Winnenden

Paulinenpflege: Berufskolleg Gebärdensprache nun auch für Hörbehinderte offen

Zeichen
Die Zeichen des internationalen Fingeralphabets der Gehörlosen bedeuten D-G-S, die Abkürzung für Deutsche Gebärden-Sprache. © Eva Paulus

Auch das Berufskolleg Gebärdensprache der Paulinenpflege ist jetzt inklusiv. Warum erst jetzt und was das genau bedeutet, beschreibt Dr. Dietrich Hub von der diakonischen Einrichtung in seinem Bericht zum neuen Schuljahr: Gemeinsam mit ihren hörenden Klassenkameradinnen und Kameraden haben drei Schülerinnen mit Hörschädigung das Berufskolleg Gebärdensprache begonnen. Damit ist der Bildungsgang erstmals neu ausgerichtet. „Wir leben Inklusion“, sagt Abteilungsleiterin Eva Paulus, „und das ist gut so.“ Ursprünglich war das Berufskolleg Gebärdensprache nur für normalhörende Schülerinnen und Schüler bestimmt.

Vorbereitung aufs Dolmetscher-Studium

Im zweijährigen Berufskolleg Gebärdensprache erwerben die Schüler die allgemeine Fachhochschulreife und sie erlernen die Gebärdensprache so, dass sie sogenannte Alltagssituationen in dieser Sprache bewältigen können. Das Berufskolleg wurde 2009 gegründet und ist nach wie vor die einzige Schulform in Deutschland, in der Schülerinnen und Schüler die Gebärdensprache lernen können. Dieser Bildungsgang dient auch dazu, solche junge Menschen zu qualifizieren, die ein Studium zum Gebärdendolmetscher beginnen wollen. Dafür werden bereits Vorkenntnisse in Gebärdensprache erwartet. Vor allem aber sollen junge Menschen dafür befähigt werden, sich mit gehörlosen Menschen unterhalten zu können, und ihre besondere Kompetenz auch in ihren zukünftigen „normalen“ Beruf einbringen.

Bei der Gründung des neuen Berufskollegs war diese Schulform einzig auf normalhörende Schüler ausgerichtet. Dem entspricht auch die Klassengröße: 26 junge Erwachsene besuchen diese „Regelklasse“, nicht nur maximal zwölf, wie in den anderen Schulklassen der Paulinenpflege. An der Größe dieser Klasse hat sich auch heute nichts geändert. Nach wie vor gilt dieser Bildungsgang als „Regelberufskolleg“, nicht als „Sonderberufskolleg“ wie die beiden anderen Berufskollegs „Technik“ sowie „Gesundheit und Pflege“, die es in der Schule beim Jakobsweg der Paulinenpflege Winnenden außerdem gibt. Anfangs war es noch so gedacht, dass hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler nur eines dieser beiden Sonder-Berufskollegs besuchen sollen.

Für die Lehrer ist der Mix kein Problem

Eva Paulus ist Lehrerin an der Schule beim Jakobsweg der Paulinenpflege und war federführend an der Gründung dieses Berufskollegs beteiligt. Inzwischen ist sie Abteilungsleiterin für alle drei Berufskollegs. Sie sagt: „Schülerinnen und Schüler mit Handicaps in anderen Bereichen hatten wir schon häufiger im Berufskolleg Gebärdensprache. Selbstverständlich nehmen wir jetzt auch hörgeschädigte Schüler darin auf.“ Die Voraussetzungen dafür sind in der Paulinenpflege recht gut: Soundfieldanlagen sind in allen Klassenzimmern vorhanden. Alle Lehrer, welche die herkömmlichen Fächer - von Mathematik über Englisch bis zu Religion - unterrichten, sind geübt im Umgang mit gehörlosen jungen Menschen, da sie auch in den anderen Bildungsgängen der Schule unterrichten. Einige der Lehrer sind selbst hörgeschädigt - nicht nur die Schulklassen, sondern auch das Lehrerkollegium ist „inklusiv.“

Nicht zuletzt ist auch die eigene Kompetenz der hörgeschädigten Schülerinnen für ihre normalhörenden Klassenkameraden sehr nützlich: Keiner kann wohl Gleichaltrigen besser erklären, was eine Hörschädigung in allen Lebensbereichen ausmacht, als einer, der selbst davon betroffen ist.

Auch das Berufskolleg Gebärdensprache der Paulinenpflege ist jetzt inklusiv. Warum erst jetzt und was das genau bedeutet, beschreibt Dr. Dietrich Hub von der diakonischen Einrichtung in seinem Bericht zum neuen Schuljahr: Gemeinsam mit ihren hörenden Klassenkameradinnen und Kameraden haben drei Schülerinnen mit Hörschädigung das Berufskolleg Gebärdensprache begonnen. Damit ist der Bildungsgang erstmals neu ausgerichtet. „Wir leben Inklusion“, sagt Abteilungsleiterin Eva Paulus, „und das ist

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