Winnenden

Neue Aussegnungshalle in Hertmannsweiler eingeweiht

Aussegnungshalle
Dieter Moser blickt auf die Entstehungsgeschichte zurück. © Gaby Schneider

Die Vergrößerung der Aussegnungshalle in Hertmannsweiler hat alle Beteiligten lange beschäftigt. Nun ist der neue Bau eingeweiht worden - dank niedriger Inzidenz als Präsenzfeier, im Beisein von Menschen, die sich gemeinsam freuen an dem markanten und für den Ort so wichtigen Anbau.

Fünf Jahre nachdem erstmals der Wunsch nach einer größeren Halle laut wurde und nach einjähriger Bauzeit - Baggerbiss war am 18. Juni 2020 - hat der Friedhof Hertmannsweiler jetzt einen würdigen Rahmen für die Beerdigung von Verstorbenen zur Verfügung.

„Es hat lang ‘dauert, das wissen wir alle, aber es ist gut geworden“, begrüßt Dieter Moser, der Erste Vorsitzende des Bürgervereins, die Gäste der Feier, darunter zahlreiche Gemeinderäte, Vertreter von Vereinen und Kirchen, Sponsoren, Spender und Gönner. Bei der Einweihung verteilen sich zahlreiche Gäste mit Abstand zueinander auf dem Vorplatz, wo Stühle in Reihen stehen und der Vorsitzende Dieter Moser die Gäste freudig begrüßt. An der frischen Luft und bei einer Inzidenz unter zehn verzichten die meisten auf die Maske. Im Gebäude müssen die Masken aufs Gesicht, auch dürfen später zum Fürbitten-Gottesdienst nicht alle rein, doch Predigt und Orgelklang werden nach draußen übertragen.

Verein gründete sich 2016 eigens für diesen Zweck

Für den Verein ist es das erste Projekt. Er hatte sich 2016 gegründet mit dem Ziel, eine neue Aussegnungshalle zu schaffen. Dafür hätten alle Beteiligten einen „Rieseneinsatz“ gezeigt, so Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Optisch ansprechend stehe die Halle an einer wichtigen Stelle des gesellschaftlichen Lebens: „Am Ende des Lebens, wenn die Angehörigen zusammenkommen, um Abschied nehmen zu können.“ Moser skizziert das ordentliche Stück Arbeit, das hinter ihnen liege. Schwierig nicht zuletzt - und mit dieser Anmerkung sorgt er für Heiterkeit - dank der soliden Handwerksarbeit, auf die sie gestoßen seien. „Ich kann die Vorgänger nur beglückwünschen, für uns war es hart, alles zu zerlegen, weil alles so gut gebaut war.“

Die ursprüngliche Zweckbindung sei nun erfüllt, der Verein aber auch nach der Einweihung weiter motiviert. Moser stellt in Aussicht, dass sie es nicht bei der einmaligen Aktion belassen wollen. „Wir machen weiter.“ Holzwarth wird hellhörig: „Das ist für mich der wichtigste Satz, dass dies wohl nicht das letzte Projekt von Ihnen war“, lobt er das bisher gezeigte Durchhaltevermögen.

Das Bauvorhaben sei ihnen nicht leicht gemacht worden, erinnert Moser an die Hürden. Im vergangenen Jahr habe Corona ihre Eigenleistungen eingeschränkt. „Wir konnten höchstens mit einer Handvoll Leuten gleichzeitig arbeiten, ohne gegen die Regeln zu verstoßen“. Zugleich habe das Spendenkässle nicht viel abbekommen. Keine Märkte, keine Erlebnistage und Feste, denen der Verein einen Großteil seiner Einnahmen verdanke. Schwierig und zeitdehnend auch die Suche nach Handwerkern und einem Rohbauunternehmen - volle Auftragsbücher, angespanntes Baugewerbe, die Preise sind nach oben rausgegangen. „Wir mussten unsere Finanzierung immer wieder überarbeiten.“ Schon vor der Pandemie sei ihr Elan ausgebremst worden. So habe man die ursprüngliche Planung als „nicht zielführend“ verwerfen müssen. Die vorgesehenen seitlichen Gebäudeflügel wären auf der einen Seite in Kollision mit einigen Gräbern gekommen, auf der anderen Seite hätten sie Erdreich abtragen müssen, auch statische Bedenken hätten dagegengesprochen.

Neuer Schub sei mit Architekt Helmuth Sperber und der von ihm ins Spiel gebrachten Gebäudeverlängerung gekommen: Ein ans Bestandsgebäude angedockter markanter Betonvorbau zieht die Halle nach vorne, behält aber die ursprüngliche, kubische Form bei. Der Innenraum erhält dank neuer Seitenwände aus Glasbausteinen Tageslicht. Optisch stimmig sei auch das durchgängige Blechdach, das den Übergang zwischen altem und neuem Teil kaschiert.

Segen von Pfarrer Weiß-Trautwein, Kranefoed an der Kapellenorgel

Dieser zeigt sich dann innen, und hier auf augenschmeichelnde Weise: Historische Buntglasfenster im alten Teil zaubern nach ihrer Ausbesserung einen farbigen Lichteinfall; von der stimmungsvollen, kirchlichen Wirkung können die Einweihungsgäste im Anschluss an die Eröffnung eine Kostprobe nehmen: Zunächst bei der ökumenischen Segensfeier mit Pfarrer Hans Peter Weiß-Trautwein, später spielt der Winnender Kantor Peter Kranefoed an der Kapellenorgel - auch sie ist wie vieles eine Privatspende aus dem Ort.

Stolz macht Moser auf das von einem örtlichen Verein gespendete „wunderbare Pult“ aufmerksam, das sich harmonisch an das Holz der Eingangstüre hält. Neben der Optik habe die Technik gewonnen: So können künftig Hörgeschädigte ihre Hörgeräte über Induktionsschleifen anschließen und erhalten eine Hörunterstützung. Eine Behindertentoilette steht zur Verfügung.

Die Vergrößerung der Aussegnungshalle in Hertmannsweiler hat alle Beteiligten lange beschäftigt. Nun ist der neue Bau eingeweiht worden - dank niedriger Inzidenz als Präsenzfeier, im Beisein von Menschen, die sich gemeinsam freuen an dem markanten und für den Ort so wichtigen Anbau.

Fünf Jahre nachdem erstmals der Wunsch nach einer größeren Halle laut wurde und nach einjähriger Bauzeit - Baggerbiss war am 18. Juni 2020 - hat der Friedhof Hertmannsweiler jetzt einen würdigen Rahmen für

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