Winnenden

Pflegeheim-Leiterin: „Kostensteigerung sollte Kasse zahlen“

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Kristina Baumstark leitet seit September das „Haus im Schelmenholz“ mit 135 Pflegeplätzen. © ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden.
Kristina Baumstark hat die Altenpflege von der Pike auf gelernt – und hat sich auch als neue Leiterin des größten Pflegeheims in der Stadt, dem „Haus im Schelmenholz“ nicht von den Sorgen der Bewohner entfernt. Zum Beispiel hat sie eine Lösung dafür gefunden, dass ein neuer Bewohner, der schon immer geraucht hat, dies aber in seinem Zimmer nicht mehr darf – Brandschutz – es sich nicht abgewöhnen muss. „Früher hätte man das von ihm verlangt. Aber wir wollen, dass jeder seine Individualität und Angewohnheiten behalten kann.“ Das Haus hat eine regengeschützte Raucherecke im Freien geschaffen.

„Das System empfinde ich als ungerecht“

Eine weitaus größere, weil nicht lokal lösbare Aufgabe sind die hohen Eigenanteile, die Bewohner zu bezahlen haben. Bis Ende Januar liegen die Kosten bei 2718 Euro für die Pflegegrade 2 bis 5, im Februar steigt der Eigenanteil. Kristina Baumstark findet das selbst nicht gut. „Ich bringe mich in einem Arbeitskreis der Evangelischen Heimstiftung, unserer Trägerin, für eine Pflegereform ein“, sagt sie, dass sie das momentane System für ungerecht hält. „Das Ziel soll sein, dass Bewohner immer gleiche, feste Beträge bezahlen und dass die Pflegekassen eventuelle Kostensteigerungen übernehmen.“ Derzeit ist es genau umgekehrt. Dadurch rutschen immer mehr Leute in die Sozialhilfe („Hilfe zur Pflege“), weil ihre Rente und/oder ihr Vermögen für den Eigenanteil nicht ausreichen.

Dennoch: Zwei bis drei Anfragen nach einem freien Platz erhält das Haus im Schelmenholz täglich. Und trotz seiner 135 Pflegeplätze führt es eine Warteliste. „Oft erreichen uns aus Krankenhäusern oder Reha-Einrichtungen verzweifelte Patienten, auch in der Kurzzeitpflege spüren wir einen Mangel. Heimplätze in Heimatnähe werden händeringend gesucht“, sagt Kristina Baumstark.

Bezahlung der Pflegekräfte im Bundesvergleich am besten

Beim Preis spielt auch die öffentliche Förderung (zum Beispiel wird für das Grundstück nur Erbbaupacht verlangt) eine Rolle. Und auch die Löhne und Zuschläge. „In Baden-Württemberg und Bayern sind die Heimplätze am teuersten, weil die Pflegekräfte am meisten verdienen“, sagt Kristina Baumstark. Ohne diese verbesserten Gehälter wäre der Fachkräftemangel mit Sicherheit dramatisch höher. „Wenn nicht genug Personal da ist, um die Versorgung zu gewährleisten, muss ein Heim entsprechend viele Zimmer leerstehen lassen.“

Kristina Baumstark ist in Backnang zur Schule gegangen, hat nach der Mittleren Reife ein Freiwilliges Soziales Jahr und eine Ausbildung zur Krankenpflegerin gemacht. „Eine sinnhafte Tätigkeit, die ich mit viel Herz ausgeführt habe“, sagt die 38-Jährige lächelnd. „Ich bin trotzdem in eine Führungsposition gegangen, um den wichtigen und guten Beruf mitzugestalten.“ Das heißt, konkret, dass sie und ihre Kollegen bei der Evangelischen Heimstiftung sich „Mühe geben, ein attraktiver und fairer Arbeitgeber zu sein, der seine Mitarbeiter gesund erhält und motiviert“. Je weniger Fluktuation es in diesem typischen Frauenberuf gebe – und die gibt es durch Schwangerschaft und Elternzeit und auch einen Wegzug hier und da ja zwangsläufig –, desto besser für eine kontinuierliche Arbeit mit den Bewohnern. Als großen Vorteil sieht Kristina Baumstark die Nähe zum Rems-Murr-Klinikum und der Pflegeschule in Winnenden. „Ab 2020 gibt es eine generalisierte Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann“, hofft sie auf Kooperation.

Kürzerer Weg zur Arbeit war für die zweifache Mutter ein Argument

Ihr Vorgänger Frank Walker hatte die Nachwuchsgewinnung auf internationale Säulen gestellt, Migranten und Asylbewerber in Ausbildung gebracht oder eingestellt, so dass inzwischen 30 Nationalitäten in der 160 Menschen zählenden Mitarbeiterschaft gezählt werden. „Und wir fördern auch Leute, die um die 40 Jahre alt sind und gern in die Altenpflege quereinsteigen wollen.“ Ihre vornehmliche Aufgabe sieht sie in der Mitarbeiterführung und -entwicklung. Ist das Personal gleichmäßig verteilt? Wo gibt es Probleme in den Abläufen? Fühlt sich der einzelne Mitarbeiter wohl, kann er sich entfalten, auch wenn manches vorgegeben wird? „Ich will, dass sich jede und jeder wertgeschätzt fühlt.“

Vom Heim in Albershausen, Kreis Göppingen, mit seinen 50 Plätzen hat sich die 38-Jährige nach nur zwei Jahren unter anderem auch deshalb nach Winnenden beworben, weil ihr Weg zur Arbeit nun nur noch 16 Kilometer beträgt. Kristina Baumstark wohnt mit ihrer Familie in Auenwald, ihre Töchter sind sechs und acht Jahre alt. Ihr Mann war in Elternzeit und arbeitet nun Teilzeit, sie ist seit fünf Jahren wieder in Vollzeit. „Zum Ausgleich jogge ich, sieben, acht Kilometer am Stück, gern im Wald, das erdet, da kann ich vieles verarbeiten“, sagt sie. „Und in den Urlaub fahren wir gern mit dem Wohnmobil.“

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Kristina Baumstark hat die Altenpflege von der Pike auf gelernt – und hat sich auch als neue Leiterin des größten Pflegeheims in der Stadt, dem „Haus im Schelmenholz“ nicht von den Sorgen der Bewohner entfernt. Zum Beispiel hat sie eine Lösung dafür gefunden, dass ein neuer Bewohner, der schon immer geraucht hat, dies aber in seinem Zimmer nicht mehr darf – Brandschutz – es sich nicht abgewöhnen muss. „Früher hätte man das von ihm

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