Winnenden

Personalsorgen in der Gastrobranche - auch in Winnenden?

TraubeHanweiler
Robin Bader in der Küche des Gasthofs Traube in Hanweiler. © Gaby Schneider

Aufatmen in der Gastronomiebranche. Beschränkungen wie die 3G-Regel sind aufgehoben. Für Gäste gibt es keine Hürden mehr, um einen Zwiebelrostbraten mit Spätzle im Lieblingsrestaurant oder eine Halbe vom Fass in der Stammkneipe zu genießen. Doch mit den Corona-Wolken, die sich über der Branche langsam verziehen, werden auch die Sturmschäden deutlicher. Ein Problem: Personalmangel.

Im Gasthof Traube in Hanweiler arbeiten 22 Angestellte

Frank Windeisen vom Gasthof Traube in Hanweiler ist gut aufgestellt. „Wir haben momentan 22 Mitarbeiter“, erzählt er am Telefon. Aber auch er hat schon leidvolle Erfahrungen am Arbeitsmarkt gemacht. „Es ist sehr, sehr schwierig, gute Fachleute zu bekommen. Mein Eindruck ist, dass es immer schwieriger wird“, meint er.

Im vergangenen Jahr hat die Traube zwei Mitarbeiter gesucht. „Es hat sechs Monate gedauert, bis wir jemanden hatten“, erinnert sich Windeisen. Festgestellt hat er dabei, dass über die Agentur für Arbeit nichts gelaufen ist. „Man muss Bewerbungsportale im Internet nutzen, die Geld kosten. So zumindest sind meine Erfahrungen“, erzählt er.

Dehoga: Personaleinbruch ist krisenbedingt

Jemand, der die aktuellen Zahlen in der Branche kennt, ist Daniel Ohl, Geschäftsführer für Kommunikation beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg (Dehoga).

Während man im Jahr 2010 noch 102.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Gastronomiebereich in Baden-Württemberg verzeichnete, waren es 2019 137.000. „Im März 2021 waren es noch 116.000. Der Einbruch ist krisenbedingt“, ist sich Ohl sicher. Es habe in der Pandemie eine Neigung gegeben, die Branche zu verlassen, etwa in den Einzelhandel. „Viele waren in Kurzarbeit. Das bedeutet finanzielle Verluste. Hinzu kam die Frage, wann es endlich weitergeht. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Tausende abgewandert sind. Der Verlust von Mitarbeitenden durch die Krise gehört zu den Krisenfaktoren, die am schwersten zu beheben sind“, sagt Ohl.

Mittlerweile verzeichne man in der Branche wieder einen Anstieg der Mitarbeiter, liege momentan bei über 120.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Land.

Auch was die Zahl der Auszubildenden in der Gastrobranche betrifft, haben die Zahlen sich in der Pandemie verschlechtert. „Im ersten Krisenjahr 2020 ist die Zahl der Azubis um etwa 20 Prozent zurückgegangen“, berichtet Ohl. Zum einen liege es daran, dass die Nachfrage aufgrund der Unsicherheit abgenommen hat. „Aber es war durch Lockdown und Co natürlich auch weniger Angebot da.“ 2021 habe es keine weiteren Rückgänge gegeben, was zwar nicht zur Entwarnung beitrage, aber zur Zuversicht.

Die Beschäftigten tragen momentan noch eine Maske

In der Traube in Hanweiler hat ein Azubi die Ausbildung während der Pandemie erfolgreich abgeschlossen. Ein weiterer ist von einem anderen Betrieb in die Traube gewechselt. „Natürlich hat aber die Gefahr bestanden, dass Arbeitsverhältnisse oder Ausbildungen gar nicht erst zustande kommen“, ist Frank Windeisen sich bewusst.

Maskenpflicht gilt in der Gastronomiebranche nicht mehr. In der Traube hat man allerdings die Erfahrung gemacht, dass die meisten Gäste trotzdem darauf setzen. „Unsere Beschäftigten tragen sie aus Arbeitsschutzgründen. Hier müssen wir schauen, wie sich das Ganze entwickelt. In den Sommermonaten ist das natürlich eine zusätzliche Belastung“, weiß Windeisen, der merkt, dass sich der Wegfall der 3G-Regel auf die Besetzung im Restaurant auswirkt. „Es ist mehr los“, sagt er. Gleichzeitig kann er sich allerdings auch vorstellen, dass Personen, die vorsichtig sind, vorerst nicht mehr kommen. „Ich begrüße es, dass die Quarantäne-Pflicht bestehen bleibt. Wenn ich mir vorstelle, dass coronapositive Gäste im Restaurant sitzen, dann ist das nicht nur für andere Gäste, sondern auch für uns schwierig. Vor allem, wenn das Personal erkrankt.“

Dehoga hofft bei Öffnungszeiten auf Verständnis der Gäste

Daniel Ohl von Dehoga ist zuversichtlich, dass sich die Branche wieder erholt. „Wir waren bis zur Krise einer der stärksten Jobmotoren in Baden-Württemberg und eine erfolgreiche Ausbildungsbranche“, sagt er. Es habe schwere Tiefschläge gegeben, trotzdem müsse man nicht schwarz in schwarz malen. Die Gastrobranche sei nach wie vor attraktiv.

Es liege allerdings auch an der Branche selbst, mit Löhnen und Arbeitszeiten für Nachwuchs zu sorgen. „Gerade was den letzteren Punkt betrifft, müssen wir auf das Verständnis der Gäste hoffen. Attraktive Arbeitszeiten bedeuten auch eine Anpassung der Öffnungszeiten. Dann kann spät am Abend möglicherweise nicht noch eine Flasche Wein geöffnet werden.“

Aufatmen in der Gastronomiebranche. Beschränkungen wie die 3G-Regel sind aufgehoben. Für Gäste gibt es keine Hürden mehr, um einen Zwiebelrostbraten mit Spätzle im Lieblingsrestaurant oder eine Halbe vom Fass in der Stammkneipe zu genießen. Doch mit den Corona-Wolken, die sich über der Branche langsam verziehen, werden auch die Sturmschäden deutlicher. Ein Problem: Personalmangel.

Im Gasthof Traube in Hanweiler arbeiten 22 Angestellte

Frank Windeisen vom Gasthof Traube in

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