Winnenden

Neunjährige Winnenderin interviewt Andreas Hinkel

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Leonie beim Interview mit Andreas Hinkel in einem Winnender Café. © Privat

Winnenden. Ich bin ein Mädchen und spiele Fußball. Also habe ich mich mit dem ehemaligen Fußballprofi Andreas Hinkel getroffen und mich mit ihm so von Fußballerin zu Fußballer unterhalten. Hier ist das Gespräch:

Herr Hinkel, wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

Das war, glaube ich, so mit vier oder fünf.

Haben Sie schon immer gewusst, dass Sie mal Profi-Fußballer werden wollen?

Nein, das natürlich nicht, aber Fußball hat mir einfach so viel Spaß gemacht. Erst als ich 15 oder 16 war, hat man dann tatsächlich realisiert, dass ich Profi werden könnte.

Hatten Sie auch einen Plan B, falls das mit dem Fußball nicht klappen würde?

Ja, ich habe eine Ausbildung noch nebenher gemacht und diese habe ich auch abgeschlossen. Das ist heute gar nicht mehr so üblich für die Spieler.

Wer war Ihr Fußball-Vorbild, als Sie noch ein kleiner Junge waren?

Mit der Zeit gab es mehrere Vorbilder. Ganz früher, als ich klein war, da waren das die Spieler von der WM 1990, zum Beispiel Pierre Littbarski. Beim VfB war es Ludwig Kögl. Später, als ich älter war, da habe ich dann nach Spielern gesucht, die auf meiner Position gespielt haben. Da war es dann Lilian Thuram, der hat für Frankreich gespielt. Das war so ungefähr 1998.

An welches Tor erinnern Sie sich besonders gerne?

Tore habe ich ja nicht besonders viele geschossen in meiner Karriere. Aber dadurch kann ich mich an jedes ziemlich gut erinnern. Natürlich ist das erste Bundesligator etwas Besonderes, das war zu Hause in Stuttgart gegen Dortmund. Ein ganz wichtiges Tor war auch mein allererstes Tor, das war in der Champions League und sicherte dem VfB das Weiterkommen in die nächste Runde.

Was war das spannendste Erlebnis in Ihrer Karriere?

Es gab sicherlich ein paar Highlights. Eins davon war hier beim VfB, bei einem Champions-League-Spiel gegen Manchester United. Das war das erste Champions-League-Spiel für den VfB Stuttgart. Wir waren der Außenseiter und haben das Spiel aber 2:1 gewonnen. Das war was ganz Besonderes.

Gab es ein besonders trauriges Erlebnis in Ihrer Karriere?

Bei einem Rückspiel in Sevilla in Spanien ist während des Spiels ein Mitspieler von mir zusammengebrochen. Er hatte mit dem Herzen Probleme und ist dann im Krankenhaus verstorben. Das war ein ganz schlimmes Erlebnis.

Wie geht es jetzt in Ihrer Trainer-Karriere weiter? Haben Sie schon irgendwelche Pläne?

Momentan mach' ich den Fußballlehrer. Das ist die höchste Lizenz, die man als Trainer erwerben kann, und wenn ich es schaffe, die zu erwerben, dann darf ich alles trainieren, was man trainieren kann. Dann darf ich in der Bundesliga, in der zweiten Liga oder in der dritten Liga trainieren. Ich habe mir aber noch nicht Gedanken gemacht, wen oder was ich trainieren will, ob ich dann Bundesligatrainer werde oder einfach mit Kindern arbeiten möchte. Ich habe auch in der Jugendabteilung beim VfB in unterschiedlichen Altersklassen gearbeitet - also mit Jungs, Jugendlichen und Erwachsenen. Das hat Spaß gemacht, alles kennenzulernen.

Gibt es noch Freundschaften zwischen Ihnen und alten Kollegen, treffen Sie sich vielleicht auch noch mit manchen?

Ja, Freundschaft ist ein großes Wort. Mit manchen bin ich noch in Kontakt, aber es fehlt einfach auch die Zeit dazu. Unter einer Freundschaft stellt man sich vor, dass man viel Zeit miteinander verbringt. Freundschaft ist vielleicht aber auch etwas, wo man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann. Ich habe aber immer noch Kontakt zu dem ein oder anderen Spieler von früher. Aber ich habe ja auch vier Kinder, von daher verbringe ich sehr viel Zeit mit meiner Familie.

Ihre Kinder spielen auch Fußball. Wenn Sie dann mal am Feldrand stehen und zugucken, wie reagieren die anderen Eltern dann?

Ganz normal eigentlich. Wir kennen uns mittlerweile und ich würde auch nie zum Trainer hingehen und sagen, wie er was machen soll.

Haben Sie einen Tipp an alle kleinen Kinder da draußen, die auch Profi-Fußballer werden wollen?

Die Grundvoraussetzung sollte für jeden sein, dass man Spaß hat. Man sollte auch eine gewisse Motivation haben. Wichtig ist, dass man Freude am Fußball hat.

Fühlen Sie sich hier im Umkreis Winnenden oder allgemein im Schwabenland wohl? Können Sie hier ein Familienmensch sein oder werden Sie oft auf der Straße angesprochen und nach Autogrammen und Fotos gefragt?

Das geht eigentlich. Ich denke, dass ich schon erkannt werde - immer wieder auch. Und ab und zu kommt dann auch einer auf mich zu und sagt, wie präsent ich im Schwabenland bin. Es ist eigentlich ziemlich unmöglich, nicht erkannt zu werden. Aber viele Kinder und Jugendliche kennen mich gar nicht mehr, weil ich früher Fußball gespielt habe. Die Erwachsenen, die kennen mich teilweise noch. Aber dadurch, dass ich fast tagtäglich hier in Winnenden unterwegs bin, glaube ich, ist es nicht mehr außergewöhnlich, mich zu treffen. Das ist aber auch ganz gut so. Ich war zwar ein guter Fußballer, aber ich bin ja auch ein ganz normaler Mensch.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hinkel.


Fußballmädchen

Ferienreporterin Leonie Kokott über sich und den Fußball: „Zuerst spielte ich eine Zeit lang als einziges Mädchen in einer Jungsmannschaft. Wenn man aber mit Talent nicht gerade gesegnet wurde, gestaltet sich das schwierig mit den deutlich stärkeren Jungs, so dass mich der Weg nach Weiler zum Stein führte, wo ich in einer reinen Mädchenmannschaft spielte.“

„Leider zerbrach unser Team vor den Sommerferien, da wir zu viele Abgänge, aber keine Neuzugänge hatten. Glücklicherweise haben uns die Fußballmädels von der SV Winnenden aufgenommen, so dass wir restlichen Weiler-Mädchen weiterhin zweimal die Woche unserem heiß geliebten Sport nachgehen können.“

Leonie Kokott nimmt am Ferienreporter-Programm der Winnender Zeitung teil. Die Ferienreporter sind Teil des Sommerferienprogramms von Winnenden, Leutenbach, Berglen und Schwaikheim. Einmal in der Woche kommen die Kinder in die Redaktion, wo sie Einblicke in den Alltag und die Arbeit von Zeitungsreportern erhalten. Sie schreiben auch selbst Artikel über ihre Hobbys oder Haustiere – das, was ihnen begegnet und was sie bewegt.