Winnenden

Pflegeheime in Winnenden und Berglen: Personalengpass durch Impfpflicht?

CoronaNachweis
Mitarbeiter, die im Haus im Schelmenholz keinen Impf- oder Genesenennachweis vorlegen können, werden gekündigt. © Gaby Schneider

Bis 15. März müssen Beschäftigte von Krankenhäusern, Rettungsdiensten oder Arztpraxen ihren Arbeitgebern eine Bescheinigung über die Corona-Impfung oder Genesung vorlegen, ansonsten droht die Kündigung. Auch in Pflegeheimen ist das so. Wie handhaben die Einrichtungen die Impfpflicht? Droht ein Personalengpass? Wir haben uns umgehört.

Alexander-Stift: Mehrere Mitarbeiter impfkritisch oder besorgt

Im Alexander-Stift Berglen hofft man nach wie vor, dass alle ungeimpften Mitarbeiter den Nachweis noch fristgerecht erbringen. „Angesichts unserer ohnehin schon angespannten Personalsituation befürchten wir an einigen Stellen Personalengpässe, wenn es ab Mitte März tatsächlich zu Tätigkeits- und Betretungsverboten durch die Gesundheitsämter kommt. Diese Sorge beschäftigt uns gerade sehr“, schreibt Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten, die das Pflegeheim betreibt. Die Personalsituation war bereits vor der Pandemie angespannt, hat sich nun zugespitzt.

Die Impfquote bei den Mitarbeitern in Berglen liegt bei circa 90 Prozent, was der durchschnittlichen Quote in allen Einrichtungen entspreche. Die Leiter haben seit Dezember Gespräche mit ungeimpften Mitarbeitern geführt, was zu einem Anstieg der Quote geführt hat. Aber: Es gibt noch immer ungeimpfte Mitarbeiter. „Im Alexander-Stift insgesamt wissen wir von mehreren Mitarbeitenden, dass sie einer Impfung nach wie vor kritisch oder besorgt gegenüberstehen. Aber ob sie sich angesichts der Impfpflicht bis Mitte März noch umentscheiden werden, wissen wir nicht“, schreibt der Pressesprecher.

Gesundheitsämter entscheiden, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht

Droht die Kündigung, sollten jene Kräfte bei ihrer Entscheidung bleiben? Steffen Wilhelm spielt den Ball weiter an die Gesundheitsämter. An jene muss die Einrichtung die Mitarbeiter, die keinen Nachweis vorlegen, melden. „Je nach Entscheidung des Gesundheitsamts müssen wir dann die notwendigen arbeitsrechtlichen Schritte einleiten. Wie die konkrete Praxis der Gesundheitsämter sein wird, wissen wir aber noch nicht“, schreibt der Pressesprecher.

Man werde die Impfpflicht zum Schutz der Bewohner konsequent umsetzen, trage aber die Sorge, dass deshalb Mitarbeiter die Einrichtungen verlassen. Die Diakonie Stetten als Betreiber des Alexander-Stifts fordert deshalb eine allgemeine Impfpflicht, „die nicht allein zulasten unserer ohnehin schon belasteten Mitarbeitenden geht“. Eine einrichtungsbezogene Impfpflicht sorgt demnach eher für Verunsicherung. „Wir haben die Befürchtung, dass sie ihre eigentliche Intention verfehlt.“

Haus im Schelmenholz: 20 Kräfte nicht vollständig geimpft

Das Winnender Haus im Schelmenholz hat 150 Mitarbeiter. „Davon sind 20 noch nicht vollständig geimpft. Zehn werden sich jedoch impfen lassen“, erzählt Leiterin Kristina Baumstark. Von den dann übrigen zehn ungeimpften Mitarbeitern wollen fünf es sich noch überlegen. „Fünf Mitarbeiter haben für sich entschieden, dass sie sich nicht impfen lassen werden“, so Baumstark. Die evangelische Heimstiftung, Betreiber des Hauses im Schelmenholz, hat entschieden, die ungeimpften Mitarbeiter ab Mitte März freizustellen.

„Wir fordern von den Gesetzgebern klare Vorgehensweisen“, sagt Baumstark. Bisher ist angedacht, dass die Gesundheitsämter die Arbeitsverbote aussprechen. Baumstark kann sich vorstellen, dass das schwierig wird. „Die Gesundheitsämter sind durch die Pandemie momentan ja sowieso schon überlastet. Im März kommen dann weitere Aufgaben hinzu. Ich kann mir vorstellen, dass einige darauf spekulieren, dass sie vorerst weiterarbeiten dürfen, weil die Ämter nicht hinterherkommen“, befürchtet die Leiterin des Hauses im Schelmenholz und fügt hinzu: „Wir nehmen die Impfpflicht sehr ernst, unsere Mitarbeiter sind alle informiert. Jetzt erwarten wir Rückendeckung vom Gesetzgeber.“

Eine Person wird sich beruflich umorientieren

Wichtig ist der Leiterin des Hauses, zu erwähnen, dass der überwiegende Teil der Mitarbeiter geimpft ist und voll hinter den Regelungen steht. „Es ist eben in unserer Einrichtung so wie überall in der Gesellschaft: Wer Angst vor der Impfung hat, hat auch nur wenig Verständnis für die Impfpflicht“, sagt Baumstark. Von manchen habe sie auch gehört, dass diese bisher der Meinung waren, dass eine Impfung für sie nicht nötig ist. „Diese Personen hatten kein Problem, sich jetzt impfen zu lassen“, erzählt sie. Von Bewohnern und deren Angehörigen ist die Rückmeldung zur Impfpflicht durchweg positiv.

Kristina Baumstark befürchtet, dass die Pflegekräfte den Schwund im Personal nun ausbaden und Überstunden schieben müssen. „Bei uns ist es noch im Rahmen. Fünf Personen werden wir ersetzen können“, weiß sie. An der ein oder anderen Stelle wird es aber doch schmerzhaft. „Erfahrung kann man nicht einfach austauschen. Neue Mitarbeiter müssen eingearbeitet werden, was wiederum Zeit kostet.“ Froh ist Baumstark, dass die fünf Mitarbeiter nicht alle im selben Bereich arbeiten. „Es sind Alltagsbegleiter und Pflegefachkräfte betroffen. Wäre nur ein Bereich betroffen, wäre es schwieriger für uns geworden“, sagt Baumstark. Von einer ungeimpften Person weiß sie, dass diese sich nun beruflich komplett umorientieren wird.

In der evangelischen Heimstiftung sind 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Man rechnet damit, dass zwei bis drei Prozent der Mitarbeiter durch die Impfpflicht ausscheiden.

Bis 15. März müssen Beschäftigte von Krankenhäusern, Rettungsdiensten oder Arztpraxen ihren Arbeitgebern eine Bescheinigung über die Corona-Impfung oder Genesung vorlegen, ansonsten droht die Kündigung. Auch in Pflegeheimen ist das so. Wie handhaben die Einrichtungen die Impfpflicht? Droht ein Personalengpass? Wir haben uns umgehört.

Alexander-Stift: Mehrere Mitarbeiter impfkritisch oder besorgt

Im Alexander-Stift Berglen hofft man nach wie vor, dass alle ungeimpften

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