Winnenden

P+R-Anlage soll gebührenpflichtig werden

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Das gewohnte, allmorgendliche Bild: Auto an Auto. Wer hier ein Plätzchen ergattern will, muss früh aufstehen. © Palmizi / ZVW
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Der Schwaikheimer Bahnhof ist bei Pendlern beliebt, das zeigen auswärtige Kennzeichen. © Palmizi / ZVW

Schwaikheim. Am Bahnhof wird künftig nicht mehr kostenlos auf der P&R-Anlage geparkt werden können. Die Deutsche Bahn AG hat der Gemeinde mitgeteilt, dass sie beabsichtigt, im Lauf des nächsten Jahres auf dem Teil der Anlage, der ihr gehört, eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen.

Wie diese genau aussehen wird, welche Gebühren möglicherweise auf die am Bahnhof parkenden Autofahrer zukommen, steht noch nicht fest. Das Konzept dazu wird derzeit von der Bahn erstellt. Klar ist aber, dass die Gemeinde darauf reagieren muss. Zum einen wird sie sich etwas für den Teil der P&R-Anlage, der ihr gehört, einfallen lassen müssen. Denn es wird nicht sein können, dass da fürs Parken gezahlt werden muss und es auf der gleichen Anlage ein paar Meter weiterhin gratis ist. Und es wird auch nicht dazu kommen, dass unterschiedliche Gebührensätze gelten.

Autofahrer weichen in Wohnstraßen aus

Die Gemeinde muss ohnehin noch aus einem anderen Grund reagieren. Es ist zu erwarten, dass Autofahrer, um die Parkgebühr zu sparen, in die Umgebung des Bahnhofs ausweichen. Wobei es allerdings durch das Nachholen bei der Oboluserhebung in Schwaikheim auch zu einer Verringerung des seitherigen Andrangs von auswärtigen Pendlern kommen könnte. Das Gratisparken hat nämlich bislang dazu geführt, dass die Schwaikheimer P&R-Anlage morgens stets voll belegt ist und Autofahrer außerdem auf die am Bahnhof vorbeiführende Fritz-Müller-Allee und in die nahen Wohnstraßen ausweichen. Was dort zu erheblichem Frust der Anwohner führt, die für ihre Autos keine Stellplätze mehr an der Straße finden oder denen sogar die Garagen beziehungsweise Grundstückseinfahrten immer wieder zugeparkt werden.

Großes Neubaugebiet: Baufahrzeuge kommen kaum durch

Es gibt aber noch ein weiteres Problem: In direkter Nachbarschaft des Bahnhofs soll ein großes Neubaugebiet, die Heiße Klinge, entstehen. Die Zu- und Abfahrt dorthin und von dort soll über die obere Bahnhofstraße erfolgen. Der Teil jenseits der Einmündung der Lessingstraße und der Fritz-Müller-Allee und diese selbst sind aber für Parkplatzsucher, die auf der P&R-Anlage nicht mehr unterkommen, erste Wahl zum Ausweichen. Im obersten Teil der Bahnhofstraße wird bislang auf beiden Seiten geparkt, so dass große Baufahrzeuge für die Erschließungsarbeiten im Gebiet Heiße Klinge mit der bisherigen Regelung dort kaum durchkommen werden.

Fachbüro soll Parkraumkonzept erstellen

Die Gemeinde ist also gefordert, muss sich etwas einfallen lassen, kann aber nicht alleine entscheiden. Beim Ziel eines einheitlichen Konzepts für die Schwaikheimer P&R-Anlage hat nicht nur die Bahn, sondern auch der Regionalverband ein Wörtchen mitzureden. Dieser strebt für all diese Anlagen in der Region ohnehin eine einheitliche Regelung an. Auch mit dem Landratsamt, der Straßenverkehrsbehörde dort, müssen Gespräche geführt werden. Mit dem Erstellen und Umsetzen eines Parkraumkonzepts für die P&R-Anlage und die Umgebung beauftragt die Gemeinde das Fachbüro BS Ingenieure aus Ludwigsburg. Das Büro ist derzeit, auch im Zusammenhang mit dem zu erwartenden höheren Verkehrsaufkommen im Ort wegen des Gebiets Heiße Klinge, an der Fortschreibung des Verkehrentwicklungsplans dran.

Vorschläge sollen Anfang 2018 vorgestellt werden

Die Verwaltung hat in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats angekündigt, dass sie Vorschläge Anfang des kommenden Jahres im Gemeinderat vorstellen wird. Es gibt dazu auch einen vom Gemeinderat einstimmig beschlossenen, interfraktionellen Antrag, der der Verwaltung Druck machen soll, die Voraussetzungen für eine Parkraumbewirtschaftung zu prüfen und die notwendigen Schritte dafür zur Beratung im Gremium vorzustellen, mit dem Ziel, sie baldmöglichst einzuleiten.


Parkdeck könnte Engpass beseitigen

Von einer „nicht mehr tragbaren Situation“ am Bahnhof sprach im Gemeinderat Helmut Bähr, SPD. Die Gemeinde müsse jetzt schon Überlegungen anstellen, wie sie auf die Parkraumbewirtschaftung durch die Bahn reagiert. Da gehe es auch um die Umgebung des Bahnhofs, die Folgen für die Anwohner. Die Bahn werde ihr Konzept nicht einseitig einführen, sondern habe versichert, es mit der Gemeinde abzustimmen, Gespräche zu führen, versicherte Bürgermeister Gerhard Häuser.

Sicher sei, dass es „enger“ werde, es entstünden ja keine neuen Stellplätze, so Alexander Bauer, SPD. Zu seiner Anregung, über die Möglichkeit eines „Parkdecks“ nachzudenken, wies Bauamtsleiter Jürgen Gall darauf hin, dass dies bereits bei der Bürgerbeteiligung zum Gebiet Heiße Klinge angeregt worden war und der Verkehrsplaner dazu Vorschläge in Form von Skizzen gemacht hatte. Die Parksituation am Bahnhof sei schon lange als Problem bekannt und erkannt. Häuser ergänzte, der Bau und damit die Kosten eines Parkdecks wären auf jeden Fall Sache der Gemeinde, hätten mit der Umlegung für die Heiße Klinge und damit auch mit den Erschließungsbeiträgen nichts zu tun.

Das Problem sei drängend, so Wolfgang Rauscher, CDU-FB. Er schlage deshalb eine Bürgerversammlung zum Thema mit den Anwohnern vor. Häuser wies darauf hin, dass beim ins Auge gefassten Anwohnerparken die Frage sei, wie weit die Zone dafür gefasst werden soll. Jede Lösung werde Vor- und Nachteile haben, weil es unterschiedlich Betroffene gebe.