Winnenden

Opfer meldet sich bei der Polizei

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Bei der Demo in Winnenden war es zu einem Überfall gekommen. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. © Gaby Schneider

Winnenden. Das mutmaßliche Opfer eines Überfalls am Rande der Demo am Samstag in Winnenden hat bei der Polizei angerufen. Wer der Mann ist, bleibt unklar: Er habe sich als AfD-Symphatisant beschrieben, wollte aber seinen Namen nicht nennen, so Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz. Fünf Vermummte hatten den Mann offenbar angegriffen und heftig angegangen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Mann berichtete laut Krötz, er habe bei dem Überfall Hämatome und weitere Blessuren davongetragen; außerdem habe er Pfefferspray abbekommen. Diese Aussage passt zu den Angaben eines Gastwirts, der berichtet hatte, ein Mann mit stark geröteten Augen habe sich bei ihm in der Wirtschaft das Gesicht abgewaschen. Der Anrufer habe „einiges an Detailwissen“ gehabt – ein Indiz dafür, dass an seiner Aussage was dran ist.

Der Überfall hat tatsächlich stattgefunden, das hat die Polizei bereits am Montag bestätigt. Die Ermittler verweisen auf mehrere Aufnahmen aus Überwachungskameras, und es liegen Zeugenaussagen vor. Demnach waren die Täter, wohl fünf an der Zahl, vermummt gewesen. Am Rande der „Zusammen-gegen-rechts“-Demonstration am Samstag in Winnenden griffen sie offenbar in der Schmidtgallstraße eine Einzelperson an. Zeugen sagten aus, die Vermummten hätten den Mann niedergeschlagen und auf ihn eingetreten. Ersten Erkenntnissen zufolge haben die Täter nach dem Angriff ihre Kleidung ausgetauscht. Einzelne Kleidungsstücke hat die Polizei inzwischen sichergestellt.
Offen ist, ob der Überfall etwas mit einem weiteren Vorfall zu tun hat. Bereits vor der Kundgebung hatte ein bekannter Fellbacher Rechtsradikaler Teilnehmer fotografiert (wir haben berichtet). Demonstranten fühlten sich dadurch provoziert, woraufhin sie ihrerseits den Mann bedrängten, wie ein Augenzeuge berichtet.

Drastischer werden die Vorkommnisse auf der Facebook-Seite „Rems-Murr wehrt sich“ geschildert. Als Mailadresse ist auf dieser Seite die Adresse rems-murr@identitaere-bewegung.de gennant. Die Identitäre Bewegung steht laut baden-württembergischem Innenministerium seit Dezember 2015 unter Beobachtung. Sie vertritt laut Innenministerium „fremdenfeindliche – insbesondere islamfeindliche – Positione.“
Auf der Facebook-Seite „Rems-Murr-wehrt sich“ heißt es, einige „selbsternannte Antifaschisten“ hätten sich gegenüber „unerwünschten Besuchern höchst aggressiv“ verhalten. Sie hätten diese körperlich angegangen und versucht, die Besucher aus der Kundgebung zu drängen. Einem der „patriotischen Besucher“ sei dann von fünf Vermummten aufgelauert worden. Die Täter hätten ihm direkt Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. „Das zu Boden sinkende Opfer wurde daraufhin mit Tritten traktiert und als „Scheiss Nazi“ beleidigt“, so wird der Sachverhalt bei „Rems-Murr wehrt sich“ geschildert. Ein vorbeifahrendes Auto habe die Angreifer aufgeschreckt, wodurch Schlimmeres verhindert worden sei.