regenschutz, aber allzu lange sollte es nicht mehr dauern. Bis es so weit ist, müssen Wartende vor der Kabine sich mit eigenem Schirm oder Kapuze vor Nässe schützen. Wie die neue Lösung aussieht, weiß man noch nicht bei der Stadt. „Wir hoffen auf etwas Transparentes, das war früher eher wie eine Schatulle“, sagt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth beim Pressetermin zu Reinhold Pohl, dem regionalen Vertriebsleiter der Bahn.

Berater sprechen oder verstehen zumindest Schwäbisch

OB Holzwarth gibt zu, dass er wegen des Videoreisezentrums erst skeptisch war. Würden das die älteren Mitbürger akzeptieren? Womöglich hat die Pandemie diesbezüglich aber einige Schranken eingerissen, weil das Kontakthalten oftmals nur über diesen digitalen Bildschirmweg möglich war. „Im alten Reisezentrum war der Service gut, aber es gab immer wieder Engpässe beim Personal und am Wochenende, gerade wenn viele verreisen wollen, keine Öffnung. Diese ständige Verfügbarkeit jetzt wird ein Gewinn sein.“ Außerdem freut sich Holzwarth, dass die Berater selbst Schwäbisch sprechen oder es zumindest verstehen, so dass auch diese Barriere durch den Sitz des Berater-Pools in der Region Stuttgart umschifft worden ist.

Da sein ältester Sohn in Heidelberg studiert und Hartmut Holzwarth selbst ab und an mit Fahrrad und Zug verreist, zum Beispiel um die letzte Etappe zwischen der französischen Partnerstadt und Winnenden mit den Radclublern zu fahren, ist er überzeugt vom Können der Reiseberater. „Oft bekommt man hier Tipps, wie es günstiger geht, als wenn man es selbst im Internet bucht.“ Zudem weisen die geschulten Berater jemanden, der nicht oft mit dem Zug fährt, auf notwendige Reservierungen hin, zum Beispiel fürs Fahrrad, oder ob eine Fahrradmitnahme gar nicht möglich ist. Im Fern-, aber auch im Regionalverkehr kennen sich die Leute besonders gut aus, teilt die Bahn in einer Presseerklärung mit.

Sich hinsetzen kann man in der Kabine nicht, aber dafür ist alles für jemanden, der im Rollstuhl sitzt, eingerichtet. Knallt die Sonne auf die Beratungsbox, ist das Videobild zwar recht schwach zu sehen, aber es ist ausreichend groß, etwa wie eine Zeitungsseite. Der Ton ist sehr gut zu verstehen. Links neben dem Bahnmitarbeiter ist ein zweiter Bildschirm, auf dem man seine Arbeitsschritte und Eingaben mitlesen kann. Der Kunde muss nichts selbst eingeben, das ist angenehm. Nur bezahlen, mit Bargeld, Kredit- oder EC-Karte, am Automaten, der ebenfalls in der Kabine ist – anschließend druckt der Berater die Fahrkarte von Ludwigsburg aus in Winnenden aus. Dasselbe funktioniert auch mit der Zug- und Busverbindung und Reservierungen.  Eine Bahncard kann man sich ebenfalls hier kaufen. 

Fünf Beratungsboxen im Kreis, 19 in der Region Stuttgart

Das Winnender Video-Reisezentrum ist das 19. und letzte neu eröffnete in der Region Stuttgart. Seinen Bau beschlossen hatte der Verband Region Stuttgart im Bereich der S-Bahn im Jahr 2019. Im Rems-Murr-Kreis gibt es vier weitere Standorte (Backnang, Waiblingen, Rommelshausen, Schorndorf) und bundesweit stehen bereits 120 solcher Schalter. Der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, Thomas S. Bopp, ist begeistert von der Digitalisierung der Reisezentren. „So bekommen wir auch die Stoßzeiten über die Statistik mit und können den Schichtbetrieb besser planen, gegebenenfalls noch ausbauen“, sagt er. Wenn früher jemand vor verschlossenen Türen stand und sich selbst am Automaten abmühen musste, bekam das niemand mit. Schon jetzt aber kündigen Bahn und Regionalverband an, dass sie im Herbst die Servicezeiten noch weiter ausdehnen wollen.

Bopp hofft, dass die Winnender ihre etwaige Skepsis schnell ablegen und die Beratung im Videoreisezentrum einfach mal ausprobieren.

Am Winnender Bahnhof beraten neuerdings fünf bis sechs Mitarbeiter die Kundschaft, die eine Reise unternehmen will oder noch nicht weiß, in welchen Zügen das Baden-Württemberg-Ticket gilt. Die Berater sind allerdings nicht gleichzeitig im Dienst, sondern im Schichtbetrieb, und ihr Schreibtisch und Stuhl stehen auch nicht mehr im Erdgeschoss des Bahnhofbaus. Doch genau deshalb hat das Reisezentrum auf einmal doppelt so lange offen wie bisher, 90 statt 45 Stunden pro Woche, und damit sogar

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