Winnenden

Ortskundige nehmen Schleichwege

Avus_0
Wer hier nach Schwaikheim in den Ort will, dem bleibt nichts übrig als umzudrehen. © Habermann / ZVW

Schwaikheim. Die Ständer mit den Durchfahrtsverbotsschildern sind umgelegt, einer liegt in Brennnesseln, der andere gegenüber im Gebüsch. Offenbar gilt „Freie Fahrt für alle“, zumindest wird es so verstanden, obwohl an den Schildern steht „Frei für den Linienverkehr“. An der Straße bei der Minigolfanlage herrscht reger Verkehr. Schleichverkehr für Eingeweihte, die sich den weiten Weg über die reguläre Umleitung nicht zumuten wollen?


Von der alten B 14 her ist die Strecke nicht leicht zu finden, der Abzweig ist unscheinbar. Nur Ortskundige dürften wissen, dass es von dort über die Brücke über die neue B 14, an der Minigolfanlage vorbei parallel zur S-Bahn-Linie, ins Industriegebiet und von dort weiter in den Ort geht. Genauso in der Gegenrichtung, wo es auf dieser Nahumfahrung der Baustelle an der Brücke und dem deswegen gesperrten B-14-Zubringer ohne großen Zeitverlust nach Winnenden, Korb oder Waiblingen geht oder eben, wie sonst auch, über die Anschlussstelle Schwaikheim auf die B 14.

Landratsamt: Diese Strecke ist keine ausgewiesene Umleitung

Wobei in der Gegenrichtung, ortsauswärts, die Durchfahrt eigentlich bereits ab dem Kreisel in der Ortsmitte gesperrt ist, allerdings mit dem Zusatz „frei bis Dammstraße“, also alle Wohngebiete bis dorthin und das Industriegebiet noch legal erreichbar sind. Dort gibt es sogar, wie auch im weiteren Verlauf am Kreisel Sonnenmeiler, einen Weghinweis zur Minigolfanlage. Die Weiterfahrt bis dorthin müsste also ebenfalls noch erlaubt sein. Bleibt die Frage, was in dieser Fahrtrichtung mit der „Lücke“ von dort bis zur alten B 14 ist. Weiterfahren bis dorthin erlaubt oder nicht? Bei der Ausfahrt aus dem Industriegebiet stehen auf der rechten Seite neue, temporäre Halte- und Parkverbotsschilder mit der Begründung „Umleitungsstrecke“. Das Landratsamt sagt auf Nachfrage, die Strecke sei keine „ausgewiesene“ Umleitung. Sperrungsschilder zu entfernen stelle einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und damit einen Straftatbestand dar.

An den Kontenpunkten der Umleitung bilden sich lange Staus

Es ist die Strecke, die laut Landratsamt während der Bauzeit und Sperrung der Kreisstraße 1850 eigentlich für den Linienbus von Korb nach Schwaikheim vorgesehen ist, ihm vorbehalten bleiben soll. Eine Frau, die nahe der Minigolfanlage ihren Hund Gassi führt, wundert sich denn auch angesichts des munteren Autoverkehrs. Sie hat mitbekommen, dass es auf der anderen Seite, bei der Friedenslinde, am ersten Tag auch „chaotisch“ zugegangen sei.

Dass Autofahrer einen anderen Weg nehmen als die offizielle Umleitungsstrecke, hat vielleicht mit den Zuständen an zwei Knotenpunkten der Umleitung zu tun: langer Rückstau am Linksabzweig an der Rewe-Kreuzung in Winnenden und eine unzumutbare Riesenwarteschlange an der B-14-Ausfahrt Winnenden-West/Leutenbach.

Weitere Halteverbotsschilder an der Winnender Straße

Eine Nachbesserung gibt es schon. An der Winnender Straße, im Ortsbereich der L 1140, sind in Fahrtrichtung ortsauswärts Halte- und Parkverbotsschilder aufgestellt, nun auch nach der Fußgängerampel. Der Verbotsbereich wurde verlängert. Die Anregung dazu kam von einer Anwohnerin, die beobachtet hatte, dass es dort immer wieder zu Stockungen kam. Die Anregung gab die Gemeindeverwaltung ans Landratsamt weiter, das ihr nachkam. Auch an der Weiler Straße wurden mittlerweile Halte- und Parkverbotsschilder ergänzt.


Landratsamt

Das Landratsamt betont, „vom überwiegenden Teil“ der Verkehrsteilnehmer sei die ausgewiesene Umleitungsstrecke sehr gut angenommen worden. Eine Eingewöhnungsphase von wenigen Tagen, bis sich der Verkehr im Netz verteile, sei bei einer derartigen Maßnahme völlig normal. Es weist darauf hin, dass auf häufige Verstöße mit Kontrollen durch die Polizei reagiert werden könne.