Winnenden

Nur kurz am Einlass warten, dann taucht man im Wunnebad Winnenden mit Wonne ab

WunnebadCorona
Das Sportbecken mit ein paar Schwimmern am Samstagvormittag. © Gaby Schneider

Als sie Anfang November das letzte Mal unter der Dusche im Wunnebad standen, gingen die Schwimmer noch davon aus, dass sie auf ihr geliebtes Schwimmen nur einen Monat verzichten müssen; vor Weihnachten, so hieß es offiziell vor dem zweiten harten Lockdown, würde es weitergehen. Da fielen zum Abschied Sätze wie „Also dann, bis nächsten Monat“. Aus einem Monat wurden sieben. „Das war heftig lang. Wir sind so froh, dass es wieder losgeht“, sagt Schwimmmeister Emanuel Froese und gibt damit die Stimmung wieder, die das Wunnebad-Publikum am Samstag, dem zweiten Tag nach Wiedereröffnung, mit teilweise seligem Gesichtsausdruck ausstrahlt.

Kinder haben bei durchwachsenem Wetter den Sprungturm und die Rutsche quasi für sich

Familien trifft man eher rund um den Sprungturm an. Zwei Wasserratten aus Waiblingen können es kaum erwarten, wieder abzutauchen: Kian (acht Jahre) und ihre zehnjährige Schwester Luna sagen, sie kommen immer mit der Oma Cornelie Kopp her. „Wir haben uns gestern alle drei testen lassen“, sagt sie. Einige Tage davor seien sie schon in Bittenfeld reingehüpft - beide Waiblinger Bäder hatten einige Tage früher geöffnet. Das Testen sei nichts dagegen, monatelang auf dem Trockenen zu sitzen. „Rutsche und Sprungbrett habe ich vermisst“, sagt Kian. Luna geht am liebsten kopfüber auf Tauchstation. „Ich musste mich wieder daran gewöhnen und habe es nicht gleich zum Boden geschafft, heute übe ich noch mal.“

Das durchwachsene Wetter kommt Familie Beyer aus Marbach gerade recht. „Ich mag die vollen Freibäder nicht so“, sagt Papa Martin, der mit den Kindern im Alter von acht bis zwölf das „An-Rutschen“ der Saison übernimmt, während die Mama und Nesthäkchen Thea (fünf Jahre) abwechselnd den Wasserfall der Massagedusche erkunden und im Strömungskanal treiben. Die zehnjährige Ronja fragt „nach'm Fünfer“, also wann der Fünf-Meter-Turm öffnet. Lucas (12) sagt, dass er das nächste Mal in der Rutsche „mehr Anlauf“ nimmt, es sei „noch etwas lahm“ gewesen. Die achtjährige Anna ist happy: „Endlich schwimmen.“ Rund zehn Minuten habe es gedauert, bis sie drin waren, erzählt Martin Beyer, inklusive weniger Minuten Anstehen vor der Kasse, wo die Mitarbeiterinnen gründlich die Nachweise auf Handy-Displays und in Papierform prüfen. „Es ging sehr schnell, trotz der vier Kinder, sie haben alles im Griff.“

Joggen an Land sorgte im Lockdown für Probleme mit der Achillessehne

„Die Leute sind so glücklich, wieder schwimmen zu können“, so Froese. Das würde Susanne Simon aus Winnenden sofort unterschreiben: „Es hat gefehlt wie’d Sau“, sagt die durchtrainierte Person, die sich mit einem Gürtel ins aktuell 25 Grad warme Wasser begibt. „Es ist ein absolut befreiendes Gefühl“, sagt sie. Bereits am ersten Öffnungstag sei sie „ihre“ gewohnten 80 bis 90 Minuten durchs Wasser gejoggt - „es hat gleich wieder funktioniert, ich war schnell wieder drin“. Wer wie sie an die täglichen Bewegungseinheiten gewöhnt ist oder zumindest mehrmals pro Woche im Sportbecken seine Runden dreht, hatte keine spaßigen Monate. Um sich fit zu halten, sei sie aufs „normale“ Joggen umgestiegen. Doch die positiven Effekte auf ihren Rücken und ihr Wohlbefinden könne es nicht ansatzweise ersetzen: „Ich habe ziemlich schnell Probleme mit der Achillessehne bekommen“, sagt sie. Schwimmen habe immer Vorrang: „Ich werde jetzt beim Joggen wieder kürzertreten, wenn ich jeden Tag wieder ins Wasser kann“, freut sie sich.

Unter den Aquajoggern tummelt sich ein einziger Mann: Rudi Thal aus Leutenbach setzt nach jahrzehntelangem Joggen und einer Knie-OP seit zwei Jahren auf den gelenk- und sehnenschonenden Wassersport. „Ich fühle mich damit spitze, ab heute geht es mir wieder rundum gut“, ruft er. Das geschlossene Bad habe er mit seiner Frau wandernd kompensiert. „Wir waren viel im Wald spazieren, teilweise bis zu 20 Kilometer lange Wanderungen, und dabei viele neue Gegenden in der Nähe entdeckt.“ Doch für sie beide gehe nichts über das Wassertreten.

Beim Kraulen erlebt eine Winnenderin ein Glücksgefühl

In der Bahn, in der Rudi Thal mit weiteren Aquajoggern durch das Wasser strampelt und schwebt, hat es niemand eilig. Das Sportbecken ist aufgeteilt wie im Vorjahr: rechts die „Langsamschwimmer“, die Mitte ist für schnellere Schwimmer gedacht. Die Bahn vor dem Turm ist die „Rennbahn“ für sportlich Ambitionierte: Dort toben sich teils Leistungsschwimmer und Triathleten aus, es wird überwiegend gekrault, am Beckenrand liegen häufig Flossen, Schwimmpaddles für die „Schaufelhaltung“ der Hände, Trinkflaschen und Trainingspläne. Hier krault auch Regina Schmidt aus Winnenden mit, wenn auch „ohne Wettkampfabsicht, nur für mich“. Das Schwimmen sei mit nichts zu ersetzen. „Die Anspannung im Körper zusammen mit der Kompression des Wassers hat gefehlt ohne Ende“, meint sie. Das „Glücksgefühl“, nach rund 200 Tagen als Erste am Freitag im Becken zu sein, habe sie lange nicht gehabt. „Ich wollte gar nicht mehr raus“, sagt sie. Zwei bis drei Kilometer, in der Regel täglich und ganzjährig, brauche ihr Körper, der offenbar nicht abgebaut hat. „Nach den ersten Zügen war alles wie immer, habe gut in die Bewegung hineingefunden, Schwimmen verlernt man zum Glück nie.“

Ein Schnelltest am Vorabend: „Das ist es mir wert“

Den negativen Corona-Test, um reinzukommen, hat Regina Schmidt am Vorabend gemacht, sie finde dafür täglich die Zeit, so wie für ihren Sport auch. Vorerst gehe sie allein, normalerweise kommt ihr Mann auch mit. „Er verzichtet noch, bis es sich lockert, ihm ist das Testen lästig, aber mir ist es das wert.“

Zur „Community des Sportbeckens“ zählt auch die Winnender Rentnerin Brigitte. Eine Dreiviertelstunde Rücken und Brust sei ihr tägliches Pensum. „Wenn es heute nicht gleich auf Anhieb klappt, gehe ich nach einer halben Stunde raus, Hauptsache bewegt.“ Die 79-Jährige spürt den Bewegungsmangel - trotz regelmäßiger Spaziergänge. „Ich bin schon etwas steifer geworden.“

Mann aus Plüderhausen hält den Impfpass bereit

Im Wasser ist der 42-jährige Andreas aus Plüderhausen in seinem Element. Der Entzug sei kein Spaß gewesen: „Ich hatte ziemlich schlechte Laune, unsere Kinder hatten oft zu leiden“, spielt er mit Augenzwinkern an. Theraband, laufen gehen - „alles in Ordnung, aber eben doch nicht das“, sagt er. „Die Bewegung für Rücken und Schultern kann man mit Gymnastik nicht nachstellen.“ Am Einlass ist Andreas im Handumdrehen dem Wasser so nah wie lange nicht mehr: Er hält den QR-Code mit dem E-Ticket vor den Scanner, davor checken die Mitarbeiterinnen seinen Impfpass. „Ich hoffe, dass es jetzt eine Weile so bleibt“, sagt er und strebt schnellen Schrittes in Richtung Umkleiden.

Man hört keine Klagen an diesem Samstagvormittag: Am Einlass stehen alle gesittet und geduldig an, die drei „G“-Regeln - getestet, geimpft oder genesen - machen keine Probleme und Schwimmmeister Froese nimmt eine neue, gelassene Stimmung wahr. Niemand, dem die Temperatur nicht passt, der die Dusche anders möchte oder der findet, dass jemand falsch herum schwimmt. „Die Leute, die sonst gern schnell mal schimpfen, sind alle zufrieden und glücklich, dass sie das wiederhaben.“

Als sie Anfang November das letzte Mal unter der Dusche im Wunnebad standen, gingen die Schwimmer noch davon aus, dass sie auf ihr geliebtes Schwimmen nur einen Monat verzichten müssen; vor Weihnachten, so hieß es offiziell vor dem zweiten harten Lockdown, würde es weitergehen. Da fielen zum Abschied Sätze wie „Also dann, bis nächsten Monat“. Aus einem Monat wurden sieben. „Das war heftig lang. Wir sind so froh, dass es wieder losgeht“, sagt Schwimmmeister Emanuel Froese und gibt damit die

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