Winnenden

Neue Bäume für die Fußgängerzone

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Die Schäden an den Zierkirschbäumen auf der Marktstraße sind unübersehbar. Hier, vor der BW-Bank, wachsen Pilze aus dem Stamm. © ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden.
In der Fußgängerzone haben Bäume ihren festen Platz. Sie sorgen für bessere Luft, im Sommer für etwas Schatten und grüne Farbtupfer, im Winter tragen sie die Weihnachtsbeleuchtung. Doch wenn die dekorativen Lichterketten nächste Woche entfernt worden sind, werden voraussichtlich Ende des Monats die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei anrücken, die gusseisernen Baumschutzgitter abschrauben und 13 Zierkirschenbäume aus der unteren Marktstraße, aus dem Marktplatz und aus der Mühltorstraße ausgraben. Sie sind am Absterben, bei manchen sieht man es ganz deutlich, Pilze wuchern aus dem Stamm, etwa bei dem Exemplar auf Höhe der BW-Bank. Andere haben schon im vergangenen Sommer dem geschulten Gärtnerauge mit gelbem oder hellgrünem Laub signalisiert, dass nicht mehr viel Kraft vorhanden ist.

„Wir haben 2018 und 2019 schon einzelne Steppenkirschen durch Amberbäume ersetzt, es ist jetzt angebracht, den Rest auf einmal wegzunehmen“, erklärt Armin Schröder, Leiter der Stadtgärtnerei, die radikal anmutende Maßnahme im Herzen der Stadt. Die knapp vier Quadratmeter großen Baumquartiere werden demnach nicht leer bleiben. Doch nicht nur Armin Schröder fragt sich immer öfter: Stadtraum und gesundes Baumwachstum – geht das überhaupt noch zusammen?

Der Untergrund

In den Jahren 2015 und 2016 haben Stadtwerke und Stadt diverse Leitungen im Boden und den Belag der Fußgängerzone umfassend saniert. Aber auch schon vorher war klar, dass den Bäumen kein größeres Quartier geschaffen werden kann. „Es ist nicht einmal möglich, die Hülse für den Weihnachtsbaum und den Maibaum auf dem Marktplatz zu versetzen“, spricht Armin Schröder von den Leitungsplänen, die „einem Farbenmeer“ gleichen.

Der Boden

Bisher sind die Fußgängerzonenbäume in normaler Erde gewachsen. Diese werden die Stadtgärtner mitentfernen und daher auf das Wetter achten bei ihrer Aktion, sonst wird es zu dreckig auf der Einkaufsmeile. „Wir hatten bei manchen Bäumen ein Problem mit Staunässe. Das kam zwar viele Jahre nicht vor, hat aber bei ein paar zum Absterben geführt“, erläutert Schröder.

Neu eingefüllt wird ein spezielles Baumpflanzsubstrat. „Es enthält Schotter, der wie eine Drainage wirkt, damit Wasser abfließen kann. Und dieser Boden verdichtet sich auch nicht mit der Zeit.“ Mit dem Material, in das auch die Linde bei der Stadtkirche gepflanzt wurde, haben die Stadtgärtner gute Erfahrungen gemacht. Zudem sind Wurzeln und Boden schon jetzt durch Metallplatten mit Schlitzen fürs Regenwasser geschützt, die zusammen mit dem Betonsteinbelag eine Ebene ergeben.

Die Fahrzeuge

Da die Geschäfte in der Fußgängerzone beliefert und die Anwohner von Paketdiensten versorgt werden müssen, da die Marktstraße namensgemäß zweimal die Woche Schauplatz eines großen Wochenmarkts und übers Jahr verteilt großer Feste ist, müssen Transporter durch. Leider richten viele Fahrer Schäden an den Bäumen an. Am Marktplatz auf Höhe des Schäftlmeier-Tabak- und Zeitschriftenladens ist so ein großer Ast brachial abgerissen worden, und auch etliche Bäume an der unteren Marktstraße tragen Spuren. „In diese Schrammschäden, die aufgeplatzte Rinde, dringen Pilze ein, das Holz dahinter stirbt ab“, so Schröder und konstatiert mit dem Blick auf einen Ast in dreieinhalb Metern Höhe: „Echt krass, wie schafft man das?“

Die gusseisernen Gitter, die die Stämme schützen, werden aus diesem Grund auch wieder um die Neupflanzungen gelegt. Sonst hätten die jungen Bäume gar keine Chance.

Der Klimawandel

Erst Glatteis, dann ungewöhnlich milde Januartemperaturen gemahnen uns weiter, dass die Erde sich erwärmt. Die steigenden Temperaturen stellen vor allem an Stadtbäume erhöhte Anforderungen. Steinboden und steinerne Hausfassaden heizen sich stärker auf und geben noch lange nach Sonnenuntergang Wärme ab – die Pflanzen müssen damit und mit wenig Wasser klarkommen. „Das war mit den Zierkirschen kein Problem“, sagt Schröder. „Wir haben mit ihnen vor 20 Jahren die Catalpas (Trompetenbäume) ersetzt, weil wir diesbezüglich mit der Steppenkirsche an anderer Stelle gute Erfahrungen gemacht hatten.“ Die Trompetenbäume indes waren durstiger, ihre großen Blätter waren außerdem immer verlaust und im Herbst arbeitsintensiv.

Den Stadtgärtnern bleibt nun nichts anderes übrig, als wieder auf ein neues Pferd zu setzen: den Liquid-Amber. Die amerikanische Baumart bietet im Herbst ein schönes Farbenspiel, das mal ins Tiefrote, mal ins Gelbe changiert oder auch grün bleibt. Bestellt ist die Kugelform, so dass sich die Krone natürlicherweise rund formt. „Diese Art verträgt jeden Schnitt und regeneriert sich schnell. Ihr gefällt’s in der Fußgängerzone“, hat Armin Schröder seit 2018 beobachtet. Er sieht mit Bedenken nur die schon weit entwickelten Knospen. „Hoffentlich wird es bald wieder kälter. Sonst erfrieren die Blüten bei einem sicher noch kommenden Frost.“ Noch jemand mag den Amberbaum im Herzen der Stadt, vor „Ernsting’s Family“: Ein Vogel hat darin im vergangenen Jahr ein Nest gebaut.