Winnenden

Neues Quartier auf dem Wöhrle-Areal

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Stefan Schwarz (Stadtwerke Winnenden), Klaus-Martin Pfleiderer und Alessandro Stenti (Projektbau Pfleiderer), Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und Michael Rieger (Baugenossenschaft Winnenden), von links. Das Modell zeigt die Neubebauung des Wöhrle-Areals am östlichen Stadtrand. Vorne ist ein Teil der Aldi-Filiale angedeutet, dahinter sind die geplanten acht Mehrfamilienhäuser mit 92 Eigentumswohnungen zu sehen. © Schneider, Grafik: ZVW

Winnenden. Acht Mehrfamilienhäuser mit 92 Eigentumswohnungen werden am Ostrand der Kernstadt ab Mai 2018 gebaut. Klaus-Martin Pfleiderer, Chef der gleichnamigen Projektbaufirma, hat die Pläne und Besonderheiten des neuen Quartiers anhand eines Modells im Maßstab 1 zu 125 vorgestellt.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth freut sich über das große Modell aus der Werkstatt von Michael Schluchter. „Ich bin ein verhinderter Modellbahner, ich kann mich nicht daran sattsehen.“ Die Firma lässt es aber zum Spielen machen: „Wir können damit Details darstellen und noch in der Entwurfsplanung, wenn nicht alles hundertprozentig fixiert ist, erkennen, wo es hakt.“ So haben die Planer darauf geachtet, dass die Wohnungen maximale Lichtausbeute und die Bewohner, nicht zuletzt die Anwohner im Gebiet Kesselrain, Ausblicke in beide Richtungen haben.

Neuer Aldi-Markt 

Holzwarth hat aber noch einen anderen Grund zur Freude: Dass auf dem Wöhrle-Areal, der Erweiterungsfläche daneben (Wiese ohne Bäume) und der Pferdekoppel dahinter nun zwischen 2019 und 2021 acht Häuser entstehen, sei einer Vision des früheren Stadtentwicklers Daniel Güthler zu verdanken. Jener habe zusammen mit Holzwarth der Firma Seifen-Wöhrle vorgeschlagen, lieber im Gewerbegebiet Schmiede Hertmannsweiler neu zu bauen, damit der Ortsrand hier mit Wohnhäusern abgerundet werden kann. Seit vier Jahren plant Projektbau Pfleiderer, „und es ist allen Familienstämmen, den Wöhrles, den Wöhrle-Reiters und Hammers zu verdanken, dass sie die Planungen begleitet und unterstützt haben, auch als Anlieger“, so Holzwarth. Der Aldi-Markt sichert überdies die Nahversorgung, nicht nur am Ostrand der Kernstadt, sondern auch für Bewohner aus Höfen, Baach und Birkmannsweiler.

Tiefgaragen, Aufzüge, Glasfaserleitungen

Die Projektbau investiert 30 Millionen Euro und erwartet, bis der Verkauf startet, Reservierungen. Die Häuser bieten alle Wohnungsgrößen, von 41 Quadratmetern bis hin zu Fünfzimmerwohnungen, die einem Reihen- oder Doppelhaus entsprechen und meist den Gartenanteil dabei haben. Exklusives Highlight ist das Penthouse mit 190 Quadratmetern, dies freilich mit Dachgarten. Alle Häuser haben Aufzüge und Tiefgaragen. Auch oberirdische Parkplätze soll’s geben, und einen Quartiersplatz für die Kommunikation unter den Bewohnern. Apropos Kommunikation: Glasfaserleitungen werden gleich mitverlegt. Drei Häuser direkt hinter Aldi sollen 2019 fertig werden, die restlichen fünf im Jahr 2021.

Ein englischer Name

Projektbau Pfleiderer gab dem Quartier einen englischen Namen: „nature8“. Die acht steht für acht Häuser, der Begriff Natur und der Zusatz „das grüne Tor von Winnenden“ für die Lage. Ins Grüne blicken die künftigen Bewohner: Rechts beginnt das Landschaftsschutzgebiet mit Streuobstwiesen, geradeaus eröffnet sich die Buchenbach-Aue mit Äckern und Wiesen „Im Gebiet werden mehr Bäume gepflanzt als dort heute stehen“, verspricht Klaus-Martin Pfleiderer.


Aldi eröffnet im Herbst 2018

Sobald die Firma Wöhrle umgezogen ist und ihre alten Gebäude abgerissen sind, wird die Unternehmensgruppe Aldi Süd mit dem Bau beginnen und will schon im Herbst 2018 eröffnen.

Parkplätze rahmen die Filiale in neuem, ästhetischerem Design ein, das die Firma mittels Architekturwettbewerb ermittelt hat. Große Glasfronten und ein modern-markantes Flachdach, das im Eingangsbereich Schutz vor Regen bietet, lösen das altbekannte Erscheinungsbild ab. Fast einen Hektar beansprucht die Filiale. Das Besondere aus Rücksicht auf die direkt angrenzende Wohnbebauung ist auch, dass die Warenanlieferung in einer überdachten Zufahrt stattfindet, somit „eingehaust“ und lärmvermindert ist.

Behindertengerechte Kunden-WCs und eine Sitzgelegenheit hinter dem Kassenbereich seien Teil der Ausstattung der „lichtdurchfluteten Filiale der Zukunft“, heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns. Waren werden auf 1000 Quadratmetern präsentiert und verkauft.

Beim Nahwärmekonzept der drei Partner ist Aldi allerdings nicht mit im Boot: Der Konzern setzt auf eine autarke Energieversorgung. Wie das Modell zeigt, befinden sich auf dem Flachdach des Discounters lauter Fotovoltaik-Zellen. Mit dem durch sie erzeugten Strom kann sich die Filiale komplett selbst versorgen und überschüssige Energie ins Netz einspeisen.


Stadtwerke liefern Wärme und Strom

Für die Energieversorgung des neuen Quartiers mit insgesamt rund 140 Wohnungen – werden die Stadtwerke Winnenden zuständig sein. Rechts neben der neuen Aldi-Filiale entsteht ein kleines rechteckiges Gebäude, die Heizzentrale. Schallgedämmt und abgerückt von den Häusern, den Grundstücksteil kaufen die Stadtwerke Aldi ab.

„Hier erzeugen wir in einer hocheffizienten Anlage aus Erdgas Wärme und Strom“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Schwarz über das Blockheizkraftwerk mit 110 kW thermischer und 50 kW elektrischer Leistung. Bei so manchem Kraftwerk würden nur 30 Prozent der Energie genutzt, hier seien es 90 Prozent.

Außerdem geht zwischen der Produktionsstätte und dem Verbraucher aufgrund der Nähe kaum etwas unterwegs verloren.

Für die künftigen Wohnungseigentümer und die Baugenossenschaft Winnenden (BGW) hat der Nahwärme-Anschluss weitere Vorteile: In den Häusern müssen weder Brenner oder Heizkessel untergebracht, noch Vorratsräume für Öl oder Pellets geschaffen werden. Auch Schornsteine für die Abluft entfallen. Dafür beteiligen sich Projektbau Pfleiderer mit 200 000 Euro und auch die BGW an den Investitionskosten, so dass die Stadtwerke wiederum ihren End-Kunden nicht mehr als „marktkonforme Preise“ (BGW-Geschäftsführer Michael Rieger) für Heizung, Warmwasser und Strom abverlangen können. Die Stadtwerke haben selbst 400 000 Euro zu schultern. „Wir werden die gleichen Preise von den Kunden wie im neuen Gerberviertel verlangen“, verspricht Stefan Schwarz, und erinnert an die erste Partnerschaft mit Projektbau Pfleiderer mit einer dezentralen Energieversorgung in einem Winnender Wohnquartier.

Projektbau Pfleiderer sei ein umweltfreundliches und wirtschaftliches Energiekonzept so wichtig gewesen, dass die Firma einen unabhängigen Berater für dessen Ermittlung engagiert hat, Dierk Schreyer vom Büro Zeeh, Schreyer und Partner aus Ludwigsburg. Man kennt sich von der „Heiße Klinge“-Planung in Schwaikheim.

Neubauten machen 100 Altbauten frei

Jedes Jahr gewinnt Winnenden etwa 150 Einwohner hinzu. „In den vergangenen acht Jahren ist die Zahl der Arbeitsplätze um 25 Prozent auf heute 12 500 gestiegen“, sagt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth beim Pressetermin.

Auch wenn Projektbau Pfleiderer Eigentums- und „keine für jeden erschwinglichen Mietwohnungen“ baut: „Dadurch werden andere Wohnungen und Häuser frei, zum Beispiel wenn jüngere Senioren aus ihrem Einfamilienhaus in den barrierefreien Neubau ziehen.“ Alessandro Stenti, Verkäufer bei Projektbau Pfleiderer bestätigt das mit einer Zahl: „92 neue Wohnungen aktivieren 200 Wohnbewegungen.“

Auch zum Bau des neuen Kinderhauses Seewasen hat der Bauherr sein Scherflein beigetragen: 305 000 Euro fließen als „Infrastruktur-Lastenausgleich“ in die Stadtkasse. Das wird verhandelt und vertraglich besiegelt, weil die Kommune nicht wie bei anderen Baugebieten Einnahmen durch Umlegung und Erschließung hat, aber Einrichtungen zur Verfügung stellen soll. „Künftig werden wir uns auch Wohnungsbelegungsrechte zusichern lassen, statt Geld zu nehmen“, kündigt OB Holzwarth an.