Winnenden

Neues Vergabeverfahren für Kindergartenplätze

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Thomas Pfeifer, Leiter des Familienamts, verlangt künftig von Eltern eine Rückmeldung, wenn sie einen Kindergartenplatz zugesagt bekommen. © Palmizi/ZVW

Winnenden. Es soll Mütter geben, die melden ihr Kind nach dem positiven Schwangerschaftstest im Kindergarten an, um zum Wunschtermin einen Platz zu bekommen. Doch die Stadt vergibt diesen nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sondern nach anderen Kriterien, wie der zuständige Amtsleiter Thomas Pfeifer im Verwaltungsausschuss erläuterte.

„Das Thema bewegt uns im Rathaus auch, denn je knapper die Kindergartenplätze, desto nervöser die Eltern“, weiß der Leiter des Amts für Familien, Jugend, Senioren und Soziales. Frauen, die bald nach der Geburt wieder arbeiten wollen, sind besonders scharf auf eine Platzzusage in der Kleinkindbetreuung, am liebsten ganztags. Doch so viele, wie derzeit gefragt sind, kann die Stadt gar nicht anbieten. „Meist lässt sich der Bedarf mit einem Halbtagskindergartenplatz plus Tagespflege, vermittelt durch den Tageselternverein, lösen. Vor allem, wenn die Betreuung auch Richtung Abend und Wochenende sein soll“, erläutert Thomas Pfeifer. Den Klageweg hat in Winnenden noch niemand beschritten.

Platz freihalten ist teuer

Den gewählten Gemeinderäten tritt das Dilemma, in dem die Stadt steckt, deutlich vor Augen. Wunsch-Anfangstermine und Betreuungsumfänge erfüllen käme die Allgemeinheit viel zu teuer. Thomas Pfeifer wählte folgendes Beispiel: Ein Kind wird im April 2018 zwei Jahre alt und soll von da an 40 Stunden in der Woche betreut werden. Die Eltern erhalten ein Jahr vorher eine feste Zusage. „Das würde bedeuten, der Platz müsste ungenutzt vom Beginn des Kindergartenjahrs im September 2017 bis März 2018 freigehalten werden. Uns entgingen Elterngebühren in Höhe von 2751 Euro und Fördermittel in Höhe von 12 442 Euro.“

Außer diesem Einnahmenverlust – Personal und Gebäude müssen trotzdem vorhanden sein – wäre es denjenigen Eltern auch nicht vermittelbar, die gerade nach Winnenden gezogen sind oder aus anderen Gründen kurzfristig auf einen Betreuungsplatz angewiesen sind. Sorry, wir sind voll, dabei sieht man beim Spaziergang nur eine Handvoll Kinder draußen spielen – das wäre wirklich Unsinn.

Mehr Spielraum bei der Vergabe bedeutet weniger Ärger mit Eltern

Das Rathaus nimmt Anmeldungen an und gleicht sie mit denen bei anderen Trägern ab. Außerdem berät das Amt zu den verschiedenen Betreuungsmodellen und Alternativen. „Eltern erhalten nach wie vor eine Bestätigung, die Anmeldung ist angekommen. Und wir versuchen, den Eltern vier bis sechs Monate vor gewünschter Inanspruchnahme die schriftliche Zusage zu schicken. Damit liegen wir besser als in vielen anderen Städten, bei denen ich mich erkundigt habe“, so Thomas Pfeifer. Er hat sich aber noch etwas Neues überlegt, eine Pflicht für Eltern, womit ihnen aber letztlich gedient ist, weil der Kindergartenträger flexibler wird. Er verlangt von den Eltern, sich binnen vier Wochen nach dieser Zusage zurückzumelden und zu bestätigen, dass sie den Platz annehmen. Versäumen sie dies, wird der Platz anderweitig vergeben. Bei diesen „Nachrückern“ kann sich die Bestätigungsfrist verkürzen.

Kurzfristige Absagen sind Alltag

Die Stadt verspricht sich damit letztlich mehr Spielraum bei der Vergabe. „Je mehr freie Plätze, desto besser können wir auf Bedürfnisse eingehen, desto weniger Ärger haben wir“, so Thomas Pfeifer. „Es ist leider Alltag für uns geworden, dass wir gerade im Kleinkindbereich sehr kurzfristige Absagen bekommen. Aber meine Mitarbeiterinnen können unmöglich mit den Eltern darüber diskutieren, ob ihre Absagegründe gerechtfertigt sind oder nicht.“ Die Gemeinderäte im Verwaltungsausschuss zeigten sich mit dem Vorgehen einverstanden.

Die Grundsätze der Platzvergabe

Die Stadt hält sich bei der Platzvergabe für Kleinkinder unter drei Jahren und für Ganztagsbetreuung (auch über drei Jahren) an folgende Grundsätze: An erster Stelle kommt ein alleinerziehendes Elternteil, das berufstätig oder in Ausbildung ist. Danach rangieren zwei in Vollzeit berufstätige Eltern. Platz 3: Einer arbeitet voll, der andere Teilzeit. Vorteile bringt es danach noch, wenn ein Geschwisterkind bereits die Einrichtung besucht, dann zählt das Alter des Kindes und schließlich die Nähe des Wohnorts zur Einrichtung.

„An all diesen Kriterien ziehen Fälle vorbei, bei denen Bildung, Erziehung und Betreuung in einer Tageseinrichtung zur Sicherung des Kindeswohls notwendig sind“, so Amtsleiter Pfeifer.