Winnenden

Notunterkunft für Flüchtlinge in Winnenden: Bauzäune und Stockbetten

Buchenbachhalle
Blick hinter die Kulissen der fast fertig eingerichteten Flüchtlingsunterkunft in der Buchenbachhalle (von links: Klaus Schromm, Leiter Sachgebiet Gebäudemanagement, städtische Bauingenieurin Katrin Souczek, Bauamtsleiter Roland Bornemann, Mitarbeiterin Stephanie Deriu). © Gabriel Habermann

Zwei Stockbetten in einer zwölf Quadratmeter großen Kabine, verhängt mit grauen Filzdecken, die den Schall schlucken sollen, ein Kühlschrank, ein Tisch, drei Steckdosen, vier Spinde – so wird ein fertig eingerichtetes Vierbettzimmer in der Notunterkunft Buchenbachhalle aussehen. Seit Anfang des Monats baut die Stadt Winnenden die Sporthalle in Birkmannsweiler um, damit Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, ein Dach über dem Kopf haben. Übernächste Woche dürfte das Lager für 40 Personen bezugsfertig sein.

Die Buchenbachhalle ist eine Notunterkunft im doppelten Sinne

Eine Notunterkunft ist die Buchenbachhalle im doppelten Sinne: Es kommen hier Menschen unter, die in Not sind. Und die Halle ist natürlich selbst eine Notlösung, weil es die Stadt anders nicht geschafft hätte, die große Zahl der ihr zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen – die Kapazitäten sind erschöpft.

Als einer von sechs Oberbürgermeistern im Kreis gehört der Winnender Rathauschef Hartmut Holzwarth zu den Unterzeichnern eines Brandbriefs, in dem knallharte Kritik an der Flüchtlingspolitik geübt wird. Sie fordern, dass der Bund sich für eine gerechte Verteilung der Flüchtlingsströme innerhalb Europas einsetzt.

Stockbetten mussten bestellt werden, Matratzen, Kühlschränke, ...

Die Stadt Winnenden baut die Buchenbachhalle bereits zum zweiten Mal nach 2015 zur Flüchtlingsunterkunft um. Anfang September war die Verwaltung von einer deutlich gestiegenen Zahl an zugewiesenen Flüchtlingen überrascht worden. Seither war Klaus Schromm, der in Winnenden für das Gebäudemanagement zuständig ist, damit beschäftigt, die Einrichtungsgegenstände zu besorgen. Das ist weitestgehend gelungen: Betten, Kühlschränke, Matratzen sind angekommen, eine zusätzliche Küchenzeile für die bestehende Küche. In einem Nebenraum wurden Waschmaschinen aufgestellt. Für die Vierer-Kabinen, in denen im Idealfall Familien unterkommen, fehlen nur noch Tische und Spinde, mit denen Klaus Schromm in den kommenden Tagen rechnet. Es ist zudem geplant, dass die Halle per WLAN mit Internet versorgt wird.

In den vergangenen Wochen hat die Stadt einen schützenden Boden und neue Leitungen verlegt und mit Bauzäunen die zehn Kabinen errichtet, jeweils fünf links und rechts eines Gangs in der Mitte. Von den grauen Filzteppichen erhoffen sich die Winnender, dass sie als Sichtschutz für ein Minimum an Privatsphäre sorgen und darüber hinaus den Schall besser schlucken als harte Oberflächen.

Das Bauamt hat sich das in Rommelshausen abgeschaut, wo bereits im September 50 Ukraine-Flüchtlinge in die Sporthalle der Haldenschule gezogen sind.

Die Vorgabe: Möglichst viele Menschen unterbringen und dabei ans Baurecht halten

Beim Vor-Ort-Termin in der Buchenbachhalle erklärt Katrin Souczek, wie die Aufteilung der Halle zustande kam: „Wir haben die Anforderungen des Baurechts, zum Beispiel, dass die Fluchtwegbreiten eingehalten sind, und zum anderen haben wir die Vorgabe: Möglichst viele Leute. Und das ist das Ergebnis.“ Bauamtsleiter Roland Bornemann ergänzt: „Das ist eben eine provisorische Sammelunterkunft. Die hat den einfachsten Standard.“

Eigentlich sei die Unterkunft in den ersten Monaten auch gar nicht nach dem Baurecht genehmigungspflichtig, sondern erst nach einem halben Jahr. „Frau Souczek hat aber darauf geachtet, dass sie genehmigungsfähig wäre. Wenn dann die Nutzung länger andauert, was ja kein Mensch weiß, wird entsprechend ein Baugenehmigungsverfahren gemacht“.

Die Männer müssen zu den Duschen durch die Kälte

Wenn in ein paar Wochen Menschen in der Buchenbachhalle leben, wird die Stadt mit ihrem Flüchtlingssozialarbeiter Joachim Wagner vor Ort sein. Es ist laut Sozialamtsleiterin Manuela Voith auch geplant, Sprechstunden in russischer Sprache in Birkmannsweiler anzubieten. Vorausgesetzt es kommen überhaupt ukrainische Familien – das hat sich die Stadt ausdrücklich gewünscht.

Denn wer genau in wenigen Wochen einzieht, steht noch nicht fest. Die Stadt plant aktuell mit 40 Menschen aus der Ukraine circa zur Hälfte weiblich, zur Hälfte männlich. Die Frauen und Mädchen werden die Duschen und Toiletten in der Buchenbachhalle nutzen können. In den Duschräumen, in denen sich normalerweise Sportler nach dem Training frisch machen, sind extra Duschvorhänge angebracht worden.

Die Männer müssen hingegen einen Container vor der Halle nutzen – und dafür im Winter ein paar Meter durch die Kälte. Hier gibt es Toiletten und Duschen.

Zwei weitere Container mit Umkleideraum und Sanitäranlagen hat die Stadt für die Fußballer vom VfR Birkmannsweiler aufgestellt, die auf dem Fußballplatz neben der Buchenbachhalle weiterhin trainieren und spielen werden. Der Sportverein muss wegen der Neubelegung der Halle sein Angebot teilweise einschränken und weicht auf die einige Hundert Meter entfernte Birkmannsweiler Halle aus.

Die Kosten für die Flüchtlingsunterkunft betragen rund 130.000 Euro

Die Kosten für die Notunterkunft betragen laut Stadtverwaltung rund 130.000 Euro für sechs Monate. Darin enthalten seien einmalige Kosten von rund 80.000 Euro für Küche, Möbel und Co sowie „Security und Reinigung für sechs Monate“, so Bauamtsleiter Roland Bornemann auf Anfrage. Für Elektroanschlussarbeiten, Bauzaunelemente und Mietkosten für die Sanitärcontainer seien rund 50.000 Euro anzusetzen.

Zwei Stockbetten in einer zwölf Quadratmeter großen Kabine, verhängt mit grauen Filzdecken, die den Schall schlucken sollen, ein Kühlschrank, ein Tisch, drei Steckdosen, vier Spinde – so wird ein fertig eingerichtetes Vierbettzimmer in der Notunterkunft Buchenbachhalle aussehen. Seit Anfang des Monats baut die Stadt Winnenden die Sporthalle in Birkmannsweiler um, damit Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, ein Dach über dem Kopf haben. Übernächste Woche dürfte das Lager

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